Sie liebt den Dienst am Nächsten: Anna Boggusch erste Feuerwehrfrau in Atzing

Mitanpacken durften die jungen Interessierten am Schnupper- und Aktionstag der Atzinger Feuerwehr.

Prien-Atzing – Die Feuerwehr Prien-Atzing hat in diesem Frühjahr eine Jugendfeuerwehr gegründet. Geleitet wird sie von Anna Boggusch aus Siggenham und Georg Müller aus Atzing. Mittlerweile sind es sieben junge, aktive Mitglieder im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren, davon drei Mädchen.

Von Anton Hötzelsperger

Prien – Mit Anna Boggusch traf sich die Chiemgau-Zeitung am Atzinger Feuerwehr- und Vereinshaus und sprach mit ihr über die Arbeit der Frauen bei der Feuerwehr und wie sie Jugendliche und ihre Kollegen motivieren, sich zu engagieren.

Woher kommt die Idee, die Feuerwehr Atzing mit einer Nachwuchsgruppe zu ergänzen?

Anna Boggusch: Die Idee kam aus der Gruppe heraus. Wir waren eine der wenigen Feuerwehren im Landkreis Rosenheim, die noch keine eigene Jugendfeuerwehr hatte. Um zu sehen, wie viel Interesse die Jugendlichen am Dienst in der Feuerwehr haben, haben wir im vergangenen November einen Schnupper- und Aktionstag veranstaltet. geplant. Verschiedene Stationen wie Atemschutz, Höhenrettung und Feuer-Kontakt standen auf dem Programm, dazu das Löschen mit einer Kübelspritze, mit einem Feuerlöscher oder mit einer Spritzwand. Das Interesse war so groß, dass sich die Gründung einer eigenen Jugendfeuerwehr zu Jahresbeginn ergab.

Ab welchem Alter kann man sich der Jugendfeuerwehr anschließen?

Boggusch: Egal, ob Junge oder Mädchen, wer mindestens zwölf Jahre alt ist und in Atzing und Umgebung wohnt, kann unserer Jugendfeuerwehr beitreten. Bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres leistet man in der Jugendfeuerwehr als Feuerwehranwärter seinen Feuerwehrdienst. Bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres dürfen die Jugendlichen nur an den Ausbildungsveranstaltungen und ab 16 Jahren bei Einsätzen zu Hilfeleistungen außerhalb der unmittelbaren Gefahrenzone teilnehmen.

Was sind die Ziele der Jugendfeuerwehr?

Boggusch: Ein wichtiges Anliegen ist es, Kinder und Jugendliche an die Aufgaben einer Feuerwehr heranzuführen und für den Einsatz in der aktiven Wehr vorzubereiten, sodass sie nach Erfüllung der rechtlichen Voraussetzungen bei entsprechendem Alter und Qualifikation in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr eingesetzt werden können.

Die angehende Feuerwehrfrau oder der Feuerwehrmann durchläuft die sogenannte „Truppmannausbildung“, wobei die in der Jugendfeuerwehr erlernten grundlegenden Tätigkeiten, wie Fahrzeugkunde, Brandlehre und -bekämpfung vertieft und geprüft werden. Eine Jugendfeuerwehr stellt insbesondere die größte Nachwuchsquelle an Einsatzkräften dar und sichert somit die Zukunft unserer Feuerwehren.

Sie waren die erste Feuerwehrfrau in Atzing, wie sieht es mit weiblichem Nachwuchs aus?

Boggusch: Tatsächlich wurde ich im Sommer 2017 als erste Feuerwehrfrau bei der Atzinger Feuerwehr aufgenommen, worauf ich heute noch unheimlich stolz bin. Ich bekomme oft die Frage gestellt, ob mir das denn gar nichts ausmache, als Frau in einer Männerdomäne. Nein, ganz im Gegenteil, ich gehöre zum Team, genau wie alle anderen auch und packe auch genauso mit an. Meine Motivation für die Feuerwehr ist es, Menschen in Not zu helfen und sich gesellschaftlich zu engagieren, um Gutes zu tun. Als Mitglied einer freiwilligen Feuerwehr lernt man, Verantwortung zu übernehmen und erfüllt eine Art Vorbildfunktion. Aber auch der Umgang mit moderner Technik und nicht zu vergessen die gelebte Kameradschaft bereitet mir sehr viel Freude. Bei den vielfältigen Aufgabenfeldern von der Brandbekämpfung bis zur technischen Hilfeleistung sind überall Einsatzmöglichkeiten – auch für Frauen. Was ich allen Frauen und Mädels gerne mit auf den Weg geben möchte: Wenn Euch der Dienst bei der Feuerwehr gefällt, dann meldet Euch bei eurer örtlichen Feuerwehr. Traut euch! Für Fragen stehen wir unter post@feuerwehr-atzing.de zur Verfügung.

Viele gefahrvolle Aufgaben

Was haben die neuen Jugendfeuerwehr-Mitglieder bereits bislang gelernt und was steht ihnen noch bevor?

Boggusch: Momentan stehen wir noch ganz am Anfang mit der Jugendfeuerwehr. Die Ausbildung enthält das Erlernen von Grundtätigkeiten im Feuerwehrdienst, sowie die Übung von Geschicklichkeit, Beweglichkeit und Allgemeinwissen. Die erste Übung der Jugendfeuerwehr wurde mit der allgemeinen Unfallverhütungsvorschriften begonnen. Der Feuerwehrdienst enthält viele gefahrvolle Aufgaben, weshalb eine Sicherheitsunterweisung zur Lehre der Persönlichen Schutzausrüstung und Unfallverhütung bei praktischen Übungen unumgänglich ist. Es folgten Übungen der Fahrzeug- und Gerätekunde, Handhabung von Funkgeräten, sowie die Überprüfung der örtlichen Wasserversorgung. Für die künftigen Übungen sind die Handhabung der Beleuchtungs- und Warngeräte, Unfall Erstversorgung, Technische Hilfeleistung und Löschaufbau bzw. -angriff in Theorie und Praxis geplant.

Wichtige Ziele werden verfolgt

Schon von Anfang an stand die feuerwehrtechnische Ausbildung der Jugendlichen im Vordergrund. Die Verantwortlichen verfolgten allerdings ebenso andere wichtige Ziele. Dazu gehören unter anderem die Pflege des Verantwortungsbewusstseins und der Kameradschaft, die Förderung des sozialen Engagements und die Gestaltung der Freizeit durch Gruppenarbeit und interessante freizeitliche Aktivitäten. Für die Zukunft sind natürlich auch die Teilnahme an Wissenstests, Jugendleistungsabzeichen und weiteren Wettbewerben geplant. Die Jugendfeuerwehr Atzing hält ihre Übungen im 14-tägigen Rhythmus ab.

„Corona-Virus beschäftigt uns stark“

Was bedeutet dies für Übungen und Einsatzbereitschaften in der aktuellen Corona-Krise?

Boggusch: Das Virus beschäftigt uns stark. Daher ist es empfehlenswert, Maßnahmen zu ergreifen, die verhindern, dass große Gruppen von Einsatzkräften unter Quarantäne gestellt werden müssen. Der Ausbildungs- und Übungsbetrieb der Feuerwehr und Jugendfeuerwehr wurde bis auf Weiteres eingestellt, um die Gesundheit der Jugendlichen und Feuerwehrdienstleistenden zu schützen.

Als oberstes Ziel gilt dennoch, die Einsatzbereitschaft und Dienstfähigkeit der Feuerwehren aufrecht erhalten zu können.

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