Vom Lehrbub zum Priener Chef: Andreas Friedrich ist seit 1. Mai Bürgermeister

Fahrzeugewäsche: Andreas Friedrich ist seit Jahren bei der Feuerwehr aktiv – und will es auch als Bürgermeister bleiben.
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Fahrzeugewäsche: Andreas Friedrich ist seit Jahren bei der Feuerwehr aktiv – und will es auch als Bürgermeister bleiben.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Am 29. März hat sich für Andreas Friedrich viel verändert: Mit seinem Sieg bei der Kommunalwahl wurde aus dem Verwaltungsfachwirt der Bürgermeister von Prien. Ob ihn der Bürgermeisterchor des Landkreises als Mitglied aufnehmen wird, steht noch nicht fest. „Aber ich singe vor und probiere es.“

Prien – Dennoch saß Friedrich am Tag nach der Wahl ganz normal wieder an seinem Schreibtisch im Rosenheimer Landratsamt. Aber vieles war jetzt anders, der Abschied von den Kollegen und die Übergabe seiner Aufgaben als stellvertretender Leiter des Sachgebiets Kommunalaufsicht mussten vorbereitet werden. „Ich hatte zudem noch Urlaub und habe diese Zeit genutzt, mich im Priener Rathaus bereits ein wenig einzuarbeiten“, so der 32-Jährige im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Quadfahrt im Urlaub, fernab vom Chiemsee.

Miteinander und kollegiale Zusammenarbeit

Friedrich ist kein Unbekannter in der Verwaltung der Marktgemeinde. „Deshalb werde ich auch weiterhin mit meinen Kollegen intern das Du pflegen. Da wird sich nichts ändern. Eine entsprechende E-Mail geht in den ersten Tagen ‚raus. Das Miteinander ist mir wichtig“, erklärt Friedrich seinen nichtalltäglichen Werdegang vom Lehrbub zum Chef über mehrere berufliche Stationen.

Symbolische Schlüsselübergabezwischen Amtsvorgänger Seifert (rechts) und dem neuen Bürgermeister.

Vom katholischen Kindergarten „in der Gruppe von Sr. Emelia“ über die Grundschule ging es an die Hauptschule. „Der Übertritt an die Realschule war damals erst über die Etappe Hauptschule möglich“, erinnert sich Friedrich. Nach Abschluss der Fachoberschule absolvierte er eine Ausbildung in der Priener Gemeindeverwaltung, sattelte den Fachwirt drauf, leitete von 2012 bis 2018 das Ordnungsamt und wechselte dann ans Landratsamt Rosenheim – zunächst als Sachbearbeiter für Herstellungsbeiträge (Kanal und Wasser) und dann stellvertretender Sachgebietsleiter für Haushaltsrecht und Erschließungsbeiträge. „Dabei war ich in Mathe eher ein Vierer-Schüler“, gesteht der Verwaltungsfachwirt schmunzelnd - und trotzdem sein Interesse für Betriebs- und Volkswirtschaftslehre. „Die konkreten Zahlen faszinieren mich.“

Eher Note 4 zu Schulzeiten in Mathe

Schon 2014 sei er angesprochen worden, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. „Damals war ich aber zu jung und wollte auch nicht die Hand, die mich bis dahin gefüttert hatte, beißen“, erklärt Friedrich, der für die Kommunalwahl 2020 von der Überparteilichen Wählergemeinschaft (ÜWG) Prien als Bürgermeisterkandidat aufgestellt worden war.

Vor Ort Besuch an der Baustelle am Hafen „Stippelwerft“ mit (von links) Mathias Geiger, Franz Zierer und Dirk Schröder. Berger

Für den Einzug in sein Amtszimmer wird er neben ein paar Bildern von Freunden einen „Knautsch-Helm“ des Technischen Hilfswerks gegen Stress – „ein Geschenk einer Landratsamtskollegin zum Abschied“ – sowie eine bayerische Quietscheente mit Hut, Breze und Weißbier mitnehmen. „Und dann werden die Ärmel hochgekrempelt“, kündigt der neue Bürgermeister an. Als Starthilfe habe er sich in den vergangenen Tagen von den Verwaltungsabteilungen einen Überblick über laufende Projekte und den Stand der Dinge bei den Baustellen geben lassen.

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Ob ihn der Bürgermeisterchor des Landkreises als Mitglied aufnehmen wird, „das weiß ich nicht. Aber ich singe vor und probiere es“. Eine Absage wird er allerdings dem Skirennen der Bürgermeister geben müssen. „Ich stand noch nie auf den Brettern.“ Sein Metier ist eher der Chiemsee: Mit dem kleinen Boot über das Bayerische Meer zu schippern oder zu den Inseln zu „zuckeln“ seien Entspannungsmomente für ihn. Ebenso verbringt Friedrich, der ledig ist und keine Kinder hat, seine Freizeit gerne mit Freunden, bei gutem Essen und interessanten Gesprächen. Sportlich wird er auf dem Fahrrad und beim Schwimmen. „Die Abendstimmung am See und sei es nur am Steg ist doch einmalig bei uns daheim“, schwärmt der Naturliebhaber.

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Dass es in der Heimat schön ist, stehe außer Frage, aber auf der Welt gebe es auch noch weitere sehenswerte Fleckchen. Deshalb ziehe es ihn zum Abschalten im Urlaub ans Meer oder in andere Länder um fremde Kulturen kennen zu lernen. „Bei Städtereisen kann ich mir die eine oder andere Inspiration holen, wie andere Kommunen manche Dinge angehen und handhaben.“

Andreas Friedrich ist auch ein Vereinsmensch. An erster Stelle steht für ihn die Feuerwehr: als Aktiver bei Einsätzen sowie als Schriftführer im Priener Verein. „Feuerwehrmann möchte ich auch bleiben. Vor allem bei Großereignissen zählt jede Hand. Wobei es künftig natürlich terminlich vereinbar sein muss“, betont er.

Städtepartnerschaft und „a bissl Aufregung“

Dass er jetzt als Bürgermeister zugleich oberster Herr über die Feuerwehren Atzing und Prien ist und dennoch dem Kommando des Priener Kommandanten Samuel Witt folgen muss, ist kein Problem: „Er ist sehr gut und weiß, was zu tun ist.“ Zudem ist Friedrich beim Rauchclub Kassier und Mitglied im Helferkreis Tschernobyl, „der sich der beruflichen Selbsthilfe vor Ort verschrieben hat. Ein Beispiel ist hierfür eine Heilwasser-Abfüllung. Ob es durch den dortigen Kontakt eventuell mit einer Gemeinde in der Ukraine zu einer weiteren Städtepartnerschaft kommen wird, ist für den neuen Bürgermeister Zukunftsmusik. „Ich freue mich auf alle Fälle auf die ersten Besuche in Valdagno und Graulhet sowie auf deren Delegationen in unserer Marktgemeinde - wenn die Besuche nach Corona wieder aufleben können.“

Ein wenig aufgeregt ist der neue Rathauschef schon vor Freitag. Dann wird er offiziell vereidigt und darf erstmals die Amtskette des Priener Bürgermeisters tragen. „Das wird ein besonderer Moment“, ist sich Friedrich sicher.

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