ÄNDERUNGSPLANUNG MUSS NACHGENEHMIGT WERDEN

Landratsamt verhängt Baustopp in Bernau: Bauherr verstößt gegen Bescheid

Dem Gemeinderat ist die nicht abgesprochene Gestaltung an der Südseite dieses Neubaus zu wuchtig.
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Dem Gemeinderat ist die nicht abgesprochene Gestaltung an der Südseite dieses Neubaus zu wuchtig.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Mit dem genehmigten Bescheid nicht ganz so genau nahm es ein Bauherr bei der Erweiterung eines Wohn- und Geschäftshauses an der Priener Straße. Ein zusätzlicher Kellerraum, höherer First und zusätzliche Wohnflächen sind das Ergebnis. Das Landratsamt stellte den Bau prompt ein.

Bernau – Nun beschäftigte sich ein sichtlich verärgerter Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit einer Nachgenehmigung für die Änderungsplanung (Tektur). Die Quittung für das eigenmächtige Vorgehen des Bauherrn waren zwei einstimmig ablehnende Einzelbeschlüsse.

Anbau hat keine terrassenförmige Gestaltung mehr

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) schickte voraus, dass die bisherige terrassenförmige Gestaltung des Anbaus auf der Südseite nicht mehr erkennbar sei und er massiver in Erscheinung trete. Der Grund liegt in den erweiterten Wohnflächen im ersten und zweiten Obergeschoss.

Landratsamt sendet positive Signale für die Nachgenehmigung

Die Gebäudehöhe des Anbaus überschreitet laut Biebl-Daiber die genehmigte Höhe um 25 Zentimeter. Die Untere Bauaufsichtsbehörde im Landratsamt habe bereits signalisiert, dass sich das Gebäude trotzdem in die Umgebung einfüge – eine Grundvoraussetzung für die Genehmigung.

Architekt Stefan Rossteuscher aus Bad Aibling war in seiner ausführlichen Stellungnahme sichtlich um Schadensbegrenzung, Besänftigung und um Verständnis des Gremiums bemüht. Er sagte, dass das Landratsamt dem Bauherrn zuvorgekommen sei, der einen Tekturantrag habe vorlegen wollen. Er beschrieb den italienischen Bauherrn als „impulsiv“.

Erweiterungen „ergaben“ sich laut Architekt während der Bauphase

Rossteuschers Schilderungen nach hätten sich die Erweiterungen in der Bauphase ergeben. So habe sich zum Beispiel während der Arbeiten herausgestellt, dass mit den versetzten Ebenen innen nicht habe gearbeitet werden können. So seien die Decken herausgerissen worden und ein neuer Grundriss entstanden. Im zweiten Obergeschoss sei eine Wohnung mehr entstanden.

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Auch der Kelleranbau habe sich „ergeben“. In dem Bereich unter der ehemaligen Tankstelle habe kontaminiertes Erdreich ausgehoben werden müssen. Anstatt das Loch wieder zu füllen, habe der Bauherr die Idee gehabt, dorthin einen zusätzlichen Kellerraum zu bauen: „Das hat sich technisch so ergeben, wir hätten sonst alles wieder zuschütten müssen.“

Eine weitere Änderung habe der Bauherr noch im Sinn, nämlich einen Wintergarten im Erdgeschoss. Der sei aber noch nicht gebaut.

Gemeinderat verärgert über eigenmächtiges Vorgehen

Katrin Hofherr (SPD) erinnerte: „Normalerweise holt man sich eine Genehmigung und dann baut man.“ Rossteuscher verteidigte das Vorgehen mit der Argumentation von einem „moderaten Flächenzuwachs“ von 56 auf insgesamt rund 1100 Quadratmetern. Der zusätzliche Keller ist darin nicht enthalten.

Massive Bebauung am Ortseingang nicht erwünscht

Michaela Leidel (BL) sagte: „Das ist für mich überhaupt keine geringfügige Abweichung.“ Der Bau sei schon im genehmigten Plan groß. „Mir kommt es so vor, als wolle der Bauherr so viel wie möglich herausholen.“ Für sie komme eine so massive Erweiterung am Ortseingang nicht infrage.

Zweiter Bürgermeister Gerhard Jell nannte die Änderungen ebenso „massiv“. Das terrassenförmige genehmigte Erscheinungsbild sei komplett aufgebrochen. „Sie sind übers Ziel hinausgeschossen.“ Das sei ein „No Go“.

Rein rechtlich geht es nur um das Einfügen in die Umgebung

Severin Ohlert (Grüne) sprach gar von „Dreistigkeit“ und „Unverschämtheit“. Rathaus-Geschäftsleiterin Irmgard Daxlberger bestätigte, dass die Änderungen ärgerlich seien. Jedoch habe der Gemeinderat lediglich darüber zu befinden, ob sich das Gebäude in die Umgebung einfüge.

Den Ist-Zustand wollte der Gemeinderat nicht haben

Für Peter Pertl (CSU) lag sogar der „Verdacht nahe“, dass bereits mit dem zusätzlichen Kellerraum der Grundstock für die Erweiterungen in den oberen Geschossen gelegt worden sei. Rossteuscher wies dies von sich. Stefan Saur (WMG) nannte die ursprüngliche Planung des Hauses „luftig“ und leicht. Ihm habe dies besser gefallen.

Franz Praßberger (ÜWG) polterte: „Das, was es jetzt ist, wollten wir schon damals nicht haben.“

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Die Bürgermeisterin ließ über jede Änderung einzeln abstimmen. Mit 12:6 Stimmen erteilte der Gemeinderat seine Zustimmung für die Tektur des Kellers, einstimmig lehnte das Gremium die Änderungen im ersten und zweiten Obergeschoss ab. Der Wintergarten fand mit 10:8 Zustimmung.

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