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Wildbäche waren heuer das Problem

Landkreis Traunstein ist erst im Katastrophenfall für den Hochwasserschutz zuständig

Die Wucht der Regenfluten bekam heuer im Juli insbesondere auch die Gemeinde Reit im Winkl zu spüren, hier ein Bild von den Aufräumarbeiten an der Schwarzlofer, wo ganze Wegstrecken weggespült worden waren. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein wird in Reit im Winkl am Hausbach in den nächsten Jahren 6,9 Millionen Euro in den Hochwasserschutz investieren.
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Die Wucht der Regenfluten bekam heuer im Juli insbesondere auch die Gemeinde Reit im Winkl zu spüren, hier ein Bild von den Aufräumarbeiten an der Schwarzlofer.
  • VonMonika Kretzmer-Diepold
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Schneekatastrophen, Starkregen und Hochwasser beschäftigten auch den Chiemgau. Landrat Siegfried Walch (CSU) und sein Katastrophenschutz-Sachgebietsleiter Florian Appelt informierten den Traunsteiner Kreisausschuss über Zuständigkeiten und Abläufe im Notfall.

Traunstein – „Der Landkreis ist erst zuständig, wenn eine Katastrophe eintritt. Bauten für den Hochwasserschutz wie Deiche und Dämme oder das Schaffen geeigneter Retentionsflächen sind Aufgabe des staatlichen Wasserwirtschaftsamts.“ Das betonte Landrat Siegfried Walch (CSU) in der Sitzung des Kreisausschusses. Das Wasserwirtschaftsamt sei nicht am Landratsamt angesiedelt, plane und organisiere vielmehr Hochwasserschutzmaßnahmen in Abstimmung mit den Kommunen. Einen Beschluss musste das Gremium nicht fassen, der Vortrag war rein informativ.

Maßnahmen zur Gefahrenabwehr

Nach Worten Walchs ist der Landkreis bei einem Schadensgroßereignis über den Brand- und Katastrophenschutz gefordert. Dann müsse das Landratsamt als Staatsbehörde Maßnahmen zur Gefahrenabwehr ergreifen. Der Landkreis als Kommunalbehörde und die Kreisgremien seien „außen vor“, also nicht zuständig. Einzige Ausnahme sei der Kauf von eigenen Gerätschaften.

Kommunen müssen investieren und sind für die Sicherheit verantwortlich

Details lieferte Florian Appelt, seit eineinhalb Jahren Leiter des Sachgebiets Brand- und Katastrophenschutz. Die Kommunen seien Sicherheitsbehörde und Kostenträger. Sie müssten die „öffentliche Sicherheit und Ordnung durch Abwehr von Gefahren aufrechterhalten“. Dazu zählen nach Appelt technische Hilfeleistungen der Feuerwehr, aber auch Hochwasserschutzpläne. Ein derartiger Plan sei Pflicht, wenn im Gemeindebereich ein „Gewässer erster Ordnung“ wie der Chiemsee oder ein Fluss liege und die Kommune an den Hochwassernachrichtendienst angeschlossen sei.

Appelt appellierte an die Kommunen, den Hochwasserschutzplan „nicht in der Schublade verschwinden zu lassen“, sondern ihn etwa alle zwei Jahre zu aktualisieren: „Das schafft im Ernstfall Zeit und Struktur.“ In dem Plan sollten neue Erfahrungen aus Einsätzen berücksichtigt werden, Ansprechpartner und Daten auf dem jüngsten Stand sein. Geeignete Vorbereitungsmaßnahmen sollten kritisch überprüft sowie neue Planungen bezüglich Starkregenereignissen aufgenommen werden, empfahl der Referent.

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Das Landratsamt prüfe die Hochwasserschutzpläne der Kommunen nicht inhaltlich, frage lediglich den Meldeplan ab – um Überschneidungen von örtlichen und überörtlichen Kräften zu vermeiden. Dringend ans Herz legte Appelt allen Kommunen auch ohne „Gewässer erster Ordnung“, aus den Erfahrungen mit dem Hochwasser 2021 heraus ihre Wildbäche zu überprüfen: „Sie waren das Problem.“

Appelt schilderte den Meldeablauf im Fall von Starkregen oder Hochwasser. Die Information des Wasserwirtschaftsamts über den Meldebeginn werde weitergeleitet an die betroffenen Bürgermeister, die dann ihrerseits Maßnahmen „nach Plan“ einleiten sollten. Derzeit sei die Integrierte Leitstelle Traunstein (ILS), über die sämtliche Notrufe laufen und die alle Hilfseinsätze koordiniert, mit einem Hersteller wegen geeigneter Software für Handys in Kontakt. Erst bei größeren Schadensereignissen könne das Landratsamt gemäß Bayerischem Katastrophenschutzgesetz eingreifen und eine Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) bestellen, um das Zusammenwirken zu erleichtern.

Ausrüstung besteht Bewährungsprobe

Im Winter 2020/21 gelieferte neue Hochleistungspumpen samt Schläuchen und anderem Zubehör zur Ergänzung des eigenen Materials haben nach Worten Appelts im Sommer bereits die Bewährungsprobe bestanden. Mithilfe der fahrbaren Pumpen konnten Einsatzkräfte schnell und punktuell eingreifen, Wasser auch über längere Strecken wegfördern.

Florian Appelt.

Vom Freistaat habe man noch mehr Ölsperren bekommen – die bei einer großen gemeinsamen Übung aller Einsatzkräfte schon den Praxistest erfolgreich absolvierten. Eigentlich seien Pumpen Gemeindesache, ergänzte der Landrat. Zusammen mit der Katastrophenschutzausstattung vom Bund verfüge der Landkreis Traunstein über zusätzliches Material – „wenn es wirklich hart hergeht“.

Momentan noch kein Plan für die Alarmierung bei einem kompletten Stromausfall:

Auf eine Frage von Andreas Füssel (AfD) nach der Alarmierung bei einem kompletten Stromausfall gab Katastrophenschutz-Sachgebietsleiter Florian Appelt in der Sitzung des Traunsteiner Kreisausschusses Auskunft vom „Blackout“ Mitte April beim Heizungsbrand im Landratsamt. Man habe daraus gelernt. Zurzeit werde geprüft, welche zusätzlichen Alarmierungssysteme möglich seien. Mit der ILS und den anderen Landkreisen in der Region habe man sich zusammengeschlossen, um im Notfall auch deren Systeme nutzen zu können. Aktuell existiere noch kein konkreter Plan für den Fall eines „Blackouts“. Dazu Landrat Walch: „Jedes neue Ereignis bringt neue Erkenntnisse.“ Notstromversorgungsanlagen gebe es in allen wichtigen Einrichtungen. Als „größte Flächenlage“ bezeichnete der Landrat die Schneekatastrophe 2020, die glücklicherweise keine Todesopfer gefordert habe. Im Landratsamt habe ein eigener Stab 12 000 Hilfskräfte koordiniert: „Alles lief extrem professionell ab.“ Bei der Gelegenheit zollte Walch allen ehrenamtlichen Helfern der verschiedenen Blaulichtorganisationen Dank: „Alle sind top engagiert.“ Die Kreisgremien bat er, Zuschussanträge auf freiwilliger Basis auch künftig zu unterstützen: „Sie verschwenden nichts. Das ist gut investiertes Geld.“

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