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Umleitung für Schwerlastverkehr

Lkw-Durchfahrtsverbot für Chieming und Umgebung gefordert

Nach wie vor rauscht der Schwerlastverkehr täglich auch durchs Chieminger Ortszentrum.
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Nach wie vor rauscht der Schwerlastverkehr täglich auch durchs Chieminger Ortszentrum.

Der Bürgerverein Chieming informierte online über mögliche Verkehrsentlastungen der östlichen Chiemseegemeinden. Ein Fachanwalt stellte die verkehrsrechtlichen Grundlagen für ein Lkw-Durchfahrtsverbot vor.

Chieming – „Kein weiterer Flächenverbrauch unserer wertvollen Natur- und Kulturlandschaft, keine Neuverlärmung, aber Verkehrsentlastung der Gemeinde Chieming und der Nachbargemeinden Nußdorf, Grabenstätt, und Seeon-Seebruck.“ Diese Maxime hat sich der 2019 gegründete „Bürgerverein Chieming“ auf seine Fahnen geschrieben und beteiligt sich immer wieder an entsprechenden Diskussionen.

Aktuell organisierte der Verein dazu eine Online-Informationsveranstaltung zum Thema „Lkw-Durchfahrtsverbot für Chieming und Umgebung“.

Verkehrssituation in Filmen vorgestellt

Moderiert wurde sie vom Vorsitzenden Sepp Mitterleitner und Beisitzer Wolfgang Wimmer; als Referent war Fachanwalt Bastian Reuße aus Stuttgart zugeschaltet.

Zunächst wurde in zwei vom Bürgerverein produzierten Filmen die Verkehrssituation mit den erhobenen Kraftfahrzeugaufkommen im Bereich zwischen den Autobahnausfahrten Grabenstätt in Richtung Chieming, Traunreut und Trostberg sowie zwischen der Autobahnausfahrt Siegsdorf über die Blaue Wandstraße, die Südspange und den Ettendorfer Tunnel in Richtung Matzing gezeigt.

160 LKW pro Tag

Dabei wurde Bezug genommen auf das Gutachten des Ingenieurbüros Ingevost aus Planegg, die die tägliche Durchfahrtsbelastung mit 5090 Pkw und 160 Lkw beziffert hatte, selbst dann, wenn eine Umgehungsstraße gebaut würde. Auf dieser würden laut Prognose dann 2770 Pkw und 480 Lkw täglich fahren.

In den letzten 20 Jahren ist laut Bericht das tägliche Verkehrsaufkommen an der Dauerzählstelle Grabenstätt bei Hirschau durchschnittlich um 68 Fahrzeuge pro Jahr angewachsen. In der Ortsdurchfahrt von Chieming ist der Anstieg mit 131 Fahrzeugen deutlich höher. Dagegen nahm der Lkw-Verkehr seit 2017 innerorts von 600 auf 400 Fahrzeuge im Durchschnitt täglich ab. Dies stehe mit der Sperrung der Alzbrücke in Seebruck für Lkw in Zusammenhang, hieß es.

Die Online-Veranstaltung „Lkw-Durchfahrtsverbot für Chieming und Umgebung“ wurde von Wolfgang Wimmer (links.) und Sepp Mitterleitner moderiert.

Als Alternativroute für aus Fahrtrichtung München kommende Lkw wurde die Strecke über die A 8 bis Siegsdorf sowie über die B 306 und die B 304 bis zum Kreisel bei Matzing vorgestellt.

Ostumfahrung von Traunstein nicht voll ausgelastet

Die für 80 Millionen Euro gebaute Ostumfahrung von Traunstein sei nicht in vollem Maße ausgelastet. So sei der Ettendorfer Tunnel für 22 600 Kfz, davon 2200 Lkw geplant worden. „Tatsächlich fahren aber durchschnittlich nur 15 000 Kfz, davon 1000 Lkw täglich durch den Tunnel“, hieß es im Film.

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Fachanwalt Reuße stellte die verkehrsrechtlichen Grundlagen vor, die für ein Lkw-Durchfahrtsverbot vorausgesetzt sein müssten. Den allgemeinen Nutzungsrechten von Straßen müssten schwerwiegende Gründe entgegenstehen, die es rechtfertigen, einzelne Straßen oder auch großräumige Flächen vom Schwerlastverkehr freizuhalten.

Auf die Lärmbelastung von Straßen eingegangen

Reuße ging konkret auf die Lärmbelastung von Straßen ein, die bei Neubauten ein Maß von 64 Dezibel am Tag und von 54 Dezibel in der Nacht nicht überschreiten dürften. Ab 65 beziehungsweise 55 Dezibel sei laut Gerichtsurteilen bereits ein gesundheitskritischer Bereich erreicht, bei 69 beziehungsweise 59 Dezibel liege die grundrechtliche Zumutbarkeitsschwelle, ab 72 (62) Dezibel bestehe derzeit eine Anordnungspflicht. Diese Höhe erscheint dem Anwalt aber „nicht mehr zeitgemäß“, wie er ausführte. „Die Belastungsgrenze liegt weit darunter.“

In dem rot schraffierten Bereich soll der Lkw-Verkehr ausgeschlossen werden.

Mitterleitner zeigte anhand eines Schallgutachtens für Chieming aus dem Jahr 2017, dass von der Überschreitung der Grenzwerte von 64 Dezibel am Tag 47 Gebäude mit etwa 190 Personen betroffen waren. Laut Gutachten beträgt die Lärmbelastung teilweise bis zu 75 Dezibel.

Positive und negative Effekte sind abzuwägen

Reuße stellte aber auch die Wahl der „milderen Mittel“ in den Fokus der Überlegungen. Zunächst sei darauf zu achten, ob das gewünschte Ziel einer Lärmreduzierung nicht auch durch bauliche Maßnahmen wie ein Tempolimit, der Beschränkung des Durchfahrtverbots auf bestimmte Tonnagengrenzen und auf die Nachtzeit zu beschränken sei.

Auch die positiven und negativen Effekte eines generellen Durchfahrtverbots seien abzuwägen. So die Erhöhung der Verkehrssicherheit, die Auswirkung auf den Fuß- und Radverkehr, die Verringerung von Luftschadstoffen, der Energieverbrauch von Fahrzeugen, Fahrtzeitverlängerungen, Verkehrsverlagerungen, die Auswirkung auf den ÖPNV oder die Beeinträchtigung der Verkehrsfunktion der Straße.

Veranstaltung kann über Homepage angeschaut werden

Die 52-minütige Veranstaltung kann über einen Link auf der Homepage des Bürgervereins oder über den Youtube-Kanal abgerufen und angeschaut werden kann.

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