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Widerstand gegen Natura2000 nimmt zu

Landwirte in Staudach-Egerndach äußern sich zu Problemen

  • VonTamara Eder
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Die Bestandsaufnahme und geplante Kartierung zum europäischen Programm Natura2000 erregt die Gemüter. Die betroffenen Landwirte beklagen mangelnde Information, eine nicht aussagekräftige und teils falsche Bestandsaufnahme und befürchten eine schleichende Enteignung.

Staudach-Egerndach – Der Natur-, Landschaft-, und Artenschutz liegt den Landwirten am Herzen, und gerade die kleinstrukturierte Landwirtschaft in der Gemeinde begünstigt Lebensraum für viele Arten. Doch was in den Managementplänen für das europäische Programm Natura2000 enthalten ist, verunsichert und ängstigt in Bezug auf die künftige Ausübung der Landwirtschaft. Bürgermeisterin Martina Gaukler (CSU) lud zu einer Diskussion ins Rathaus ein, an der sehr viele betroffene Bauern und Grundstückseigentümer teilnahmen.

Zunächst informierte Gaukler über die Ziele und Absichten der Natura 2000. Beim „Runden Tisch“ in Bergen, die eher eine Begehung gewesen sei, seien die Fragen der über 1000 Eigentümer nicht zufriedenstellend geklärt worden. Die Regierung habe ausnahmsweise Einzelgesprächen zugestimmt. In Staudach-Egerndach sind diese für Donnerstag, 12. Januar, vorgesehen.

Sind Inhalte der Kartierung zweifelhaft?

Im Vorwort zum „Managementplan südlicher Chiemsee“ werde, so die Bürgermeisterin, von „wertvollem Gebiet mit bäuerlich geprägter Landwirtschaft“ gesprochen. Zudem werde betont, dass die Eigentümer vorab informiert wurden. Darauf folgte lautes Raunen und Kopfschütteln im Saal.

Landwirt Michael Hofer erklärte, dass es um zwei Gebietsarten, die Flora-Fauna Habitat- sowie die Vogelschutzgebiete, gehe. Der Managementplan enthalte neben Vorschlägen zur Verbesserung der kartierten Flächen eine Bestandsaufnahme. So würden die Gebiete in der vorkommenden Form gesichert, zumal es ein Verschlechterungsverbot gebe. Dem würde nichts entgegensprechen, so Hofer, wenn die Bestandsaufnahmen nicht zweifelhaft wären. Die Kartierung sei 2013 bei nahezu durchweg schlechten bis mäßigen Wetterverhältnissen erfolgt. Schützenswerte Vogelarten wurden nur durch ihre angeblich geringe Gesangsaktivität kartiert. Nachweise über ihr Vorkommen der Vögel fehlten.

Einige Maßnahmen seien für die Grünlandnutzung unzumutbar: Neben einer extensiven Nutzung mit maximal zwei Schnitten und ohne Beweidung dürfe auch nicht gedüngt werden. Einige Gräben und Bäche dürften nicht mehr geräumt werden. Es handele sich um freiwillige Maßnahmen. Doch aufgrund des rechtlich bindenden Verschlechterungsverbots könnte durch die Bestandsaufnahme diese einmal von der Naturschutzbehörde angeordnet werden. Die Landwirte befürchten eine Verordnung durch die Hintertür.

Widerstand kam auch vom Wasser- und Bodenverband, der große Probleme sieht, wenn die Bäche nicht mehr geräumt werden. Dies würde dem Hochwasserschutz entgegenstehen.

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Ein Landwirt fragte, ob die Kartierung angezweifelt werden könnte. Dies ist zu prüfen. Durch die Kartierung würden viele Flächen entwertet, eine Nutzung werde schwieriger, befürchten die Bauern. Eine Entschädigung ist nicht vorgesehen, da es sich um freiwillige Maßnahmen handelt. Daher gebe es auch keine Einspruchsmöglichkeit, jedoch könne jeder einzelne seinen Widerspruch gegen Einzelmaßnahmen auf seinen Flächen bekunden und damit erklären, dass keine Einwilligung besteht.

Die Landwirte sollten darauf drängen, dass ihr Ein- und Widerspruch dem Managementplan beigefügt wird, um bei eventuellen Rechtsstreitigkeiten eine Beweismöglichkeit zu haben, riet die Bürgermeisterin.

Aus dem Saal wurde laut, dass dies gewissermaßen eine schleichende Enteignung sei, es keine Ausgleichszahlung für den Wertverlust gebe. Gefragt wurde, wer den Schaden bezahle.

Sollte ein Betretungsverbot kommen, dürfen keine Bäume gefällt werden. Ein Bauer erklärte, dass dann auch Käferholz nicht entfernt werden könne, weitere Bäume beeinträchtigt würden und keine Verjüngung stattfindet. Bei der Versammlung wurde deutlich, dass die Landwirte die Managementpläne nicht einfach hinnehmen werden. /MN

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