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Deutsche Bahn macht Angebot – Bernauer Gemeinderat will Bevölkerung befragen

Lärmschutzwände wie eine „Berliner Mauer“ mitten durch Bernau: Ja oder Nein?

Ein Blick auf die Bernauer Bahngleise vom Gewerbegebiet Am Anger nach Nordwesten. Rechts (östlich) der Bahnlinie befinden sich die Ortsteile Irschen und Eichet. Links der Gleise (westlich) ist der Bahnhof samt Umfeld mit Blick zu sehen.
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Ein Blick auf die Bernauer Bahngleise vom Gewerbegebiet Am Anger nach Nordwesten. Rechts (östlich) der Bahnlinie befinden sich die Ortsteile Irschen und Eichet. Links der Gleise (westlich) ist der Bahnhof samt Umfeld mit Blick zu sehen.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Sollen entlang der Bahngleise drei Meter hohe Lärmschutzwände mitten durch fast ganz Bernau verlaufen und den Ort optisch in zwei Teile zerreissen? Wären sie niedriger möglich oder soll überhaupt auf sie verzichtet werden? Vor all diesen Entscheidungen steht die Gemeinde Bernau und sie will ihre Bürger befragen, bevor sie sich endgültig festlegt.

Bernau – Dazu findet voraussichtlich Mitte April eine Informationsveranstaltung statt. Auf dieser Basis will der Gemeinderat danach seine Entscheidung treffen. Für diese Vorgehensweise sprach er sich am Donnerstagabend in seiner Sitzung im Rathaus einstimmig aus.

Bewerbung als Modellregion

Außerdem bewirbt sich die Gemeinde als Modellregion für niedrigere Wände. Eine endgültige Entscheidung, ob die Lärmschutzwände von der Gemeinde befürwortet werden oder nicht, ist damit vertagt.

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) rief in Erinnerung, dass die Deutsche Bahn erstmals vor vier Jahren wegen der Lärmschutzwände auf die Gemeinde zugegangen war. Da die Schallschutzwerte neu berechnet worden sind, verstrich noch einmal Zeit.

Peter Pertl (CSU) erkundigte sich, ob im gesamten Ort hoch absorbierende Wände möglich seien und dafür an Höhe eingespart werden könnte. Generell wolle die Bahn optimale Ergebnisse erreichen, sagte Hermann Bernhard von der Deutschen Bahn, der über Video der Sitzung zugeschaltet war. Er ergänzte: „In ihrem Fall wären das drei Meter hohe Lärmschutzwände.“ Unter zwei Meter seien nicht möglich.

Matthias Vieweger (CSU) erkundigte sich nach der „großen Lücke“ auf dem Plan an der Nordseite. Bernhard erklärte, dass in diesem Bereich zur Seeseite hin die Wirtschaftlichkeit nicht gegeben sei. Auf Viewegers zweite Frage, ob Bürger eine Lärmschutzwand einklagen könnten, sollte sie die Gemeinde ablehnen, verneinte er. Sepp Genghammer (Grüne) wollte wissen, ob die Bahn ihre Fahrzeuge technisch noch weiter verbessern könne, damit diese leiser fahren. Bernhard sagte, dass inzwischen alle Fahrzeuge mit leisen Bremsen ausgestattet seien und dies Stand der Technik sei. Auch ausländische Fahrzeuge auf der Strecke seien dazu verpflichtet, sonst drohten ihnen Strafzahlungen. Er schloss nicht aus, dass in Zukunft technisch weitere Innovationen möglich seien, aktuell sei ihm aber nichts bekannt.

Zugverkehr durch Bernau wird bis 2030 sinken

Auf eine weitere Frage erklärte Bernhard, dass im Jahr 2020 186 Züge pro Tag in beiden Richtungen Bernau passierten, im Jahr 2030 seien es laut aktueller Prognose weniger. Woraufhin Genghammer auf das politische Ziel der Bundesregierung verwies, mehr Verkehr auf die Schiene bringen zu wollen. Bernhard erklärte, dass die Bahn zur Lärmvorsorge verpflichtet sei, sollte sich der Verkehr erheblich erhöhen.

Die ebenfalls zugeschaltete Dandan Su von der Deutschen Bahn sagte, ihr sei nicht bekannt, dass sich der Zugverkehr durch die Gemeinde Bernau erhöhen werde.

Bernhard fasste auf weitere Fragen hin zusammen, dass der Schallschutz umso höher sei, je näher die Lärmschutzwand sich am Gleis befinde. Öffnungen beziehungsweise Zugänge würden überlappt: „Das sorgt für eine durchgehende Wirkung.“

Wenn die Lärmschutzwände gebaut seien, würde der Schall gemessen – im Vorfeld ist er berechnet worden. Dort, wo es nötig sei, könne mit passiven Maßnahmen ergänzt werden, sofern vom Hauseigentümer gewünscht.

„Das Thema geht alle Bernauer etwas an“

Biebl-Daiber eröffnete die Diskussion mit der Frage, ob die Öffentlichkeit in die Entscheidung einbezogen werden soll und wenn ja, ob alle Bürger oder nur die direkt betroffenen Anwohner. Sie schlug eine Abfrage mit genau dieser Unterscheidung vor. Severin Ohlert (Grüne) meinte, das Thema gehe alle etwas an. Katrin Hofherr (SPD) und Genghammer sahen dies ebenfalls so, da die Lärmschutzwände durch ganz Bernau verlaufen und weithin zu sehen sein werden. Vieweger verwies auf die Marktgemeinde Prien, die die betroffenen Bürger mit einem Fragebogen angeschrieben hatte.

Thomas Deinzer (SPD) hielt es für schwierig, alle zu fragen. Er merkte an, dass er sich schwertue, die Wände abzulehnen. Er wolle nicht dafür verantwortlich sein, dass Hausbesitzer möglicherweise 25 Prozent der Kosten für passiven Lärmschutz investieren müssten. Hofherr plädierte für bestmöglichen Lärmschutz und damit die drei Meter Höhe.

Schutzwände müssen wirkungsvoll sein

Gerhard Jell (CSU) argumentierte, für ihn sei entscheidend zu wissen, in welcher Höhe die Lärmschutzwände am Ende gebaut werden, er sprach sich dafür aus, alles daran zu setzen, niedrigere Wände zu bekommen, was laut Beschluss nun durch die Bewerbung als Modellregion geklärt werden soll. Genghammer wandte ein, es sei zu prüfen, ob dies möglich und wirkungsvoll sei. Biebl-Daiber erklärte, niedrigere Wände machten nur dort Sinn, wo der Bahndamm hoch und die Häuser niedriger gelegen seien.

Mit 12:3 beschloss der Gemeinderat, alle Bernauer schriftlich zu befragen mit der Unterscheidung, ob es sich um einen direkt oder indirekt Betroffenen handelt.

Bund würde 4,5 Millionen Euro für 1645 Meter investieren:

Hermann Bernhard von der Deutschen war per Video der Sitzung zugeschaltet. Er erläuterte dem Gremium die Pläne für die Lärmschutzsanierung, die er als freiwilliges Angebot bezeichnete. Ziel sei, die Anwohner vor gesundheitsschädlichen Geräuschen zu schützen. Der Bund finanziere die Wände zu hundert Prozent. Baubeginn könnte im Jahr 2026 sein. Bernhard schickte voraus, dass sie nicht dazu dienten, um mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Die Förderrichtlinie des Bundes knüpft zwei zentrale Voraussetzungen an die Lärmschutzsanierung: Grenzwerte müssen überschritten und die Wirtschaftlichkeit gegeben sein. Dort, wo die Wand nicht ausreicht, die Grenzwerte weit genug zu drücken, seien an den Häusern zusätzlich so genannte passive Schallschutzmaßnahmen möglich, zu Beispiel Schallschutzfenster. Allerdings müssten die Hauseigentümer 25 Prozent der Kosten mittragen. Auch dies sei freiwillig, betonte Bernhard. Betroffene würden angeschrieben. In Bernau seien 535 Gebäude untersucht worden, bei 20 seien Grenzwerte am Tag und bei 136 in der Nacht überschritten. Die Bahn schlägt seinen Ausführungen nach drei Lärmschutzwände vor. Sie würden sich auf einer Länge von insgesamt 1645 Meter durch Bernau hindurch erstrecken und rund 4,5 Millionen Euro kosten. Zum Teil seien hoch absorbierende Wände möglich, die den Schall regelrecht „schlucken“. Informationen zum Lärmschutzprogramm der Bahn gibt es im Internet unter www.laermsanierung.deutschebahn.com oder www.bmvi.de.

Gestaltung erst bei der Planung ein Thema:

Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) erklärte in der Gemeinderatssitzung, dass Bernau mit der vorgeschlagenen Lärmschutzwand in einer Sondersituation sei, da die Bahngleise quer durch den ganzen Ort verlaufen. Von daher war es nicht verwunderlich, dass sich einige Fragen der Gemeinderäte um die Gestaltung der Wände drehten, also Höhe und Optik. Hermann Bernhard von der Bahn erklärte allerdings, dass die Gestaltung erst bei der konkreten Planung ein Thema sei. Erst müsse der Gemeinderat seinen Grundsatzbeschluss fassen, ob er Lärmschutzwände befürwortet oder nicht. Bernhard kündigte allerdings bereits an, dass die Gemeinde Wünsche zur Farbe der Wände äußern kann oder sie zum Beispiel von Künstlern gestaltet werden könnten – sofern die Kosten vom Eisenbahnbundesamt genehmigt werden. Gabionen würden gefördert, Alumium- oder Betonfertigteile.

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