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Richterin zu 47-Jährigem: „Die Familie ist zerstört“

Stieftochter hunderte Male missbraucht: Urteil gegen Mann aus Kreis Rosenheim gefallen

  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Wegen sexuellem Missbrauch in hunderten Fällen stand ein 47-Jähriger aus dem Inntal vor Gericht - das Opfer: seine Stieftochter, die inzwischen 18 Jahre alt ist. Am Dienstag (1. Februar) wurde der Mann vor dem Traunsteiner Landgericht verurteilt.

Update, 17.32 Uhr - Urteil gegen Mann aus Kreis Rosenheim gefallen

Das Urteil am Traunsteiner Landgericht ist gesprochen: Weil ein 47-Jähriger aus dem Landkreis Rosenheim seine Stieftochter im Jugendalter mindestens 150 Mal missbrauchte, muss er für vier Jahre ins Gefängnis. Er ist schuldig des sexuellen Missbrauchs Schutzbefohlener und Vergewaltigung, auch wenn Vorsitzende Richterin Heike Will in der Urteilsbegründung betont, dass es sich nicht um Vergewaltigungen „im klassischen Sinn“, also nicht um Geschlechtsverkehr, handelte.

Die Taten ereigneten sich über viele Jahre bis ins Jahr 2019. Vorigen März wurde der Angeklagte dann verhaftet. Der 47-Jährige war vor Gericht geständig. Seine Ex-Frau - man lebte unter einem Dach - bekam von all dem überhaupt nichts mit. „Die Familie ist zerstört“, befand die Richterin in der Urteilsbegründung. Die Stieftochter, heute 18 Jahre alt und in ein anderes Bundesland verzogen, trug von den Taten schwere seelische Schäden davon und ist inzwischen auf dem Weg der Besserung. 

Update, 15.22 Uhr - Welche Strafe droht 47-Jährigem?

Die 150 Fälle von sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener und Vergewaltigung stehen fest. Das hat der Angeklagte, 47 Jahre alt und aus dem Landkreis Rosenheim, bereits zugegeben, auch Staatsanwaltschaft und Verteidigung zweifeln daran nicht. Staatsanwältin Miriam Adler fordert in ihrem Plädoyer vier Jahre und zwei Monate Haft für den Angeklagten. Durch den regelmäßigen Missbrauch seiner Stieftochter sei sie jede Nacht „ein Stückchen mehr gestorben“, so die Staatsanwältin. Die heute 18-Jährige sei ihrer sexuellen Selbstbestimmung beraubt worden.
 
Verteidiger Peter Dürr stellt keinen konkreten Strafantrag. Er betont aber den „schleichenden Prozess“ in der „Beziehung“ zwischen Angeklagtem und der Geschädigten. Außerdem deute beim Angeklagten nichts auf eine Pädophilie hin und die Taten endeten nicht erst durch die Verhaftung. In seinen letzten Worten zeigt sich der 47-Jährige „bereit, Verantwortung zu übernehmen“. Er könne nicht in Worten beschreiben, wie er die Taten bedauere. „Ich habe vielen Menschen damit wehgetan, meiner Stieftochter, meiner Frau, meiner Mutter, meinem Bruder... Es war mein persönliches Versagen.“

Nun warten die Prozessbeteiligten nur noch auf das Urteil der Vorsitzenden Richterin Heike Will.

Update, 13.23 Uhr - Video von Vernehmung des Opfers

Weil der Angeklagte hier vor dem Traunsteiner Landgericht bereits ein Geständnis ablegte, bleibt es der heute 18-jährigen Geschädigten erspart, als Zeugin über den 150-fachen Missbrauch auszusagen. Jedoch wurde ihre Aussage bei der Polizei auf Video aufgenommen. Damals war sie noch 17 Jahre alt, einer Vorführung vor Gericht stimmte sie zu.
 
Zu sehen ist ein zurückhaltendes und wortkarges Mädchen. Es war genau jener Tag, an dem der Stiefvater festgenommen wurde und die Familie zusammenbrach. Denn die Mutter ahnte von den Taten nichts. „Meine Mutter wusste bis heute absolut gar nichts“, sagt die Geschädigte gegenüber der Polizei auch selbst. „Ich glaub‘, ich stehe noch ziemlich unter Schock“, hört man die Geschädigte in dem Video. Die Vorwürfe gegen den Stiefvater würden schon stimmen, „aber eigentlich ist das abgeschlossen und eine gegessene Sache“.

Als das Video gezeigt wird, traut sich der Angeklagte kaum zum Fernseher schauen, blickt fast nur nach unten. Aber auch das Mädchen wirkt bei der Vernehmung kraftlos. In den Worten von Staatsanwältin Miriam Adler eine „leere, ausgebrannte 17-Jährige ohne Lebensfreude“. Heute stabilisiert sich der Zustand der jungen Frau nach langer psychiatrischer Behandlung langsam wieder. Sie geht probeweise zur Schule.
 
Ins Rollen kam der Fall Anfang 2021 durch die Anzeige eines Lehrers der Geschädigten. Bekannt wird auch, dass der Angeklagte nicht vorbestraft ist, keine Probleme mit Alkohol oder Drogen hat und von einem Sachverständigen auch nicht als pädophil eingeschätzt wurde. Jetzt fehlen nur noch die Plädoyers von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, dann wird das Urteil gesprochen.

Update, 11.25 Uhr - Mutter ringt sich zur Aussage durch

Im Prozess um hundertfachen Missbrauch sagt nun auch die leibliche Mutter der Geschädigten aus. Etwa viereinhalb Jahre wurde sie vom Stiefvater im Landkreis Rosenheim mutmaßlich missbraucht, bis zum Alter von 17 Jahren. Aber erst als der Angeklagte im März 2021 festgenommen wurde, erfuhr sie von all den Taten. „Sie wurde mit der Zeit schon schwieriger, aber ich dachte, das wäre die Pubertät.“ Die Tochter habe ihr gesagt, mit dem Stiefvater hätte sie immer besser reden können.

Zusätzlich schockierend sei für die Frau gewesen, dass die Tochter den Stiefvater nach der Festnahme auch noch verteidigte. „Sie machte mir Vorwürfe und griff mich an“, so die Mutter: „Ich dachte mir, ‚Oh Gott, was ist mit meinem Kind los?‘.“ Immer wieder kämpft die Mutter während ihrer Aussage mit den Tränen. Die Tochter kam nach der Festnahme des Stiefvaters dann in eine psychiatrische Klinik. Heute lebt die inzwischen 18-Jährige in einem anderen Bundesland.
 
Mindestens 150 Fälle von sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen und Vergewaltigung werden dem Angeklagten vorgeworfen. Die Taten sollen sich in einer Gemeinde im Inntal im Landkreis Rosenheim abgespielt haben. Der Angeklagte ist 47 Jahre alt. Im Prozess soll noch heute das Urteil am Traunsteiner Landgericht fallen. Die Geschädigte selbst muss wegen eines Geständnisses des Stiefvaters nicht vor Gericht aussagen. Jedoch wird vor Gericht noch ein Video ihrer Polizeivernehmung gezeigt.

Vorbericht

Landkreis Rosenheim/Traunstein - Über viele Jahre sollen sich die Übergriffe im Kinderzimmer und im Keller des Hauses abgespielt haben: Der Angeklagte ist Stiefvater des heute 18-jährigen Opfers, sie leben in einer Gemeinde im Inntal des Landkreises Rosenheim. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen und Vergewaltigung vor, mindestens 150 Fälle bis Anfang des Jahres 2019. Im Prozess vor dem Traunsteiner Landgericht wird am Dienstag (1. Februar) wahrscheinlich ein Urteil fallen.

Weil der Mann beim Prozessauftakt bereits ein Geständnis ablegte, muss das Opfer nicht mehr vor Gericht aussagen. Ihr geht es wegen der Taten psychisch noch immer sehr schlecht, musste stationär auch in einer Klinik behandelt werden. Laut eines Polizeibeamten sei der 47-Jährige zeitweise fast täglich am Abend ins Zimmer des Mädchens gekommen, um ihr in entsprechender Weise „Gute Nacht zu sagen“. Verteidiger Peter Dürr bot als Wiedergutmachung bereits eine Sofortzahlung in Höhe von 500 Euro und weitere 200 Euro monatlich an, bis die Geschädigte 25 Jahre alt ist.

Die Verhandlung am Traunsteiner Landgericht beginnt um 9 Uhr, rosenheim24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

xe

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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