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Im Interview mit dem Leiter der Marquartsteiner Bergwacht

Lawinen und Skitourenboom – Das sind die Gefahren im Achental

Ein Faible für die Berge hatte Sepp Auer schon immer.
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Ein Faible für die Berge hatte Sepp Auer schon immer.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Marquartstein/Unterwössen – Für Schlagzeilen haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Lawinen im Alpenraum gesorgt. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Joseph Auer, Leiter der Bergwacht Marquartstein, über die Gefahren im Achental.

Herr Auer, wie sind Sie zur Bergwacht gekommen?

Joseph Auer: Ich bin seit 1990 dabei. Damals hatte ich bereits ein paar gute Freunde bei der Bergwacht und ich bin seit der Kindheit mit meinen Eltern schon gern auf den Berg gegangen, da lag es einfach sehr nahe. Bis auf Gleitschirmfliegen mach ich eigentlich jeden Bergsport. Gemeinsam mit meinem Bruder bin ich dann beigetreten.

Bei einem Einsatz vor knapp zwei Wochen am Luftbodensteig hatte sich eine Familie überschätzt und rief die Retter.

Wie viele Einsätze haben Sie bei der Marquartsteiner Bergwacht pro Jahr?

Auer: Unser Einsatzgebiet sind das Gemeindegebiet Marquartstein und Unterwössen, allerdings nicht die Hochplatte, für das Gebiet ist die Bergwacht Grassau zuständig. Einsätze waren es waren in den vergangenen Jahren meist 25 bis 30 Einsätze pro Jahr. Es nimmt ganz leicht zu, aber man kann jetzt keinen Corona-Effekt feststellen, dass es etwa deshalb mehr geworden sind. 28 Aktive sind bei der Bergwacht Marquartstein, wobei die Kernmannschaft bei den Einsätzen ca. 15 Personen zählt. Unter der Woche ist das ja wegen des Berufs nicht immer so einfach und geht nicht bei jedem. Da ich, normalerweise in Rosenheim arbeitend, schon seit fast zwei Jahren fast ununterbrochen im Home Office bin, und unsere Einsätze meist in 2-3 Stunden beendet sind, und ich meine Arbeit danach fertigmachen kann, kommt das auch der Bergwacht zugute.

Derzeit hört man viel von Unglücken, erst kürzlich musste eine Familie am Luftbodensteig von der Bergwacht gerettet werden. Wie gefährlich ist die Situation in den Bergen gerade?

Auer: Es ist schwer, eine allgemeine Aussage zu treffen. Die Verhältnisse insgesamt ändern sich derzeit sehr schnell. Ich war erst am Dienstag in der Geigelsteinscharte, weil ich auch für den Lawinenwarndienst ehrenamtlich unterwegs bin. Dort habe ich ein Profil gemacht.

Für die Not der Familie am Luftbodensteig war es aber gerade die Schneehöhe, die Probleme gemacht hat. Hinterwössen ist ein Schneeloch. Zwar kannte die Familie die Wege aus dem Sommer und war konditionell sehr gut aufgestellt. Aber die Massen an Schnee waren dann doch zu viel. So unbedarft loszugehen ohne sich Gedanken über die möglichen Verhältnisse zu machen, ist einfach nicht ratsam. Das sind alpine Steige, die sehr schnell eisig werden können und im Winter unterschätzt werden. Oft sind es auch nur kurze Stellen, die gefährlich sind, aber wenn man da Bedenken sieht, muss man halt davor umkehren, weil runterwärts ist es erfahrungsgemäß schwerer wie rauf.

Was würden Sie Bergsportlern raten?

Auer: Es gibt keine zentrale Hotline, die einem alles an Informationen liefert. Das geht auch nicht, denn, wie angesprochen, kommt es immer sehr auf die individuelle Situation vor Ort an. Da appelliere ich an die Eigenverantwortung. Es gibt ganz viele Apps und Internetseiten mit Informationen, die Leute haben immer ihre Handys dabei. Einerseits bietet das Sicherheit, kann aber auch trügerisch sein. Wir als Bergwacht können und werden sicher nicht die Auskunft geben, dass etwas vollkommen sicher ist. Da sind wir der falsche Ansprechpartner.

Welche Einsätze sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Auer: Als belastend habe ich die Totenbergungen empfunden. Es gab in den vergangenen Jahren mehrere Abstürze am Hochlerch und das nimmt einen schon mit. In Schleching war ich bei zwei großen Einsätzen dabei, wo wir unterstützt haben. Auch dort ist das Lawinenopfer im Krankenhaus verstorben. Das Wetter war schlecht und es war ein schwieriger Einsatz, weil der Helikopter nur wenige Meter über uns war. Auch ein anderer Einsatz war wegen der Gefahr für die Retter grenzwertig. Da kommt man schon ins Grübeln.

Wenn Sie in Ihrer Freizeit Leute erleben, die sich leichtsinnig verhalten, wie gehen Sie dann damit um?

Auer: Die Freiheit, etwas zu sagen, nehme ich mir schon. Erst im vergangenen Jahr habe ich Bergsteiger am Purtscheller Haus angesprochen. Die wollten Richtung Hoher Göll, dabei stand ein Unwetter an. Ich will nicht belehren und lass mir auch nicht raushängen, dass ich von der Bergwacht bin. Aber aufmerksam zu machen, damit der Andere nicht in eine Notlage kommt, das ist mir schon wichtig.

Mit welchem Erfolg?

Auer: Nun ja, es gibt immer Unbelehrbare. Aber in 70 Prozent der Fälle klappt es.

Der Run auf die Berge ist groß, auch viele Anfänger gehen inzwischen Skitouren. Ein Problem?

Auer: Es sind definitiv mehr Skitourengeher im Achental unterwegs. Auch am Hochgern merken wir das stark. Das war früher eigentlich nur von der Bergener Seite ein Skitourenberg. Am Geigelstein wundere ich mich oft, dass nicht viel, viel mehr passiert. Erst vergangene Woche ging es mir dort wieder so: Der Breitenstein wurde von einem Einzelnen, der sich vielleicht gar nicht auskennt eingespurt bei Lawinenstufe 3 und viele nachfolgenden schalten das Hirn aus und rennen hinterher.

Liegt das an Unkenntnis oder Selbstüberschätzung?

Auer: Beides. Viele kümmern sich im Vorfeld nicht, haben die Tour schon oft gemacht.

Wie sieht es bei der Bergwacht mit Nachwuchs aus?

Auer: Sehr gut! Wir haben sieben Anwärter, darunter meine Tochter und anderen Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Wir konnten aber auch sehr gute Nachwuchskräfte gewinnen, die keine Verbindung zur Bergwacht hatten. Ich bin sehr zufrieden, vor sechs oder sieben Jahren hat die Situation noch ganz anders ausgeschaut.

Was ist für Sie das Schöne daran, Bergwachtler zu sein?

Auer: Ich denke da ganz spontan an einen Einsatz vor zwei Wochen. Das hätte viel schlimmer ausgehen können. Wir waren sehr schnell vor Ort und konnten einer Frau helfen. Sie hatte sich zwar das Bein gebrochen, aber das wird heilen. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass es Hilfe gibt. Ich kann schließlich selbst auch mal in eine Notlage kommen. Da opfere ich meine Freizeit gerne.

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