Bilanz

Im Landkreis Traunstein sind alle Heimbewohner bereits einmal gegen Corona geimpft

Früher war der neue Impfbus des Landkreises Traunstein am Flughafen Amsterdam, dann im Landkreis Passau im Einsatz. Jetzt komplettiert er das Angebot aus stationärem Impfzentrum in Altenmarkt und mobilen Impfteams für Heime. Der speziell ausgerüstete Impfbus steuert künftig turnusmäßig an bestimmten Tagen Standorte in Grassau, Ruhpolding, Fridolfing und Schnaitsee an.
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Früher war der neue Impfbus des Landkreises Traunstein am Flughafen Amsterdam, dann im Landkreis Passau im Einsatz. Jetzt komplettiert er das Angebot aus stationärem Impfzentrum in Altenmarkt und mobilen Impfteams für Heime. Der speziell ausgerüstete Impfbus steuert künftig turnusmäßig an bestimmten Tagen Standorte in Grassau, Ruhpolding, Fridolfing und Schnaitsee an.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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In allen Heimen des Landkreises ist die erste Impfaktion abgeschlossen worden. Der Impfbus des Landkreises wird künftig turnusmäßig auch Grassau und Ruhpolding ansteuern. Der Kreisausschuss nahm die Kosten von knapp 136.000 Euro zur Kenntnis.

Traunstein/Landkreis – Ganz unter der Entwicklung der Corona-Pandemie stand die Sitzung des Kreisausschusses. Das Gremium nahm die Kosten von knapp 136 000 Euro brutto für den Impfbus zur Kenntnis. Er wird künftig turnusmäßig vier Kommunen – Grassau, Ruhpolding, Fridolfing und Schnaitsee – ansteuern. Der Bus ergänzt das seit drei Wochen aktive stationäre Impfzentrum in Altenmarkt und die mobilen Impfteams für die Altenheime. Insbesondere immobile Bürger sollendurch den Bus die Möglichkeit erhalten, sich ortsnah impfen zu lassen.

Besetzt mit Impfteam einschließlich Arzt

In dem Gremium mit Landrat Siegfried Walch an der Spitze stellte Florian Appelt, Leiter des Sachgebiets Katastrophenschutz, das Fahrzeug vor. Der Bus mit Registrierungs-, Warte- und Impfbereich werde vorläufig bis März unter anderem jeweils sonntags und montags in Grassau am Heftersaal stehen sowie freitags und samstags in Ruhpolding an der Alten Schule.

Im Einsatz sei er an sieben Tagen pro Woche von 9 bis 18 Uhr. Besetzt sei das Fahrzeug mit einem Impfteam einschließlich Arzt und einem Fahrer. Alle würden täglich auf Covid 19 getestet. An allen Standorten seien ausreichend Parkplätze und Stromanschlüsse vorhanden. Die Gemeinden müssten Starkstrom stellen, dazu Warteräume, ein TV-Gerät für das Aufklärungsvideo und Toilettenanlagen. Darüber hinaus kann der Bus laut Florian Appelt bei Bedarf in Spezialfällen eingesetzt werden, „wenn zum Beispiel eine ganze Feuerwehr durchgeimpft werden muss“.

Lange Anfahrtswege können mit dem Bus vermieden werden

Der Referent betonte, mit dem Bus könnten lange Anfahrtswege aus Randgemeinden vermieden, die Kapazität der Impfungen gesteigert werden. Außerhalb der Betriebszeit stehe der Bus bewacht am Impfzentrum. Für Reinigung, Bestückung und Betrieb sorge die Kliniken Südostbayern AG.

In Händen der Krankenhausgesellschaft liegt auch das stationäre Impfzentrum samt mobilen Teams in Altenmarkt. Die Kliniken AG hatte sich bei der Ausschreibung gegen das Bayerische Rote Kreuz, Kreisverband Traunstein, und Maltheser Hilfsdienst, Geschäftsstelle Traunstein, mit Abstand zu den Mitbietern durchgesetzt.

Der Landrat bezifferte das akzeptierte Angebot mit monatlich 95 492 Euro.

Impfungen seit 27. Dezember

Seit 27. Dezember finden im Impfzentrum Altenmarkt und in den Heimen Impfungen statt. Dazu lieferte der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamts Traunstein, Dr. Wolfgang Krämer, neueste Zahlen. In allen Heimen sei die erste Impfaktion abgeschlossen. Bislang hätten 2764 Personen die Erstimpfung erhalten. Die Impfdosen für die Zweitimpfung nach frühestens 21 Tagen seien zurückgelegt. Dr. Krämer meinte: „Wir sind spätestens bis Mitte Februar mit der zweiten Impfung durch.“

Viele Einzelthemen kamen in der Sitzung zur Sprache. So erkundigte sich Dr. Lothar Seissiger (FW/UW) nach technischen Details des Impfbusses. Mehrere Redebeiträge galten nicht mobilen Menschen in den Kommunen. Dazu informierte Landrat Walch, Aktionen in allen 35 Gemeinden und Städten des Landkreises seien nicht machbar. Dr. Wolfgang Krämer ergänzte: „Das Problem liegt in der Art des derzeitigen Impfstoffs. Später wird es Impfstoffe auch in Apotheken geben. Dann kann die Impfung über das Hausärztesystem laufen.“

27 von 800 Mitarbeitern in Heimen infiziert

Walch fügte an: „Aktuell ist es nicht möglich, jedem alles freihaus zu liefern.“ Hinter der gesamten Impfabwicklung stehe eine „enorme Logistik“. Zurzeit müssten wegen der nicht gelieferten Impfdosen über 300 Termine umgeplant werden. Niemand müsse letztlich auf eine Impfung verzichten.

Die Pflichttests von Pflegepersonal in Heimen mit „zwei Mal wöchentlich Staberl in die Nase“ bezeichnete Dr. Wolfgang Krämer als große Belastung. Tägliche Tests seien zu viel. Von den rund 800 Mitarbeitern in Heimen seien aktuell 27 mit Corona infiziert. Den Anteil von Heimbewohnern an schweren Krankheitsverläufen wollte Manfred Kösterke (FW/UW) erfahren. Das konnte Dr. Krämer nicht sagen: „Viele Erkrankte wurden bei Bettenengpässen in andere Landkreisen verlegt.“ Unter den an oder mit Covid 19 Verstorbenen im Landkreis seien 60 Prozent Heimbewohner gewesen.

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