Kreissausschuss einstimmig

Landkreis Traunstein will ÖPNV verbessern: „Eine Auskunft, ein Tarif, ein Ticket“

Sowohl die Linien als auch deren Fahrten sind an den Wochenenden im Landkreis Traunstein sehr ausgedünnt. Landkreis Traustein
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Sowohl die Linien als auch deren Fahrten sind an den Wochenenden im Landkreis Traunstein sehr ausgedünnt. Landkreis Traustein
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Erste Meilensteine gesetzt hat der Landkreis Traunstein für den neuen Nahverkehrsplan. Der Kreisausschuss hat jetzt konkrete Inhalte zu mehr Qualität festgelegt. Der Nahverkehrsplaner Marko Just vom Landratsamt präsentierte Details, die der Kreisausschuss einstimmig befürwortete.

Traunstein – Im Dezember 2019 hatte der Kreistag entschieden, den Nahverkehrsplan fortzuschreiben. Ein Arbeitskreis entstand, um Schwerpunkte festzulegen. Ziel ist nach Just „ein kundengerechtes, integriertes und tragfähiges Verkehrsangebot“.

In einem ersten Schritt erfolgte bis Mitte 2020 eine Analyse. Aktuell wird bis etwa März 2021 der Rahmen für den Verbesserungsbedarf abgesteckt – in den Bereichen Erschließungsqualität, Bedienungsqualität mit Häufigkeit und Pünktlichkeit der Verkehrsmittel, Verbindungskriterien wie Reisezeit und Anschlüsse, Service- und Ausrüstungsqualität wie zum Beispiel hinsichtlich Barrierefreiheit.

Bus und Bahn sollen besser verknüpft werden

Bei der Bedienungsqualität berichtete Just, die Zahl der Linien im Landkreis sei 2019 an Wochenenden und Feiertagen um etwa 70 Prozent abgefallen, die Anzahl der Fahrten sogar um 85 Prozent. Verbesserungen sollten sich mindestens an der bayerischen „Leitlinie zur Nahverkehrsplanung“ orientieren. Wichtig sei vor allem, Bus und Bahn besser zu verknüpfen.

Just informierte, die Zeitintervalle zum Umsteigen sollten sich zwischen sechs und 15 Minuten bewegen. Umsteigerelevante Bahnhöfe der Bayerischen Regio Bahn (früher Meridian) seien Übersee und Traunstein, an der Südostbayernbahn Ruhpolding, Garching im Landkreis Altötting sowie Trostberg.

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Ein entscheidendes Qualitätskriterium sei die Digitalisierung des ÖPNV – „von der Auskunft über die Buchung bis zur Abrechnung“. Der Nahverkehrsplaner dazu: „Ich muss über das Handy alle Informationen für eine Fahrt bekommen, auch, wie es weitergeht.“ Dabei sei ein stufenweises Vorgehen erforderlich. Just äußerte die Vision: „Eine Auskunft, ein Tarif, ein Ticket.“ Die Gespräche mit allen Beteiligten würden fortgesetzt.

Ab sofort werde eine Online-Umfrage für die Bürger auf der Landkreis-Homepage unter Eingabe des Suchworts „Nahverkehrsplanung“ durchgeführt.

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Viele Aspekte beleuchtete die Diskussion. Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) fragte „Wie können notwendige Haltepunkte mit einer akzeptablen Fahrzeit kombiniert werden?“ Just erwiderte: „Wir konzentrieren uns auf die relevanten Linien und stimmen auf die Fahrpläne der Bahn ab.“

„Wir brauchen eine kurze Taktzeit, günstige Tarife und eine durchgehende Netzstruktur“, forderte Johann Schild (SPDplus). Ein gutes Angebot werde der Landkreis „nicht zum Nulltarif bekommen“.

Traunreut als Knotenpunkt einzubinden, war das Anliegen von Andreas Füssel, AfD. Abteilungsleiterin Alexandra Wolf verwies auf noch folgende Teilbeschlüsse. Die Planung sei derzeit noch nicht vollständig, ergänzte der Landrat. In der Vergangenheit seien Nahverkehrsplanungen gemacht worden, die drei bis vier Jahre dauerten und nach Abschluss bereits überholt waren. Jetzt wolle man in Zwischenschritten vorgehen. Dabei sei „jede Gemeinde wichtig.

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Ein komplettes Busangebot für alle Zielgruppen statt zwei parallelen Systemen mit Schulbussen und ÖPNV brachte Christian Schunck (SPDplus), als „Vision“ aufs Tapet. Ein einziges Bussystem für die unterschiedlichen Nutzergruppen sei auch Ziel des Landkreises, antwortete Walch. Ein weiterer Schritt wäre, die Schulbusse der Kommunen einzubeziehen. „Wir sind nahe beieinander“, richtete er eine Botschaft an Schunck.

Zum Thema Bahn konstatierte Walch: Der Landkreis stimme sich mit den Bahnbetreibern bereits eng ab, welche Hardware erforderlich sei bei der Digitalisierung des Nahverkehrs. Auf Frage von Grünen-Kreisrat Sebastian Heller bejahte Just: „Bei Nahverkehrsverbünden stehen wir im regelmäßigen Austausch mit den Nachbarlandkreisen.“ Mit dem Berchtesgadener Land werde zurzeit eine Grundlagenstudie angegangen.

Teil des einmütigen Beschlusses war es unter anderem auch, dass Anschlussbusse an die Bahn bei Verspätungen mindestens fünf Minuten warten müssen. Alle ÖPNV-Unternehmen sollten bis Ende 2022 stufenweise die nötigen digitale Informationen für ein „elektronisches Ticket“ anbieten.

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