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Lager als Selbstbedienungsladen

Über einen längeren Zeitraum stahlen drei Lagerarbeiter aus dem Warenlager ihrer Firma Textilien. Jetzt stand das Diebestrio vor dem Schöffengericht. Sie erhielten bis zu zweijährige Haftstrafen: Die gemeinschaftliche Tatbegehung wird juristisch als Bandendiebstahl bewertet. Die Strafen konnten "gerade noch" auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, da das Gericht wegen des geringen Beutewertes auf einen "minderschweren Fall" erkannte.

Rosenheim - Zwischen August 2011 und März 2012 bedienten sich drei Lagerarbeiter aus Rosenheim und Bruckmühl im Sortiment eines großen Textilienhandels im Landkreis. Jetzt stand das Diebestrio vor dem Schöffengericht.

Zwar hatten sie als Mitarbeiter ohnehin einen Rabatt von 50 Prozent, aber das war den dreien offensichtlich immer noch zu teuer. T-Shirts, Sakkos, Hosen, Handschuhe, Gürtel und weitere Modeartikel wurden arbeitsteilig von den Tätern hinausgeschmuggelt und dann untereinander aufgeteilt. Pro Bandenmitglied kam die Anklage auf einen Beutewert von etwa 800 Euro.

Das Treiben des Trios wäre noch lange unentdeckt geblieben, denn eine Warenbestandskontrolle fand nicht statt. Zwar ist ein Sicherheitsbeauftragter installiert, jedoch waren die stichprobenartigen Kontrollen wohl leicht zu umgehen. Erst im Zuge der Ermittlungen stellten sich gravierende Fehlbestände heraus.

Kriminelle Kumpanei ist als ziemlich unsicher bekannt. Folgerichtig fühlte sich einer der drei eines Tages übervorteilt, ging zum Sicherheitsbeauftragten und zeigte seine Kumpane wegen Diebstahls an. Wie er auf die Idee kommen konnte, sein eigener Tatbeitrag würde dabei unentdeckt bleiben, blieb sein Geheimnis.

Jedenfalls beschuldigte einer den anderen und in dieser Situation wurde auch noch eine Reihe weiterer Mitarbeiter festgestellt, die ebenfalls "lange Finger" gemacht hatten. Diese werden demnächst vor dem Einzelrichter erscheinen müssen.

Als Bandendiebstahl zu werten

Im vorliegenden Fall war die Sachlage schwerwiegender, weil die gemeinsame Täterschaft von mindestens drei Mittätern als Bandendiebstahl gewertet wird. Die Tatsache, dass sich das mit etwa 32 Taten über mehrere Monate hinzog, erschwerte den Vorwurf noch. Einige Jahre Gefängnis drohten allen Angeklagten, weswegen die Verteidiger das Gericht um ein Rechtsgespräch baten.

Dabei wurde deutlich gemacht, dass sich alle Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig erklärten. Die Staatsanwaltschaft beantragte im Gegenzug einige der aufgeführten Fälle einzustellen, da diese im Verhältnis zu den weiteren Vorwürfen nicht so gravierend seien.

Alle drei Täter sind bislang im Berufsleben gescheitert, haben nun erneut eine Arbeitsstelle gefunden und somit doch eine positive Sozialprognose. Das und der Umstand, dass sie alle geständig waren, bewegten den Vertreter der Staatsanwaltschaft dazu, Gefängnisstrafen zwischen 21 und 24 Monaten zu beantragen, die "gerade noch" zur Bewährung ausgesetzt werden könnten.

Rechtsanwalt Friedrich Schweikert führte als Verteidiger des 27-Jährigen aus Bruckmühl an, dass sein Mandant als Einziger ohne jede Vorstrafe sei und, wenn dessen Geständnis auch spät gekommen sei, es dennoch als solches gewertet werden müsse. Er stellte das Strafmaß in das Ermessen des Gerichtes, erbat aber ebenfalls eine Bewährungsstrafe.

Die Verteidigerin des 25-jährigen Rosenheimers, Rechtsanwältin Jessica Krupp, argumentierte, dass die Verfehlungen ihres Mandanten weit zurück lägen und auch nur geringfügig gewesen seien. Sie hielt eine Strafe von 19 Monaten Haft für ausreichend und beantragte gleichermaßen, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Auch der Anwalt des 40-jährigen Rosenheimers plädierte dafür, dass eine Bewährungsstrafe auszusprechen sei. 20 Monate seien im Fall seines Mandanten tat- und schuldangemessen.

Das Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber entschied, dass es sich tatsächlich um einen gewerbsmäßigen Bandendiebstahl gehandelt habe. Da die Beute jedoch nicht allzu groß gewesen sei, könne hier ein "minderschwerer Fall" angenommen werden. Das ändere wegen der Anzahl der Taten jedoch nichts im Strafmaß. Zwei der Täter bekamen 21 Monate, der dritte - ihm wurde noch Fahren ohne Führerschein vorgeworfen - 24 Monate Haft auferlegt. Die Strafen für das Trio wurden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

au

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