Kunst unter freiem Himmel in Prien: Polarisierend, bewegend, bereichernd

Vor der Skulptur „Der siebte Schöpfungstag“ von Professor Heinrich Kirchner (von links): Zweiter Bürgermeister Michael Anner, Bürgermeister Andreas Friedrich, Seebrucks Rathauschef Martin Bartlweber, Kulturreferentin Karina Dingler und PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner. Die Skulptur ist eine Leihgabe aus Seebruck.Berger
+
Vor der Skulptur „Der siebte Schöpfungstag“ von Professor Heinrich Kirchner (von links): Zweiter Bürgermeister Michael Anner, Bürgermeister Andreas Friedrich, Seebrucks Rathauschef Martin Bartlweber, Kulturreferentin Karina Dingler und PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner. Die Skulptur ist eine Leihgabe aus Seebruck.Berger

Mit der KunstZeit im Priener Ortszentrum wird die Marktgemeinde zur Freiluft-Ausstellung. Gezeigt werden 66 Werke verschiedenster Künstler von vier bis 94 Jahren.

Prien– Mit den Worten „Kunst bewegt!“ eröffnete Kuratorin Inge Fricke die sich quer durch Prien erstreckende Ausstellung KunstZeit. Der Auftakt am Samstag bei sommerlichen Temperaturen fand regen Anklang. Und die mehr als 100 geladenen Gäste, darunter Künstler, Politiker und kunstinteressiertes Publikum, folgten der Einladung der Priener Marketing GmbH, Kunst auf Schritt und Tritt zu begegnen und zu erleben.

Bürgermeister Andreas Friedrich zog Parallelen zu 1945, als die Marktgemeinde schon kurz nach Kriegsende mit einer ersten Kunstausstellung begeisterte und jetzt mit der KunstZeit ein Zeichen auch während der Corona-Pandemie setzt: „Es geht weiter!“

Ein großer Papst und ein Fuß aus Marmor

Dr. Friedrich Daumiller, Erster Vorsitzender des Kulturfördervereins, verwies auf die Chiemseemaler des 19. Jahrhunderts. Bis heute sei Kunst in Prien „ein Alleinstellungsmerkmal und dazu auch noch gut fürs Gewerbe“, ein Anspruch, den schon Alt-Bürgermeister Kollmannsberger formuliert habe: „Prien ist eine lebendige Künstlerlandschaft.“ Kuratorin und Kunsthistorikerin Inge Fricke schloss sich dem an. Dieses Jahr habe man situationsbedingt neue Wege gehen müssen, statt einer KunstNacht ist es nun also eine KunstZeit geworden.

Lesen Sie auch: In Prien gibt es diesen Sommer „Kunst to Go“

Ein paar Beispiele: Auf dem Wendelsteinplatz ziehen drei aus Holz geschnitzten, übermannsgroßen Statuen von Papst, Bischof und Kaiser von Andreas Kuhnlein in den Bann. Die Figuren waren Teil der Ausstellung in Mannheim, „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ vor drei Jahren. Im Garten des Medical Park eine weitere Auseinandersetzung mit Weltlichem und Geistlichem: Rosaroten Beton-Herzen von Christian Heß stehen hölzernen Skulpturen dem „Luther-Projekt“ von Marco Bruckner gegenüber. Nach Süden hin wird der Blick in die Berge betont mit der Skulptur „der siebte Schöpfungstag“ von Professor Heinrich Kirchner. Eine Leihgabe der Gemeinde Seeon-Seebruck, die auch „den nackten Adam“ stellt, der an der Ecke Rathaus-/Beilhackstrasse Vorbeikommende grüßt.

Zeichnungen und Texte

Ein Blick in einen Schuhladen an der Bernauer Strasse zeigt, dass sich Kunst und Gewerbe gefunden haben: Ein überdimensionaler Fuß aus Carrara-Marmor ruht auf einem hölzernen Birkenkissen, in der Auslage eines Reisebüros laden großflächige, farbenreiche Gemälde von Brigitte Bosshammer zum Träumen in ferne Länder und Weiten ein, in einer Modeboutique zieht ein überdimensionaler Kussmund, nachts sogar illuminiert, alle Blicke auf sich. Auch ein Mutter-Tochter-Gespann“ ist mit von der Partie bei KunstZeit. Johanna Maria Ladwig präsentiert Auszüge aus dem von ihr illustrierten Kinderbuch in der Buchhandlung an der Kirche, ihre Mutter Eva Maria Ladwig zeigt Zeichnungen und Texte bei einem Juwelier in der Bernauer Strasse.

In der ehemaligen Futterkiste hat sich für die KunstZeit der Künstlerhof Zahn am Bach angesiedelt. Die monochrom hellblau angemalten Wände der Zimmerfluchten fokussieren den Blick des Betrachters auf die Gemälde und Skulpturen von Heidi Frank, Anita Koffer, Larissa Mazbouh und Peter Rappl. Im letzten Raum hängt „Movement“: Aus Holzspänen hat Peter Rappl mit der Kettensäge eine in sich gedrehte, über einen Meter große Skulptur geschaffen.

Lesen Sie auch: Anja Zeilinger aus Stephanskirchen schafft Kunstwerke, die auch die Promis begeistern

Den Fokus auf Gegensätze gelegt

Vor dem alten Rathaus sind zwei bronzene Statuten von Greta Fischer im Dialog versunken, in einem derzeit leer stehenden Laden gegenüber bilden gruselig-schöne Insekten aus Nylon, Tüllstoffen und PU-Schaum von Künstler Peter Pohl einen harmonischen Kontrast zu den kontemplativen Bildern des 92-jährigen Hermann Wagner. Im Kronast-Haus setzen die Ausstellungsmacher ebenfalls auf Gegensätze. Auf dem Bild der jungen Künstlerin Ekaterina Zacharova beispielsweise plaudert eine junge Dame zigarettenrauchend mit zwei jungen Männern in einem Bistro, darüber hängt ein Bild des Chiemseemalers Hugo Kaufmann, der eine typisch-bayrische Wirtshauszene mit zwei biertrinkenden Männern und einer jungen Frau in Tracht. Bis September sind die Oeuvres von 66 Künstlern zwischen vier und 94 Jahren zu bewundern. „Kunst soll anregen, bereichern und polarisieren“, sind die Macher überzeugt.

Kommentare