Letzte Ruhestätte mit Ausblick in Rimsting – Unsere Serie über Chiemgauer Friedhöfe

Auf dem Rimstinger Friedhof kann der Blick in die Ferne schweifen. Steffl
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Auf dem Rimstinger Friedhof kann der Blick in die Ferne schweifen. Steffl

In unserer Serie über die Chiemgauer Friedhöfe haben wir uns in Rimsting umgesehen. Vom Rimstinger Friedhof schweift der Blick schnell in die Berge. Doch dort gibt es auch vor Ort allerhand zu sehen und entdecken.

Rimsting – Auf einer Anhöhe gelegen, bietet sich vom Rimstinger Friedhof ein luftiger Ausblick auf die Berge. Die Bepflanzung mit nur wenigen, eher filigranen Laubbäumen wie Birken und Ebereschen trägt zusätzlich zur irgendwie schwebenden Atmosphäre des Friedhofs bei. Der durchgehende grüne Rasenteppich und die Anlage in Terrassen ergeben ein sanft gewelltes Gelände. Ein Ort zum Durchatmen, nichts Düsteres geht von ihm aus.

Am Eingangsbereich des Friedhofs bietet sich im Schutz einer Blaufichte vor einem plätschernden Brunnen eine Bank als Sitzgelegenheit für eine kurze Rast an. Während angenehme Ruhe herrscht, rührt sich dabei doch Einiges auf dem kleinen Friedhof.

Abwechslungsreiche Arbeit als Steinmetz

Es sind schon viele Grabstätten für die Totengedenktage hergerichtet und einige Menschen sind auf dem Friedhof noch damit beschäftigt, die Gräber zu schmücken, Grabsteine zu säubern und Pflanzen zu gießen.

Angelika Dettendorfer schätzt den Rimstinger Friedhof als Ort zur Zwiesprache und Verbindung mit verstorbenen Lieben.

Angelika Dettendorfer (71) putzt gerade den Stein der Familiengrabstätte: „Hier bin ich in Verbindung mit meinen verstorbenen Angehörigen und kann mit ihnen Zwiesprache halten. Mir ist das wichtig und zu Hause würde ich das nicht tun.“

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Einige Grabreihen weiter unten kümmert sich Peter Linner (26) um die Inschrift auf einem Grabstein. Der Steinmetz findet: „Der Friedhof ist ein super Arbeitsplatz. Es ist ruhig und friedlich und die Arbeit ist so abwechslungsreich. Ich bin bei uns in der Firma vor allem für die Schriften zuständig. Da gibt es bei den Grabmälern eine ziemlich große Bandbreite an Möglichkeiten.“ Von der Gravierung bis zur getönten Schrift, sei die Bandbreite groß. „Das Bild auf diesem Grabstein ist eine eingeschliffene Radierung. Es gibt ja auch so viele verschiedene Steine, Natursteine oder polierte Steine“, sagt Linner. Manchmal gehe es nicht nur um Feinarbeiten wie das Schriftsetzen, sondern um die Standsicherung von alten Grabsteinen oder das Heben einer Umrandung. „Das ist dann auch wieder etwas ganz anderes“, sagt der Steinmetz.

Ganz unterschiedliche Grabstätten

Die Bandbreite, die es in der Grabmalgestaltung gibt, kann man selbst auf einem recht kleinen Friedhof, wie dem in Rimsting erkennen. Kleine Steine, liegende Steine, größere Steine, Holzbildhauerei, Marienstatuen, Engel, schmiedeeiserne Kreuze, Denkmäler die in Form und Material auf den Beruf des Verstorbenen hinweisen: Alles ist vertreten und der Friedhof schon deshalb einen Besuch wert. Nicht so individuell zu gestalten, sind die Nischen in der Urnenmauer. Hierfür sind einheitliche Platten vorgeschrieben. Als Urnenmauer fungiert in Rimsting die Friedhofsmauer selbst. Allerdings ist die Mauer schon fast voll belegt und auch hier zeigt sich wie bei vielen Urnenmauern, dass der Platz zum Ablegen von Blumen oder Kerzen oft knapp ist, wenn es überhaupt erlaubt ist.

Wie sehen Friedhöfe künftig aus?

Derzeit gibt es bundesweit einige ganz unterschiedliche Ansätze für alternative Bestattungsformen, die den Bedürfnissen der Menschen nach einem physischen Ort für die Trauer gerecht werden sollen und dem Wandel in der Gesellschaft und der Bestattungskultur dahingehend Rechnung tragen, die Menschen von Pflichten und Riten, die mit einer traditionellen Erdgrabstelle verbunden sind, zu entbinden.

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Der Priener Friedhofsgärtner Philipp Rother, der auch Gräber in Rimsting betreut und Dauergrabpflege anbietet, engagiert sich deshalb auch beim Friedhofs-Kompetenz-Zentrum Rosenheim: „Das ist ein Fachverbund aller Gewerke auf dem Friedhof, der alternative, nachhaltige, möglichst barrierefreie und naturnahe Konzepte für alternative Bestattungsformen entwickelt, wie zum Beispiel den Gedenkwaldgarten in Au bei Bad Feilnbach.“

Trends in der Gesellschaft spiegeln sich

In unserer Gegend empfinden allerdings noch viele Menschen die Grabpflege und die traditionellen Bräuche nicht als störend, sondern eher als bereichernd. Aber auch im Chiemgau werden die Plätze in Urnenmauern knapp und in einigen Friedhöfen tun sich bereits große Lücken auf. Auch der Friedhof wird von gesellschaftlichen Trends erfasst.

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