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Bürgerwerkstatt zur Planung der Ortsentwicklung

Kurhaus, Kurpark und „Vita Alpina“: Ruhpoldinger Bürger definieren ihre Zukunftsvisionen

Das Wellenbad und das Kurhaus gehören zu den zentralen Themen der Bürgerwerkstatt.
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Das Wellenbad und das Kurhaus gehören zu den zentralen Themen der Bürgerwerkstatt.
  • Werner Bauregger
    VonWerner Bauregger
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Welche Weichen sollen in Ruhpolding gestellt werden? Wie geht es mit dem „Vita Alpina“, dem Kurhaus und dem Kurpark weiter? Wo und in welcher Ausprägung soll der benötigte Veranstaltungssaal entstehen? Entscheidungen zu diesen Problemfällen weiterhin vor sich herzuschieben geht nicht mehr. Die Ruhpoldinger Gemeindeverwaltung und der Gemeinderat möchten den Weg in die Zukunft aber nicht alleine bestimmen, sondern die Bevölkerung bei der Entscheidungsfindung eng einbinden.

Ruhpolding - Dies war der Grund eine sogenannte „Bürgerwerkstatt“ ins Leben zu rufen. Zur Durchführung dieses Bürgerbeteiligungsprozesses hat sich die Gemeinde mit der Agentur Agorakomm professionelle Hilfe geholt. Als erste Aktion wurden 60 Bürger für die Teilnahme an der Auftaktveranstaltung, der „Bürgerwerkstatt“ ausgewählt.

40 davon aus vorher bestimmten Altersgruppen per Zufall und 20 Entsandte der ortsansässigen Vereine, sowie die Senioren-, Jugend-, Behinderten- und Familienbeauftragten. Dies wurden dann an einem Wochenende zuerst mit Daten und Fakten aus der Gemeindeverwaltung, den Ergebnissen eines integrierten Stadtentwicklungskonzeptes aus dem Jahr 2015, aber auch aus Studien oder Fachstellungnahmen versorgt.

Auf Grundlage dieser Informationen erarbeiteten dann vier Gruppen, unabhängig voneinander, einen ganzen Samstag lang ihre Lösungsansätze zu den Brandthemen, aber auch zur künftigen Ortsentwicklung und dokumentierten sie. In einer öffentlichen Informationsveranstaltung am vergangenen Mittwoch, den 16. November, wurden die Ergebnisse nun im katholischen Pfarrsaal der Öffentlichkeit vorgestellt, zu der Bürgermeister Justus Pfeifer eingeladen hatte. Er bedankte sich für die Bereitschaft zur Mitarbeit und leitete zu den Gruppenvorträgen über, die von Solveig Grundler und Gabriele Übler von Agorakomm moderiert wurden.

Gegensätzliche Ansichten

Interessant war es zu erfahren, dass die Lösungsansätze auch innerhalb der einzelnen Gruppen durchaus gegensätzlich gesehen wurden.

Ein Teil der Bürgerwerkstatt-Teilnehmer sprach sich für einen Verkauf des jetzigen Kurhauses, einen Abriss und einen Neubau eines Hotels oder eines in Ruhpolding benötigten Familienhotels aus. Allerdings sollte dieser Neubau architektonisch ins Ortsbild passen. Viele sehen nur so eine Chance, die dringende Sanierung des „Vita Alpina“ und den Neubau eines Veranstaltungssaales an anderer Stelle finanzieren zu können. Ein Abriss wurde auch wegen energetischer Mängel, insbesondere beim großen Saal, unwirtschaftlicher Sanierungsmöglichkeit und der aktuell nicht zukunftssichere Betriebsform befürwortet.

Junge Ruhpoldinger mit vielen Ideen

Insbesondere junge Ruhpoldinger lieferten hingegen viele Anregungen zur Erhaltung und Modifizierung des bestehenden Komplexes. Die Vorschläge: Schaffung von Probenräume etwa für die Trachtenvereine, ein Jugendtreff oder Seminarräume im großen Kellergeschoss. Möglichkeiten schaffen, den Saal unterteilbar zu machen, um auch für kleineren Gruppen interessant zu sein. Bühne technisch aufrüsten. Lagerräume für die Küche und die Bestuhlung schaffen.

Der Wintergarten sollte bleiben. Die große Küche könnte auch, etwa für die Versorgung von Schulen, Kindergärten oder sonstige Einrichtungen genutzt werden. Verlegung des Haupteingangs, um eine Offenheit zum Kurpark hin herzustellen. Modernisierung der Garderobe und der WC`s. Einbau eines Aufzuges für einen barrierefreien Zugang. Ein zusätzlicher Biergarten, um mehr Anziehungskraft zu erzeugen, und eine Art Kiosk zur Versorgung von Gästen im Kurpark anbauen. Kindergartenplätze könnten entweder im etwa 600 qm großen Obergeschoss oder durch einen Anbau, mit Schaffung eines Kinderspielplatzes entstehen.

Kein Verkauf und kein Hotel

In keinem Fall sollte wertvoller Grund im Herzen Ruhpoldings verkauft und kein Hotel dort gebaut werden. Ein Frau aus einer anderen Gruppe warf die Frage auf: Brauchen wir überhaupt noch ein Hotel und gerade an diesem Standort? Da es keine Machbarkeitsstudien für alternative Standorte gibt, befürchtete sie eine einseitige, „kanalisierte Faktenlage.“

Musikpavillon erneuern und Richtung Kurhaus/Biergarten ausrichten. Den verrohrten Bach wieder öffnen und zum Beispiel eine Kneippanlage dort platzieren. Erhalt der Gastronomie, auch wenn dort ein Hotel neu gebaut werden sollte. Veranstaltungsflächen oder -gebäude für Konzerte, Theater, Freiluftkinos oder Märkte schaffen. Kurpark „Perle des Ortes“ als Erlebnisraum für Jung und Alt, Einheimische und Gäste gleichermaßen erhalten.

Anlage von Blumenwiesen, Liegen, Rastplätzen Freibad auflösen, da im Sommer die Seen Richtung Reit im Winkl zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es bereits sanierte Freibäder in Siegsdorf und Inzell und darüber hinaus genügend. Welle aus Hallenbad entfernen und Schaffung eines Mulitifunktionsbeckens, mit Schwimmbahnen oder Strudelbereich. Andere sehen gerade die Welle aber als Alleinstellungsmerkmal und Anziehungspunkt. Erhalt des Außenbeckens mit Rutsche, um Familienfreundlichkeit zu gewährleisten. Erhalt des Lehrbeckens für Schwimmausbildung. Sauna modernisieren, um dadurch attraktiver zu machen. Für einige Teilnehmer fehlt eine genau Bedarfserhebung, eine betriebstechnische wie eine Kostenanalyse.

„Vita Alpina“: Ein großes Thema

Anbau oder Neubau im Bereich des „Vita Alpina“ mit gleichzeitiger Verkleinerung des Schwimmbades. Dort könnten die Parkplätze des Schwimmbades und des Schulparkplatzes mitbenutzt werden. Es gäbe zudem weniger Probleme mit Lärmemissionen als in der Ortsmitte. Bewirtung durch vorhandene Gastronomie im Wellenbad. Räumlichkeiten für Jugend- und Altentreffs, Proben- und Seminarräume sollten in jedem Fall mit eingeplant werden. Attraktiver müsste in jeden Fall der Zuweg aus der Ortsmitte/Kurpark gestaltet werden.

Erwerb angebotener Grundstücke außerhalb durch die Gemeinde und Bereitstellung als bezahlbarer Wohnraum, bzw. Bauland für junge Ruhpoldinger Familien. Sicherung der Kindergartenplätze. Räumlichkeiten schaffen für Jugendtreffs und die Durchführung effektiver Seniorenprogramme. Rettungsorganisationen mit Rettungswachen unbedingt im Ort halten. Verbesserungen für eine nachhaltige Energieversorgung. Leerstehende Geschäfte versuchen, neu zu beleben, eventuell durch neue gastronomische Betriebe, oder eine Umwandlung in Wohnungen, wie am Mühlritterweg. Das alte Schloss könnte für Treffs von Jung und Alt genutzt werden. Die Beschilderung von Geh- und Radwegen sollte unmissverständlicher verbessert werden. Mehr Anreize für Anreisen mit dem Zug durch Erweiterungen der Dorflinie schaffen. App für Suche nach Park- und Wohnmobilstellplätze kreieren.

Nach der Diskussion und Ergänzung der Lösungsvorschläge bei der Veranstaltung am Mittwoch folgt nun eine Online Befragung für alle Ruhpoldinger Bürger. Geplant ist eine Laufzeit von drei Wochen. Der Zeitpunkt wird noch bekannt gegeben. Am Ende des Prozesses sollen die Lösungsansätze dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage dienen.

Werner Bauregger

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