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Betrügerbande nahm Seniorinnen in Rosenheim und Kreis Traunstein aus

Staatsanwalt wird laut: Schockanrufe „heuschreckenartiger Überfall auf unsere Bevölkerung“

  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Vier Seniorinnen aus Traunstein, Taching, Trostberg und Rosenheim wurden heuer Opfer von „Schockanrufen“: Einem Trio von falschen Polizisten übergaben die Damen große Summen - jetzt wird ihm der Prozess gemacht.

Update, 18.15 Uhr - Schockanrufe „heuschreckenartiger Überfall auf unsere Bevölkerung“

Nach den ersten Aussagen der Opfer muss Staatsanwalt Gregor Stallinger erstmal tief Luft holen – und wird dann laut: „Diese Zeugin (aus Rosenheim, Anm.) war exemplarisch“, beginnt Stallinger. Er spielt darauf an, dass die 79-jährige Frau Frau ein Jahr zuvor schon einmal Opfer einer Betrugsmasche am Telefon werden sollte, doch das ganze damals noch durchschaute.

„Das Perfide ist: Es werden wohl Listen von Geschädigten geführt, wo man es schon mal probiert hat und wo man schon mal nah dran war“, so der Staatsanwalt. Die Täter würden im Hintergrund ihre Masche „perfektionieren“. Mit Blick auf die drei mutmaßlichen Betrüger aus Polen spricht Staatsanwalt Stallinger von einem „heuschreckenartigen Überfall auf unsere Bevölkerung“.

Die drei Angeklagten räumten heute ihre Taten übrigens ein – nicht selbst, aber über ihre Verteidiger. Demnach werden die sechs verbleibenden, angesetzten Prozesstage wohl nicht alle gebraucht. Fortgesetzt wird am Freitag (2. Dezember) um 9.15 Uhr, das Urteil wird frühestens am 12. Dezember fallen.  

Update, 17.05 Uhr - Betrogene Seniorinnen aus Rosenheim und Trostberg berichten

„Normalerweise bin ich realistisch. Aber in dem Moment war ich nicht mehr ich selbst. Ich war wie ein Zombie“, gesteht eine 79 Jahre alte Frau aus Rosenheim jetzt im Zeugenstand. Sie ist die erste der Geschädigten, die vor dem Traunsteiner Landgericht zu den Schockanrufen aussagt. 30.000 Euro, Schmuck und Gold verlor sie am 25. März an die Betrügerbande.

Wie genau lief die Masche bei ihr ab? Das Telefon läutete: „Mama, hilf mir!“, sagte eine Frauenstimme – und die Rosenheimerin sofort: „Ich komme“, und legte auf. Doch gleich danach wieder ein Anruf, diesmal sei ein richtiger Schrei zu hören gewesen, abgelöst von einer angeblichen „Staatsanwältin“. Die Tochter hätte in Rosenheim ein vierjähriges Kind totgefahren. Ein Psychologe würde sich bereits um sie kümmern.

„Die am Telefon haben mir immer wieder ihre Hilfe angeboten“, so die 79-Jährige. „Das war der springende Punkt, wo ich hereingefallen bin.“ Gegen 60.000 Euro müsse ihre Tochter nicht in Gewahrsam bleiben. Habe sie nicht den ganzen Betrag, tue es auch Schmuck. „Und es pressiert, weil das Amtsgericht macht am Nachmittag zu...“ Kurz darauf stand sie in der Bank, kratzte das Geld zusammen und übergab es dem 29 Jahre alten Angeklagten.

Besonders auffällig: Schon ein Jahr zuvor versuchten es die Trickbetrüger bei der Rosenheimerin am Telefon. Es ging „nur“ um Schmuck, sie durchschaute es, informierte die Polizei. „Aber in so einem Fall, wenn‘s um die Kinder geht...“ Auch, als Bankangestellte angesichts der 30.000 Euro Sofortabhebung skeptisch nachfragten, dachte sich die Frau noch nichts, wiegelte sogar ab: „Nein, das ist kein Enkeltrick-Anruf“, sagte sie in der Bank.

Eine „Riesensumme“, wie sie selbst sagt, wurde zwei Wochen zuvor auch einer Trostbergerin abgeknöpft. Der Schockanruf begann mit jämmerlichem Weinen. Die 76-Jährige glaubte, es wäre der Bruder – und schon wusste die „Polizei Rosenheim“, dass „der Bruder“ einen schweren Verkehrsunfall gebaut habe. „Dann hat mein Gehirn ausgeschaltet“, gibt die Trostbergerin jetzt vor Gericht zu. Kurz darauf stand ein Bandenmitglied, das die Ermittlungsbehörden noch nicht kennen, unten an der Straße und die 76 Jahre alte Frau war 28.000 Euro los.

Update, 13.05 Uhr – Insgesamt 90.000 Euro sowie Gold und Schmuck

Mit einiger Verspätung hat der Prozess gegen drei junge Polen am Traunsteiner Landgericht nun begonnen. Banden- und gewerbsmäßiger Betrug wird ihnen vorgeworfen - mittels sogenannter Schockanrufe. Die mutmaßlichen Opfer: Sechs alte Damen aus Traunstein, Trostberg, Taching, Rosenheim, Garmisch-Partenkirchen und Ockfen in Rheinland-Pfalz. Während die Opfer zwischen 73 und 93 Jahre alt sind, haben die Männer auf der Anklagebank deutlich weniger Jahre auf dem Buckel: Einer ist 24 Jahre alt, einer 28, einer 29.

Die Staatsanwaltschaft kommt zur Anklageverlesung. Grob gesagt lief die Masche der Angeklagten so ab: Die älteren Frauen erhielten Anrufe von angeblichen Polizisten, die sie aufklärten, dass enge Familienangehörige einen schweren Verkehrsunfall verursacht hätten. „Aufgrund dessen müsste die Geschädigte für ihre Enkeltochter eine Kaution in Höhe von 80.000 Euro hinterlegen, ansonsten komme diese ins Gefängnis“, wie der Staatsanwalt im Fall einer 81-Jährigen aus Taching am See verliest.

Nach den Telefonaten wurde mit den Damen ein Treffpunkt vereinbart, an dem das Geld dann übergeben worden sei. Gefordert hätten die Angeklagten immer wesentlich höhere Beträge, als sie schließlich bekamen: Insgesamt 90.000 Euro sowie Gold und Schmuck hätte das Trio mit der Masche im März ergaunert. Ein Beispiel hierfür ist eine 79-Jährige aus Rosenheim: Mit den angebotenen 30.000 Euro gaben sich die Täter am Telefon nicht zufrieden und fragten nach Gold. So übergab die Frau den falschen „Staatsanwälten“ schließlich zusätzlich auch noch einen 50-Gramm-Goldbarren, Goldmünzen und Schmuck. 

Zum Opfer wurden laut Staatsanwaltschaft:

  • eine 81-Jährige aus Taching mit 20.000 Euro
  • eine 77-Jährige aus Garmisch-Partenkirchen mit 10.000 Euro
  • eine 76-Jährige aus Trostberg mit 28.000 Euro
  • eine 93-Jährige aus Traunstein mit 1200 Euro und Schmuck
  • eine 79-Jährige aus Rosenheim mit 30.000 Euro und Gold.

Beim Fall aus Ockfen (Rheinland-Pfalz) hätten die Angeklagten keinen Erfolg gehabt. Die betroffene 73-Jährige wurde nach der Geldübergabe skeptisch und konnte es der falschen „Praktikantin des Amtsgerichts“ wieder entreißen

Vor dem Traunsteiner Landgericht werden heute auch betroffene Damen als Zeugen geladen, um auszusagen. 

Vorbericht – 80.000 Euro mit „Schockanrufen“ ergaunert?

Traunstein/Taching/Trostberg/Rosenheim - Die Masche hat seit einiger Zeit bei Betrügern Konjunktur, und auch vier ältere Damen in der Region fielen heuer im März darauf herein: Gezielt werden ältere Menschen angerufen und behauptet, man sei von der Polizei. Ein enger Familienangehöriger habe einen schweren Verkehrsunfall verursacht und komme ins Gefängnis, wenn nicht schnell eine hohe Kaution in bar übergeben wird.

Am Mittwoch (30. November) wird am Traunsteiner Landgericht gegen drei junge Polen verhandelt. Sie sollen Mitglieder einer international agierenden Bande sein, die mit solchen „Schockanrufen“ jede Menge Geld ergaunerte. Sechs Fälle sind laut Staatsanwaltschaft dokumentiert: es habe Frauen aus Traunstein, Taching, Trostberg und Rosenheim getroffen, außerdem auch aus Garmisch-Partenkirchen und Ockfen in Rheinland-Pfalz. Insgesamt verloren die sechs Seniorinnen dadurch rund 90.000 Euro, Gold und Schmuck.

Der Prozess beginnt um 9.15 Uhr am Traunsteiner Landgericht. Sieben Verhandlungstage sind angesetzt. Angeklagt sind die drei Männer wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs. chiemgau24.de wird aktuell vom Prozess berichten.

xe

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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