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Langer Weg zu neuem Rundweg

Mehrere hundert Standorte von Wegweisern mussten erfasst und überplant werden, um ein einheitliches Beschilderungskonzept für den Chiemsee-Radrundweg zu entwickeln. Jetzt können die über 1000 neuen Schilder und Tafeln montiert werden.  Foto db
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Mehrere hundert Standorte von Wegweisern mussten erfasst und überplant werden, um ein einheitliches Beschilderungskonzept für den Chiemsee-Radrundweg zu entwickeln. Jetzt können die über 1000 neuen Schilder und Tafeln montiert werden. Foto db

Die Umrundung des Chiemsees mit dem Fahrrad gehört für viele Urlauber zum Pflichtprogramm - und für Einheimische sowieso. Besonders in den Sommermonaten fahren Radler vielerorts Slalom, um die ebenso zahlreichen Spaziergänger auf dem alten Uferweg zu umkurven. Neue Routen für Radler sollen ihnen mehr Bewegungsfreiheit schaffen. Aber der Weg zum "neuen" Chiemsee-Rundweg ist lang.

Chiemsee - Vor gut dreieinhalb Jahren griff die Politik in Aiterbach (Gemeinde Rimsting) symbolisch zum Spaten und gab den Startschuss für ein Mammutprojekt. 7,7 Millionen Euro waren seinerzeit veranschlagt für 43 Einzelmaßnahmen - vom Bau neuer über den Ausbau bestehender Wege bis zum Graben von Tunneln (am "Malerwinkel", bei Arlaching und bei Hirschau).

Die Anliegergemeinden wollen unter dem Dach des Abwasser- und Umweltverbandes (AZV) Chiemsee die Wege für Fußgänger und Radler überall dort trennen, wo dies machbar ist. Gstadt und Breitbrunn blieben auf eigenen Wunsch außen vor. Beide Gemeinden hatten schon in den Jahren zuvor auf ihrem Gebiet in Eigeninitiative Alternativrouten für Radler geschaffen, um den Uferweg zu entlasten.

Stark ins Zeug legte und legt sich die Regierung von Oberbayern mit Präsident Christoph Hillenbrand an der Spitze. Weit über die Hälfte der prognostizierten Gesamtkosten, nämlich 4,35 Millionen Euro, stellte sie als Fördergelder in Aussicht. Den Rest müssen die Kommunen für die jeweiligen Baumaßnahmen auf ihrem Hoheitsgebiet selbst schultern.

Und auch den Grunderwerb, der für den Bau von Radwegen oder Unterführungen nötig ist. Diese Kosten sind in den 7,7 Millionen Euro nicht eingerechnet. Die Verhandlungen mit den Eigentümern, die in der Regel die jeweiligen Bürgermeister führen, scheinen mancherorts äußerst schwierig zu sein.

Denn nach dreieinhalb Jahren sind laut Marlene Berger-Stöckl, der Umweltbeauftragten des Verbands und unermüdlichen Koordinatorin des Großprojekts, bisher "nur" 19 der 43 Einzelprojekte realisiert oder stehen zumindest kurz vor der Vollendung. Genau 7,9 von angestrebten 21,4 Kilometern neuer oder verbreiterter Radwege konnten bisher verwirklicht werden.

Ursprünglich war der Bau eines "neuen" Chiemsee-Rundwegs für Radler auf fünf Jahre ausgelegt, also bis einschließlich 2014. Schon vor einem Jahr hatte Hillenbrand bei der Einweihung der neuen Brücken über die Prien bei der Rimstinger Strandanlage und über den Greamandlweiher ein paar hundert Meter weiter ein Hintertürchen aufgemacht. "2014 ist kein fixer Endpunkt", sagte der Regierungspräsident.

Allerdings ist fraglich, ob für Maßnahmen, die später angepackt werden, noch so hohe Förderquoten ausgeschüttet werden können, wie sie bisher garantiert wurden. Von gut 50 bis über 60 Prozent reicht die Höhe der Zuschüsse, abhängig von der Finanzkraft der jeweiligen Gemeinde.

Zudem steigern in einigen Segmenten der Baubranche seit Monaten die Preise zum Teil rapide. Manches Einzelprojekt könnte also deutlich teurer werden als bei der Kalkulation vor dreieinhalb Jahren errechnet.

Rimsting hatte Vorreiterrolle

Recht entspannt können diese Entwicklung vor allem Bürgermeister und Gemeinderäte in Rimsting, Chieming und Grabenstätt verfolgen. Diese drei Kommunen haben alle oder fast alle ihrer Hausaufgaben schon erledigt, freute sich Berger-Stöckl im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Beispielhaft auch für die hohe bisherige Förderquote steht Rimsting. Die Heimatgemeinde des AZV-Vorsitzenden Josef Mayer ging mit gutem Beispiel voran, investierte 1,4 Millionen Euro und bekam davon 890000 Euro als Zuschüsse zurück.

Mancherorts ist auch die politische Entscheidungsfindung noch nicht abgeschlossen. So hat die Untere Naturschutzbehörde zwar grünes Licht für einen mehrere hundert Meter langen Bohlenweg neben dem alten Rundweg von der Birkenallee in Bernau-Felden nach Westen in Richtung Prien gegeben, aber wo genau und ob überhaupt an deren Ende eine Radlroute bis zur Bahnlinie zwischen Prien und Bernau und an ihr entlang führen wird, steht noch nicht definitiv fest.

Deshalb wird die neue, einheitliche Beschilderung möglicherweise in den nächsten Monaten und Jahren an einigen Stellen noch geändert oder ergänzt werden müssen. Wie berichtet, hat der AZV mit Mitteln aus dem Fördertopf des EU-Programms "Leader" über 1000 Schilder und Tafeln angeschafft, die derzeit von den Bauhofmitarbeitern der Gemeinden montiert werden. Im Vorfeld waren alle bisherigen und künftigen Standorte von Schildern und Tafeln akribisch katalogisiert worden. Mindestens ein Dutzend Mal hatte Berger-Stöckl mit Claus Linke, der alle Daten elektronisch aufbereitete, dafür den See umrundet.

In Chieming, Grabenstätt, Übersee und Bernau stehen die neuen Schilder laut Berger-Stöckl schon, die Bauhöfe der übrigen Gemeinden, in denen nach dem Hochwasser jetzt wieder Normalität einkehrt, werden demnächst nachziehen.

Die Schilder sind nur eine von drei Begleitmaßnahmen des Rundweg-Projekts, die aus "Leader"-Mitteln mit gut 40 Prozent der Nettokosten gefördert werden und zusammen laut Berger-Stöckl auf gut 250000 Euro veranschlagt sind. In jeder Gemeinde soll mindestens eine große Informationstafel platziert werden und in fünf der neun Kommunen (Prien, Bernau, Rimsting, Übersee, Seebruck) sollen Fahrradstationen entstehen. Sie sollen unter anderem mit Ladestationen für "E-Bikes", Schließfächern, Fahrradgaragen und Fotovoltaikanlagen ausgestattet werden. In Prien hat der Bauausschuss gerade grünes Licht für eine solche Anlage auf dem Hafengelände der Chiemsee-Schifffahrt gegeben.

Noch heuer soll mit Spezialisten vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) eine Bestandsaufnahme erfolgen, kündigten Berger-Stöckl und AZV-Chef Mayer an. Die Ergebnisse sollen als Grundlage für eine Klassifizierung dienen und Erkenntnisse liefern, wo noch Nachholbedarf besteht, um das erklärte Ziel erreichen zu können: Die Einstufung als "Premium-Radweg", der touristisch beworben und vermarktet werden kann, war das erklärte Ziel schon in der Planungsphase des Rundweg-Projekts.

Zudem plant der AZV, bald eine aktuelle, landkreis- übergreifende Fahrradkarte aufzulegen.

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