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Nachtbeleuchtung schadet der Umwelt

Licht aus zum Schutz der Insekten - Manuel Philipp initiiert wieder die Earth Night

Manuel Philipp aus Rimsting setzt sich mit den Paten der Nacht für eine natürlich helle Nacht ein. Sternenlicht und Mond sollen reichen.
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Manuel Philipp aus Rimsting setzt sich mit den Paten der Nacht für eine natürlich helle Nacht ein. Sternenlicht und Mond sollen reichen.
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
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Nachtbeleuchtung schadet der Umwelt – doch das ist vielen Menschen nicht bewusst. Der Rimstinger Manuel Philipp will mehr Aufmerksamkeit auf das Thema Lichtverschmutzung lenken. Deshalb organisiert er mit der Initiative „Paten der Nacht“ wieder eine sogenannte Earth Night.

Rimsting – Über 400 Kommunen hat der Physiker und Astronom zum Mitmachen eingeladen. Sein Ziel: Eine Nacht, von Dienstag (7. September) auf Mittwoch (8. September), soll es stockdunkel sein. Den Insekten zuliebe.

Earth Night… Die Neuauflage 2021. Was hat sich zu 2020 verändert?

Manuel Philipp: Verändert hat sich, dass wir die Anzahl der Unterstützer um etwa ein Viertel haben steigern können. Vor allem in Deutschland und Österreich. Und seit diesem Jahr ist erstmals auch die Schweiz vertreten. Dieses Mal sind viel mehr Großstädte dabei. Zum Beispiel München, Hamburg und Nürnberg sowie Graz, Linz und Innsbruck. Überall dort werden Anstrahlungen von Gebäuden, Brücken, Objekten und Statuen für eine ganze Nacht lang abgeschaltet.

Damit ist die Earth Night weit mehr als nur ein symbolisches Licht abschalten. Ganz freut uns, dass bereits vier Gemeinden in Deutschland den Entschluss gefasst haben, die gesamte Straßenbeleuchtung abzuschalten. Wohl gemerkt die Nacht lang. Dies sind Röthlein in Bayern, Elchesheim-Illingen in Baden-Württemberg, Kakendorf in Niedersachsen und Herzberg (Elster) in Brandenburg.

Wie viele Kommunen machen mit? Wer ist neu dabei?

Philipp: Da haben wir noch keinen detaillierten Überblick. Direkt sagen können wir es für diejenigen Unternehmen und Kommunen, die ihre Teilnahme an uns meldeten. Das sind aktuell rund 80. Doch ein nicht unerheblicher Teil an Firmen und vor allem auch Gemeinden und Städten nimmt teil, ohne dass wir darüber schriftlich in Kenntnis gesetzt wurden. Das ergaben Recherchen im Internet. Zählt man die, die eine Teilnahme angekündigt haben, dazu, so kommen mehr als 100 Kommunen und Firmen zusammen, die an der Earth Night teilnehmen. Die Zahl hat sich insgesamt fast verdoppelt gegenüber der ersten Earth Night.

Hat der Aufmerksamkeitseffekt durch die Nacht schon Kreise gezogen?

Philipp: Das steckt also noch zu sehr in den Kinderschuhen. Der größte Teil der Menschen hat von Lichtverschmutzung noch nie etwas gehört und somit auch nicht von den negativen Folgen. Genau das soll ja durch die Earth Night verändert werden. Viele Menschen sehen es als normal an, dass ihnen die Straßenlaterne ins Zimmer scheint. Doch ist erst mal die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass ein solches Licht allenfalls auf die Straße scheinen soll und nichts ins Schlafzimmer, regt sich Widerstand. Da die LED viel Licht für wenig Geld produziert, wird es umso heller gemacht. Und es ist festzustellen, dass bei den meisten Gemeinden immer nur die Energieeffizienz im Vordergrund steht, nicht aber der Umwelt-, Arten- und vor allem Insektenschutz sowie der Zusammenhang Schlafqualität und zu viel Licht.

Machen sich dort schon positive Effekte für Insekten und Co bemerkbar?

Philipp: Während der Sommermonate sterben pro Nacht zwei bis drei Milliarden Insekten an unseren nächtlichen Lichtquellen. Und das nur auf Deutschland bezogen. Nahrungsgrundlage, die vielen anderen Tieren dann fehlt. Vor allem aber Bestäuber, die für uns Menschen unentbehrlich sind. Denn es trifft nachts überwiegend Nachtfalter. Genau die sind für die Bestäubung essentiell. Jedes Licht, das während der Earth Night abgeschaltet ist, reduziert dieses Drama. Würde ganz Deutschland bei der Earth Night mitmachen, also alles Licht für diese eine Nacht abschalten, hätten wir Milliarden Nachtfalter vor dem Tod bewahrt.

Werden Sie um Rat gefragt – von Bürgern und Kommunen?

Philipp: Ja, das häuft sich immer mehr. Und zwar von Anwohnern, die sich durch LED-Licht oder Werbebeleuchtung extrem belästigt und gestört fühlen und um Rat fragen. Aber auch von Kommunen, die bezüglich einer nachtschonenden Beleuchtungsplanung bei uns, also den Paten der Nacht, anfragen.

Hat Corona hier irgendein Umdenken angestoßen oder ist es gerade umgekehrt, dadurch, dass viele Menschen im Homeoffice sind/waren?

Philipp: Corona hat keine Veränderung bewirkt. Zumindest konnten wir, auch die mit uns kooperierenden Umweltschutzverbände, keine Reduzierung der Lichtverschmutzung in den letzten anderthalb Jahren feststellen. Schaufenster und Werbeanlagen leuchtenden Nacht für Nacht, obwohl es Ausgangssperren gab. Das zeigt, dass ein Bewusstsein für die Ressource Licht fehlt.

Was würden Sie sich hinsichtlich der Earth Night wünschen?

Philipp: Ich wünsche mir, dass mehr Kommunen den Mut haben, Straßenbeleuchtung in dieser einen Nacht abzuschalten oder zumindest Teile davon. Denn entgegen der Meinung fast aller Verantwortlicher, gibt es in Deutschland keine generelle Straßenbeleuchtungspflicht, sondern allenfalls eine Verkehrssicherungspflicht. Und die ist auch ohne Licht umsetzbar. Denn es wäre schön, wenn wir in unserer rastlosen 24-Stunden-Gesellschaft wenigstens einmal pro Jahr eine Nacht erleben könnten, wie sie bis vor 150 Jahren (da wurde das elektrische Licht erfunden) für die Menschheit noch erlebbar war. Natürlich dunkel und mit einem prächtigen Sternenhimmel, den man selbst von der Münchner Innenstadt aus bestaunen könnte.

Alleine schon mit dem Wissen darum, was Kunstlicht während fast alle von uns schlafen anrichtet, wäre es sinnvoll, eine Nacht mal eine Pause einzulegen. Um in der nächsten Nacht wieder zu erleben, wie wahnsinnig hell wir Menschen die Nacht machen. Und wie viel Licht sinnlos zur Seite und nach oben abstrahlt und das auch noch im Dauermodus. Und selbst wenn Städte auf LED umrüsten – es wird viel zu hell gemacht. Und viel zu kaltweiß. Das mag zwar energieeffizient sein, doch für Mensch, Tier und Pflanze ist es alles andere als gut. Ich wünsche mir, dass die Earth Night zu einem Event wird, bei dem die Menschen im Freien zusammenkommen und gemeinsam die Schönheit einer natürlich dunklen Nacht bei Fackeln und Kerzenlicht genießen. Und ab dem nächsten Tag beginnen zu hinterfragen, ob wir wirklich alles in diesem Umfang taghell ausleuchten müssen.

Ab wann sieht man vom All aus, wenn die Lichter ausgehen? Wie viele Städte müssten da mitmachen?

Philipp: Da müssen noch einige Earth Nights kommen… Und gleichzeitig ein Bewusstseinswandel bezüglich der Nutzung von Licht. Nur weil es schön aussieht oder man es kann, darf nicht mehr länger der Grund sein, hemmungslos im Dauerbetrieb zu beleuchten. Aber dennoch: Würde sich eine mittelgroße Stadt entschließen, Teile oder auch die gesamte Straßenbeleuchtung anzuschalten, würde dies vom Weltall aus feststellbar sein.

Die Organisatoren

Die Earth Night ist eine Aktion, von den „Paten der Nacht“ – eine in Deutschland ansässige überparteiliche Vereinigung ehrenamtlich tätiger Leute, die sich für den Schutz der Nacht und die Eindämmung der Lichtverschmutzung durch Aufklärungsarbeit und Best-Practice-Beispiele einsetzt. Ins Leben gerufen wurde die Aktion von Diplom Ingenieur Manuel Philipp – dem Initiator und Leiter der „Paten der Nacht“.

Die rund 35 Team-Mitglieder von „Paten der Nacht“ helfen von ihrem Wohnort aus, dass die Earth Night in und über Deutschland hinaus bekannt wird und sich immer mehr Menschen an dieser Aktion beteiligen und aktiv mitmachen. Mit ihrem Engagement soll versucht werden, die Earth Night irgendwann zu einem weltweiten Ereignis zu bringen. Einem aufrüttelnden Symbol für den verschwenderischen Umgang mit nächtlichem Kunstlicht durch uns Menschen.

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