GEMEINDERAT LEGT PLÄNE AUF EIS

Lechnerhaus bleibt nun doch stehen

Das Lechnerhaus an der Beilhackstraße (im Bild die Südfassade) bleibt erstmal stehen. Die Gemeinde hat den geplanten Abriss gestoppt, formell zunächst „bis auf Weiteres“.  Berger
+
Das Lechnerhaus an der Beilhackstraße (im Bild die Südfassade) bleibt erstmal stehen. Die Gemeinde hat den geplanten Abriss gestoppt, formell zunächst „bis auf Weiteres“. Berger

Anfang dieser Woche hatte die Regierung von Oberbayern den Bau beziehungsweise die Anmietung neuer Asylbewerberunterkünfte vorerst gestoppt (wir berichteten), weil weit weniger Flüchtlinge bis nach Deutschland kommen. Am Mittwochabend hat die Marktgemeinde deshalb auch ihr Vorhaben auf Eis gelegt, das Lechnerhaus abzureißen und auf ihrem Grundstück ein Haus mit Platz für bis zu 70 Flüchtlingen und Sozialwohnungen zu schaffen.

Prien – Das Lechnerhaus, benannt nach einem früheren Eigentümer, war in jüngerer Vergangenheit als Handwerkerhaus und Domizil für Pfadfinder im Gespräch. Doch alle Pläne für eine neue Nutzung des Gebäudes an der Beilhackstraße zerschlugen sich, weil Umbauten aus statischen Gründen nicht wirtschaftlich darstellbar waren.

Vor dem Hintergrund einer mit bis zu 240 Flüchtlingen vollen Turnhalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums, die seit über einem halben Jahr für Schul- und Vereinssport nicht zur Verfügung steht, hatte der Marktgemeinderat dann mehrheitlich beschlossen, das Lechnerhaus abzureißen und ein Gebäude mit zwölf Wohneinheiten für bis zu 70 Flüchtlinge und einige Sozialhilfeempfänger zu bauen.

Es lockte die Aussicht, die Asylbewerberunterkünfte für zehn Jahre an das Landratsamt beziehungsweise die übergeordnete Regierung zu vermieten, wofür es eine schriftliche Zusage gegeben haben soll, und im Gegenzug die LTG-Halle für ihren ureigenen Zweck zurückzubekommen.

Der Neubau sollte, im Vergleich zum Bestand, um 90 Grad in seiner Achse gedreht werden. So würde beidseitig nach Darstellung der Verwaltung genug Platz bleiben für die Trasse einer Umgehungsstraße oder Zufahrt zu einem Umgehungstunnel unter Trautersdorf. Dem Lechnerhausareal könnte nämlich, sollten doch einmal Pläne für eine Verkehrsentlastung des Priener Zentrums konkreter werden, durch seine Lage an der Beilhackstraße zentrale Bedeutung zukommen.

Bürgerbegehren in Vorbereitung

Das Vorhaben war im Marktgemeinderat beileibe nicht unumstritten. Manche Räte warnten vor einem ortsplanerischen Fehler und stimmten gegen die Pläne. Die Mehrheit stand aber hinter dem Projekt, das in ersten Schätzungen auf 1,4 Millionen Euro taxiert worden war. Auch aus der Bürgerschaft kam Kritik. Die Lage des Lechnerhauses als „Filetstück“ am Eingang zum Naherholungsgebiet Eichental und die Option, auf dem weitläufigen Grundstück einen neuen großen Kursaal bauen zu können, führte dazu, dass sich um Elke Garczyk und Wolfgang Fischer, die Vorsitzende der CSU-nahen Senioren-Union und ihren Stellvertreter, eine Gruppierung formierte, mit dem Ziel, ein Bürgerbegehren gegen das gemeindliche Vorhaben zu initiieren und es so per Bürgerentscheid schließlich zu Fall zu bringen. Erst am Dienstagabend hatten sich rund 40 Interessenten eingefunden, eine Unterschriftensammlung sollte gestartet werden.

Das könnte nun unnötig werden, denn die große Politik hat die örtlichen Pläne und Diskussionen überholt und der Marktgemeinderat daraus am Mittwochabend die Konsequenzen gezogen. Die europäischen und bundespolitischen Weichenstellungen der letzten Wochen haben bewirkt, dass weitaus weniger Flüchtlinge bis nach Bayern kommen. Der Rosenheimer Landrat Wolfgang Berthaler konnte vor Wochen deshalb schon ankündigen, dass die LTG-Halle zeitnah geräumt und die Flüchtlinge von dort in andere Unterkünfte verlegt werden.

Noch Anfang Dezember hatte der Innenminister bei einer Wohnbaukonferenz mit kommunalen Entscheidungsträgern dafür geworben, so viel zu bauen wie möglich, erinnerte Bürgermeister Jürgen Seifert im großen Sitzungssaal. Ab Februar reiften dann langsam die Pläne für das Lechnerhaus-Areal. Das Gebäude sei sehr marode und stehe nicht unter Denkmalschutz, widersprach er anderslautenden Gerüchten.

Einen ersten mündlichen Hinweis auf eine Kehrtwende in Sachen Flüchtlingsunterkünfte habe er, Seifert, am 11. April bekommen, eine entsprechende Mail aus dem Landratsamt aber erst am Dienstag dieser Woche, als die Einladung für die Sitzung mit dem Tagesordnungspunkt, in dem der Abriss des Lechnerhauses endgültig beschlossen werden sollte, längst in Umlauf war und die Chiemgau-Zeitung schon über den Anmiet-Stopp der Regierung berichtete.

Vor diesem Hintergrund beschloss der Rat stattdessen einstimmig, „das Projekt zur Schaffung einer Unterkunft für Flüchtlinge und sozial gebundenen Wohnraum im Lechnerhaus zunächst zu stoppen und bis auf Weiteres auszusetzen“.

Das Hintertürchen „bis auf Weiteres“ könnte schon in den nächsten Tagen geschlossen werden. Wenn ein endgültiger schriftlicher Bescheid der Regierung eingeht, mit dem im Rathaus dem Vernehmen nach täglich gerechnet wird, dürfte das Vorhaben mit großer Wahrscheinlichkeit endgültig erledigt sein, erklärte Seifert auf Nachfrage der Redaktion.

Kommentare