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Prozess am Traunsteiner Landgericht

Wie die Kripo eine Woche lang den Obinger Vergewaltiger suchte - und ihn dann schnappte

Berittene Polizei in Obing
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Berittene Polizei im April 2022 auf Patrouille in Obing. Rechts im Bild die Wiese, in deren Nähe eine 55-Jährige Opfer des Vergewaltigers wurde.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Obing/Traunstein - Rund eine Stunde lang soll eine 55-jährige Obingerin auf dem Heimweg im April 2022 vergewaltigt worden sein - nun steht der mutmaßliche Täter vor dem Landgericht. Am zweiten Prozesstag könnte weiteres, belastendes Material bekanntwerden.

Update, 15.40 Uhr - Prozess am Traunsteiner Landgericht

Eine Woche lang blieb der mutmaßliche Vergewaltiger von Obing auf freiem Fuß. Wie ging die Kripo in jenen sieben Tagen vor, die die Gemeinde so in Unruhe hielten? „Gleich am Tag danach haben wir einen bekannten Sexualstraftäter aus Obing überprüft“, berichtet jetzt der Ermittlungsführer der Kriminalpolizei als Zeuge vor Gericht. Doch jener Mann konnte ein zweifelsfreies Alibi vorweisen.

Schließlich wurden die Nachbarn des Tatortes befragt. Einer berichtete von Schreien, die er in der Tatnacht hörte. Womöglich stammten sie von der 55-Jährigen, denn auch ihr Lebensgefährte, der gerade mal 100 Meter Luftlinie entfernt wohnt, hörte sie. Die anschließende Ortung des Handys der Geschädigten führten nur zum Moosmühlbach, nahe des Tatorts, wo es lag – und gab ebenfalls keine Spur zum Täter.

Nach dem Zeugenaufruf in der Presse gingen bei der Polizei dann einige Hinweise ein, die in der Tatnacht einen Mann mit grauem Kapuzenpullover gesehen hatten. Einen solchen trug der Täter. Andere Hinweise auf einen Mann aus Obing, der auf dem Edeka-Parkplatz zuvor schon Frauen belästigte, führten aber auch nicht zu dem Rumänen, der jetzt auf der Anklagebank sitzt.

Am späten Abend des 9. April waren es dann Zivilpolizisten die den 32-Jährigen zufällig schnappen konnten – womöglich kurz vor seiner nächsten Tat. Er lauerte einem Pärchen auf, verfolgte es und versteckte sich immer wieder hinter Autos. Bevor mehr passieren oder der Mann flüchten konnte, griffen die Beamten in Zivil zu und hatten den Verdächtigen. Er ließ sich damals widerstandslos festnehmen und blieb auch noch ruhig, als er den Vorwurf der Vergewaltigung hörte.

Außerdem fand man danach am Wohnort des Angeklagten in Obing einen grauen Kapuzenpullover, bei dem die Kordel fehlte – sie tauchte dagegen direkt am Tatort bei der Spurensicherung auf.
Der Prozess gegen den 32-jährigen Rumänen, der die Tat vor Gericht gestand, wird am Mittwoch (25. Januar) fortgesetzt. Die Plädoyers werden erwartet, möglicherweise fällt dann auch schon das Urteil am Traunsteiner Landgericht.  

Update, 12.47 Uhr - „Schon nach kurzer Zeit war ihr Widerstand gebrochen“

Was kann ein Gerichtsmediziner jetzt zur Wahrheitsfindung im Vergewaltigungsfall von Obing beitragen? Der Angeklagte wurde erst eine Woche nach der Tat, am 9. April 2022, festgenommen und wurde umgehend vom Gerichtsmediziner untersucht. Von „Anzeichen auf Schürfverletzungen” berichtet er beim Angeklagten, unter anderem an seinen Knien und am Penis, dazu auch Rötungen der Ellenbogen.

Spuren der Vergewaltigung eine Woche zuvor? „Zeitlich käme das hin, wenn man sich die Spuren anschaut. Aber sicher lässt es sich nicht sagen”, so der Gerichtsmediziner. Und: Ob die leichten Verletzungen von der Vergewaltigung herrühren, ließ sich ebenfalls nicht bestimmen.

Außerdem sagte die Geschädigte, eine 55-Jährige aus Obing, bereits am letzten Prozesstag aus, dass sie sich kaum wehrte – aus Angst um ihr Leben. Nur erste Schreie seien durch Zuhaltenen ihres Mundes unterbunden worden. „Schon nach einer kurzen Zeit war der Widerstand der Geschädigten gebrochen”, so der Sachverständige.

Entlastend ist die Aussage für den Angeklagten aber trotzdem nicht. Bei der Obingerin wurden am Tag nach der Tat Verletzungen im Intimbereich festgestellt, die zur geschilderten Vergewaltigung passen. „Heute steht bei ihr eine ausgeprägte psychische Traumatisierung im Vordergrund”, so der Gerichtsmediziner: „Sie ist noch immer schwer beeinträchtigt.” Zuletzt gab die Frau an, nicht mehr alleine vor die Haustüre gehen zu können. Auch arbeiten könne sie noch immer nicht.

Nun wird der Ermittlungsführer der Kriminalpolizei aussagen, wie sie dem Angeklagten, einem 32-jährigen Rumänen, auf die Schliche kamen. Nach einigem Zögern hatte er die Tat am ersten Prozesstag bereits gestanden. 

Vorbericht

Bereits am Prozessauftakt war es ein Auf und Ab: Zuerst mauerte der Angeklagte, ein 32 Jahre alter Rumäne, und wollte nichts sagen. Doch auch sein Verteidiger Harald Baumgärtl kennt die Akten und konnte ihn in einer langen Beratungspause umstimmen. „Er räumt alles unumwunden ein, ohne Wenn und Aber”, so der Anwalt schließlich. Der Täter der brutalen Vergewaltigung in der Nacht auf 2. April 2022 in Obing scheint also festzustehen.

Prozess am Landgericht um Vergewaltigung in Obing

Am Montag (23. Januar) wird der Prozess am Traunsteiner Landgericht ab 9.15 Uhr fortgesetzt. Das Gericht erwartet dann die Ergebnisse der Spurensicherung und des DNA-Gutachtens. Außerdem wird der Ermittlungsführer der Kriminalpolizei als Zeuge aussagen und das psychiatrische Gutachten über den Angeklagten steht an.

Bereits am ersten Prozesstag ließ die Zeugenaussage eines Zivilpolizisten aufhorchen. Er berichtete darüber, wie der 32-Jährige eine Woche nach der Tat in Obing festgenommen werden konnte: Anscheinend lag der Mann bereits auf der Lauer nach einem neuen Opfer. Laut des Zivilbeamten verfolgte er ein Pärchen, versteckte sich dabei immer wieder hinter Autos. Dann griffen die Polizisten zu und nahmen den Rumänen fest. Auch die missbrauchte Frau, die nach der Arbeit auf dem Heimweg war, sagte aus, genauso wie ihr Lebensgefährte. „Wenn ich überleben will, muss ich ruhig bleiben“, schilderte die 55-Jährige dem Gericht ihre damaligen Gedanken.

Die Obingerin hatte in jener Nacht nur noch rund 150 Meter Heimweg vor sich. Nahe der Fußgängerbrücke über den Moosmühlbach soll der 32-Jährige sie dann von hinten gepackt und auf eine Wiese gezerrt haben. Während er sich an der Frau verging, habe er immer wieder ihr Gesicht zu Boden gedrückt, so dass die Obingerin keine Luft mehr bekam, so die Staatsanwaltschaft. Angeklagt ist der Mann wegen Vergewaltigung und Raub. Weitere Prozesstage sind für 25. und 27. Januar vorgesehen. chiemgau24.de berichtet aktuell aus dem Landgericht.

xe

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