Vom Lehrerpult auf den Chefsessel - Irene Biebl-Daiber ist die neue Bürgermeisterin in Bernau

Irene Biebl-Daiber an ihrem neuen Schreibtisch im Bernauer Rathaus: Im Hintergrund hängt ein Übersichtsbild von der Gemeinde. Zur Begrüßung steht einen Blumenstrauß neben dem Computer.
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Irene Biebl-Daiber an ihrem neuen Schreibtisch im Bernauer Rathaus: Im Hintergrund hängt ein Übersichtsbild von der Gemeinde. Zur Begrüßung steht einen Blumenstrauß neben dem Computer.

Am Dienstag, 12. Mai, wird Irene Biebl-Daiber zu ihrer Vereidigung zum ersten Mal die Amtskette der Bernauer Bürgermeisterin tragen. Anprobiert hat sie dieses Symbol ihres neuen Amtes noch nicht. Die Kette liegt noch im Tresor. Sie ist „ziemlich massiv und sehr kurz“, weiß die 34-Jährige.

von Dirk Breitfuß

Bernau – Sicher ist: Irene Biebl-Daiber hat inzwischen die Qual der Wahl, was sie zur Kette tragen wird bei der konstituierenden Sitzung. Seit sich die CSU-Kandidatin am 29. März mit 53,8 Prozent in der Stichwahl gegen das bisherige Gemeindeoberhaupt Philipp Bernhofer durchgesetzt hat, hat sie ihre Garderobe fleißig ergänzt, vertät sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung – zunächst notgedrungen online und seit die Läden wieder offen sind natürlich im örtlichen Einzelhandel.

„Die Bernauer Wirte werden sicher gutan mir verdienen“

Für den ersten Arbeitstag im Rathaus wählte sie einen schwarzen Anzug und ein grünes Oberteil. Die Begrüßung der Mitarbeiter musste mit Abstand und ohne Händedruck erfolgen. Das geplante Weißwurstfrühstück „wir natürlich nachgeholt“, verspricht die neue Rathauschefin, schließlich mag sie diese traditionelle bayerische Brotzeit selbst sehr gern.

Ihr Terminkalender füllt sich jetzt von Tag zu Tag immer mehr. Vorsichtshalber hat sich Irene Biebl-Daiber Zeit für eine Mittagspause darin geblockt. „Die Bernauer Wirte werden sicher gut an mir verdienen“, lacht sie – wohlwissend, dass Pausen für sie seltener und kostebarer werden.

Aber auch schon an ihrer bisherigen Arbeitsstelle hat es öfter nur für eine schnelle Wurstsemmel gereicht. Jahrelang pendelte die 34-Jährige zwischen ihrem Heimatort und dem Gymnasium in Altötting, wo sie auch immer mehr als Schulpsychologin gefordert war.

Der Abschied dort war „bitter“ bedauert die Pädagogin. Nur fünf Kollegen und zwei Schülern ist sie Corona-bedingt in dem riesigen Gebäude begegnet, als sie ihren Schreibtisch räumte.

Rund um den neuen im repräsentativen Eckbüro im ersten Stock des Bernauer Rathauses hat sie schon ein paar Topfpflanzen aufgestellt, zum Beispiel einen Lorbeer und eine Orchidee, die sie nach ihrer Wahl geschenkt bekommen hat. Die Nacht nach der Stichwahl war kurz, erinnert sich die 34-Jährige. Sie hatte bewusst keine Getränke eingekauft, aber dann doch noch eine letzte Flasche Sekt im Keller gefunden, um mit ihrem Mann Christian anzustoßen.

Als das Ergebnis feststand, brach eine Flut von Glückwünschen auf allen Kanälen über die frischgebackene Bürgermeisterin herein. Weil sie unbedingt jeden persönlich beantworten wollte, sei sie drei Tage beschäftigt gewesen, erinnert sie sich.

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Viele Themen,  mit denen sie als Rathauschefin konfrontiert wird, sind der 34-Jährigen schon vertraut, schließlich sitzt sie schon seit 2002 für die CSU im Gemeinderat.

Ob es die Gene sind, die bei Irene Biebl-Daiber schon früh das politische Interesse geweckt haben, ist nicht belegt. Ihr Vater Klaus war zwölf Jahre Bernauer Bürgermeister und politische Gespräche führten die beiden viele am elterlichen Essenstisch, erinnert sich die Tochter. Schon mit 16, noch vor dem Abitur am Landschulheim in Marquartstein, trat sie in die Junge Union ein, weil die „viele ziemlich coole Sachen gemacht haben“, begründet sie ihren Einstieg in die Kommunalpolitik. Schon bald sammelte sie ersten Vorstandserfahrungen, die ihr später als Bernauer CSU-Vorsitzende und Fraktionschefin zugute kamen.

Jetzt hat sie die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklommen,

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Den Rücken frei hält ihr Ehemann Christian, der als Ingenieur der Gebäudetechnik bei einem Rosenheimer Büro beschäftigt, aber derzeit im Homeoffice ist. Zur Familie im eigenen Heim im Eichet, das Irene Biebl-Daiber von ihrem verstorbenen Großvater geerbt hatte, gehören auch Schröder und Söder. Ihr Mann wollte vorletztes Jahr unbedingt einen Kater mit rotem Fell. Und als das Ehepaar den auf einem Eggstätter Bauernhof abholte, verliebte es sich auch noch in den schwarzen Bruder des jungen Kätzchens. Dann mussten der Ex-Kanzler der (roten) SPD, Schröder, und der amtierende bayerische (schwarze) CSU-Ministerpräsident als Namensgeber herhalten.

Einen Teil des Gartens beim Ehepaar Biebl-Daiber bevölkert ein Dutzend Hühner. Was vor Jahren damit begann, lebende Rasen-Vertikutierer zu engagieren, wurde zu einem besonderen Hobby. Denn jedes Tier gehört zu einer anderen Rasse, darunter so exotische wie ein Seidenhuhn oder ein sieben Jahre altes Sumatrahuhn. Die Bürgermeisterin und ihr Mann schätzen die Frühstückseier sehr, die ihre Untermieter produzieren.

Politische Diskussionen am Essenstisch

Für ihr Pferd, das in Fembach steht, hat die leidenschaftliche Reiterin nicht mehr so viel Zeit wie sie gern hätte. Zudem plagen den 13-jährigen Chequito Rückenprobleme, bedauert seine Besitzerin. Deshalb ist die Zeit der gemeinsamen Dressurturniere schon länger vorbei.

Für Bergtouren oder Ausflüge an den Chiemsee wird künftig wohl weniger Zeit leiben, aber eines will such Irene Biebl-Daiber auf keinen Fall nehmen lassen: Der Dienstagabend ist geblockt für die Probe mit der Blaskapelle Bernau, in der die Bürgermeisterin schon seit 20 Jahren Saxofon und Klarinette spielt. Zurzeit üben die Musiker zusammen dank der Zoom-App. Natürlich hat die Bürgermeisterin auch ein Lieblingsstück: den Maxglaner Zigeunermarsch. Am Dienstag wird der neue Bernauer Gemeinderat erfahren, welche Töne die 34-Jährige jetzt politisch anschlägt.

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