Der letzte SPD-Gemeinderat

Heinrich Hunglingerwidmete die vergangenen 42 Jahre dem Gemeinderat Chieming. Nun will er die Geschicke des SPD-Ortsvereins in jüngere Hände übergeben. re

Chieming – Der pensionierte Volksschullehrer Heinrich Hunglinger schied mit der zu Ende gegangenen Wahlperiode nach 42 Jahren aus dem Chieminger Gemeinderat aus.

Eine Bilanz seiner langen ehrenamtlichen Tätigkeit.

Im März 1978 wurde Heinrich Hunglinger erstmals in den Gemeinderat gewählt, nachdem ihn sein damaliger Lehrerkollege an der Verbands-Volksschule Chieming und SPD-Orts-Fraktionssprecher, Helmut Hartmann, gefragt hatte, ob er nicht auf der SPD-Liste für den Gemeinderat kandidieren wolle. Neben Hartmann bekam Hunglinger damals die meisten Stimmen auf der SPD-Liste und blieb 42 Jahre lang einer von 16 Chieminger Gemeinderäten. Kurz nach der Wahl trat Hunglinger der SPD bei, weil ihm die parteipolitischen Ziele am meisten zusagten. „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sind die Grundwerte des Sozialismus, die mir bis heute wichtig sind“, so der 78-Jährige. „Die Parteipolitik spielte für mich im Gemeinderat aber keine Rolle. Im Vordergrund stand immer, was für die Gemeinde Chieming sinnvoll und wichtig ist.“

Hunglinger kennt noch die Zeit 1987/88, als für die Gemeinden Chieming und Seebruck zunächst eine gemeinsame Kläranlage zur Kanalisierung an der Alz vorgesehen war. Aus Naturschutzgründen kam es aber nicht zu dieser Lösung, sondern zum Chiemsee-Ringkanal mit einem großen Klärwerk in der Gemeinde Rimsting und der Einleitung der geklärten Abwässer in den Inn, so Hunglinger.

„Ein weiteres Problem war das Strandkurhaus, das auf der Stelle der heutigen Alpenklinik stand.“ Im Nordflügel befand sich, laut Hunglinger, damals ein Hallenbad. Und im südlichen Gebäudeteil war ein Gastronomiebetrieb, den mehrere Wirte nicht gewinnbringend betreiben konnten. So pachtete schließlich ein Immobilienmakler die gesamte Gastronomie an und teilte sie in zwölf Lokale auf. An die Gemeinde wurde dann der Antrag gestellt, die Lokale ohne Sperrstunde betreiben zu dürfen, der bei einer Mehrheit des Gemeinderates Zustimmung fand. „So kam es dazu, dass sich um drei Uhr nachts aus der ganzen Umgebung Autokolonnen nach Chieming bewegten. Auch zum Drogenkonsum wurde das Strandkurhaus damals genutzt. Über diese Störung der Nachtruhe regten sich viele Bürger auf, sodass der Beschluss wieder rückgängig gemacht werden musste“, kann sich Hunglinger noch erinnern, der von Anfang an gegen diesen Beschluss war.

Dass Heinrich Hunglinger in den letzten Gemeinderatsperioden nur noch der einzige SPD-Vertreter war, sieht er im Wählerwillen begründet. „Ich bedaure sehr, dass die SPD im künftigen Gemeinderat nicht mehr vertreten ist, aber es haben sich zu Wenige bereit erklärt, auf dieser Partei-Liste zu kandidieren.“ Hunglinger ist noch amtierender SPD-Ortsvorsitzender, möchte aber dieses Amt gerne in jüngere Hände übergeben, wenn sich jemand Geeigneter findet, der es übernehmen möchte. „Meine Bilanz in der Chieminger Gemeindepolitik sehe ich durchaus positiv. Auch als einzelner war ich fähig, meine Argumente klar und deutlich vorzubringen und so auch andere zu überzeugen.“

Nochmal zu kandidieren kam für Hunglinger aus Altersgründen bei der zurückliegenden Kommunalwahl aber nicht mehr in Frage: „Ich glaube, es gehören wirklich Jüngere in den Gemeinderat.“

Als dringlichen Punkt für die neu gewählten Gemeinderäte erscheint Hunglinger in der kommenden Wahlperiode das Problem der Ortsdurchfahrt. „Hier eine Lösung zu finden ist eine der wichtigsten Aufgaben des neuen Gemeinderates und würde den Anwohnern der Dorfstraße neue Lebensqualität bringen.“ zaa

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