WALD UND WILD IM CHIEMGAU

Leopold Schlosser seit 70 Jahren im Atzinger Revier unterwegs

Mit 86 Jahren noch täglich im Wald: Jäger Leopold Schlosser aus Prien-Atzing bei der Wildfütterung.
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Mit 86 Jahren noch täglich im Wald: Jäger Leopold Schlosser aus Prien-Atzing bei der Wildfütterung.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Je mehr Schnee ein Winter hat, umso mehr haben die heimischen Jäger mit der Wildfütterung zu tun. Einer von ihnen ist Leopold Schlosser senior. Der 86-Jährige geht seit 70 Jahren auf die Jagd.

Prien-Atzing – Seit rund 50 Jahren umsorgt Leopold Schlosser den Jagdbogen Atzing-Nord, dessen Betreuung er von Josef Liebl übernahm. Bei einem Fütterungs-Nachmittag gewährte er einen Einblick in die winterliche Tätigkeit eines Jägers.

Insgesamt 14 verschiedene Futterstellen gilt es für Leopold Schlosser zu versorgen. Alle zwei Tage werden die Futterplätze, soweit es geht, mit seinem Allrad-Fahrzeug angefahren oder zu Fuß erreicht. An den Tagen zwischen den Belieferungen werden die Eimer mit dem Mischfutter, unter anderem aus Mais und Rüben, hergerichtet. Dazu gibt es noch Getreide und Heu. „Damit habe ich jeden Tag etwas zu tun und ich bin viel draußen in meinem Revier“, so der rüstige Jäger.

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Wildfütterungen stehen aber auch in der Kritik: Bildbiologen und manche Forstämter sind der Meinung, dies hätte die Natur nicht vorgesehen. Rehwild sei eine Tierart, die auch ohne menschliche Hilfe über den Winter komme.

Mehr Heu, weniger Verbiss an Fichten und Tannen

Franz Sommer, erster Vorsitzender der Rosenheimer Jägervereinigung, sieht das anders: „Die regelmäßige Fütterung des Rehwildes durch Leopold Schlosser in der Notzeit hat sicher ihren Anteil daran, dass sich durch Naturverjüngung zwischen Atzing und Wildenwart der Wald besonders gut entwickelt. Denn das Wild verbeißt durch die Fütterung weniger an Fichten und Tannen.“

Ein Revier zwischen „Paradies“ und „Hölle“

Schlosser Revier grenzt im Westen Priens vom Kirchwald über Mupferting bis Siggenham, an die Reviere und Gemeinden von Riedering/Söllhuben und Rimsting an. Hier ist das Reich von Flurbezeichnungen wie „Paradies“, „Anzwies“ oder „Hölle“.

Wie es zum Namen „Paradies“ kam, weiß der Jäger so zu erklären: „Als während des Ersten Weltkriegs ein Franzose in Mupferting im Arbeitseinsatz war, entdeckte er eine Schlange. Da er den Namen nicht sagen konnte, erklärte er seine Entdeckung mit dem Tier aus dem Paradies, deswegen nennen die Einheimischen das Feld das Paradies“.

Gutes Einvernehmen mit den Waldbesitzern und der Jagdgenossenschaft

Insgesamt 18 Hochsitze und zehn Kanzeln stehen an günstigen Stellen für die Beobachtung und für den Abschuss des Wildes am und im Wald. Wichtig ist Schlosser ein gutes Einvernehmen mit den Waldbesitzern und der Jagdgenossenschaft Atzing sowie mit Michael Schlosser junior und Martin Schlosser.

Seine beiden Neffen sind die Pächter des Jagdreviers, das er tagtäglich betreut. „Der Wildbestand ist waldbaulich angepasst und mit dem Jagdvorstand gut abgestimmt“: Damit meint der Jäger vor allem das Rehwild, dessen Bestand durch einen vereinbarten Abschussplan geregelt ist.

Hasen sind selten geworden

Sehr selten geworden seien Hasen, seit Jahrzehnten habe es keinen Hasen-Abschuss mehr gegeben. Füchse erlegt er immer wieder, erst vor Kurzem war es ein junges Exemplar, das aber von der Fuchsräude befallen war: „Wegen dieser übertragbaren Tierkrankheit ist es wichtig, dass Hunde und Katzen, die sich in der freien Natur bewegen, geimpft sind.“

Appell an die Fußgänger: Waldruhe nicht stören

An die Spaziergänger und Hundebesitzer richtet Schlosser noch einen Appell: „Sie sollten auf den Wegen bleiben und nicht für Unruhe im Wald sorgen, der gerade im Winter ein Rückzugsort des energiegeschwächten Wildes ist. Am schlimmsten ist es, wenn Leute mit ihren Hunden an die Futterstellen gehen, das bedeutet, dass das Wild fortan diese Stellen meidet“.

Trotz Allradantrieb festgefahren

Fast einen halben Tag ist Leopold Schlosser unterwegs, um alle Futterstellen zu kontrollieren und zu versorgen, zum Teil werden auch die Wildkameras überprüft. Und wenn er trotz Allrad im rutschigen Gelände mal hängen bleibt, dann dauert der Einsatz noch länger. Gut ist in diesen Ausnahmefällen, dass Dank des mobilen Telefons die bäuerliche Bulldog- und Abschlepp-Hilfe gerufen werden kann.

Auto-Befreitung mit Fendt und Seilwinde

So auch beim Nachmittag mit den OVB-Heimatzeitungen: Beim so genannten Bruckenbader-Wald war Bauer Hans Rauch aus Mupferting mit seinem Fendt zur Stelle, als „nichts mehr ging“ und sorgte mit seiner Seilwinde für die Auto-Befreiung.

Für Rauch, der zugleich Vorstand der Jagdgenossenschaft Atzing ist, war dieser Einsatz „eine Selbstverständlichkeit und Teil des guten Miteinanders“ von Jägern und Jagdgenossen – ganz im Sinne von Jäger Leopold Schlosser, der damit seinen Einsatz fortsetzen konnte.

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