Wie es die Künstlerin Eve Nohl über New York und Berlin nach Schleching verschlug

Die Ideen gehen Eve Nohl nie aus. In ihrem Kopf steht schon die Handlung eines Buches. Wie die Protagonistin aussehen soll, die sie auf eine fantasievolle Reise in ferne Welten schicken will, hat sie in derSkulptur festgehalten, die neben ihrem Arbeitsplatz steht. Und vielleicht werden darin auch die beiden Bronzeskulpturen der Ziegen( in der Wandnischge) und der Pegasus, den sie in Händen hält, zum Leben erweckt. wunderlich

Dass das hier ein Künstlerhaushalt ist, sieht man zuhause bei Eve Nohl sofort. Das Auge kann die vielen kreativen Bilder und Gegenstände gar nicht so schnell erfassen und verarbeiten. Mit der Malerei fing alles an, ging weiter zum bildnerischen Gestalten und der Entwicklung von Computerspielen. Ihre Inspiration? Die Schlechinger Berge.

Schleching– Geboren und aufgewachsen in München, zog es sie nach dem Schulabschluss nach New York. Ein arger Kontrast zum bisherigen Leben im Internat auf der Fraueninsel war das Studium an der berühmten Parsons School of Design in Greenwich Village. Zuerst fehlten ihr die Freunde aus der Heimat. „Aber mit der Zeit taucht man ein in die Stadt und wird ein Teil davon“, erinnert sie sich.

Heute sagt sie, diese Zeit habe ihr Leben am meisten beeinflusst. Geprägt hätten sie „das freie Denken, das Interesse und die Aufgeschlossenheit, Dinge neu zu probieren“.

Plötzlich war München zu klein geworden

Gerne denkt Eve Nohl an diese spannende Zeit, in der sie oft umzog, viel jobbte, in WGs in alten Fabrikgebäuden wohnte – „noch mit den Außenaufzügen an den Backsteinwänden, wie man es aus alten Filmen kennt“. Sie schwärmt von der Wohnung in Jersey, die sie später mit einer Freundin bezog; mit Blick auf die Skyline von Manhattan. München, so stellte sie nach ihrer Rückkehr vom Studium fest, war ihr zu klein geworden.

Auf einer Reise nach Asien wollte sie sich über ihren weiteren Berufsweg klar werden. „Ich will jetzt einen einträglichen Beruf“ – der Entschluss fiel in einer Hängematte in Thailand. Als junge Designerin in der Modebranche, so wusste sie, hätte sie sich in der Anfangszeit schwer getan.

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Und so machte sie etwas ganz anderes und zog 1988, ein Jahr vor der Maueröffnung, nach Berlin, um den Beruf der Cutterin zu lernen, also beim Film im Studio das Material zusammenzuschneiden. Sehr erfolgreich arbeitete sie als Freiberuflerin in der Filmproduktion und zugleich als Grafik-Designerin. Dass beide Ausbildungen ihr für spätere Projekte hilfreich sein würden, ahnte sie noch nicht.

Zwischen Berlin und München pendelte sie damals. Und wie es das Schicksal so wollte, lernte sie bei einem Besuch bei einer Freundin in Gstadt am Chiemsee ihren späteren Mann Andreas kennen – der Freund des Freundes der Freundin. 1996 wurde geheiratet. Inzwischen ist die Tochter 22 Jahre alt, der Sohn 15. Schleching wurde der Lebensmittelpunkt der Familie. Sie liebt die Ruhe und schätzt die Inspiration durch die Berge.

Beim Töpferkurs nicht auf den Lehrer gehört

Ihre Liebe zur Malerei hatte Nohl schon als Kind entdeckt. Dass ihr auch das Gestalterische liegt, zeigte sich, als sie sich in einem Töpferkurs nicht an die Vorgaben der Kursleiterin hielt und lieber mit einem Klumpen Ton selbst experimentierte.

Daraus ist eine Leidenschaft geworden. Heute arbeitet Eve Nohl überwiegend mit Ton und Gips, bedient sich aber auch anderer Materialien wie Holz, Eisen, Pappe und Wachs, um Grundmodelle für ihre Bronze- Skulpturen zu erschaffen. „Alle Skulpturen bekommen eine Seele einhaucht“, erklärt die Künstlerin. Und das kann der Betrachter der Kunstwerke – allesamt Figuren, die nicht von dieser Welt stammen – tatsächlich spüren.

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Einen guten Ausgleich zum Wirken und Arbeiten mit den Händen sah sie schon früh in der Arbeit mit dem Computer. Autodidaktisch brachte sie sich durch Online-Lehrgänge das nötige Wissen bei. Es mache ihr Freude, so sagt sie, ihre Ideen mithilfe einer Software digital umzusetzen. Die beim Studium in New York erworbenen Kenntnisse kommen ihr bei der Wahl der richtigen Proportionen und Farben für ihre fantasievollen Figuren zu Gute.

An einem grauen Tag im Februar 2014 war es, als Nohl auf der Suche nach einem kniffligen und anspruchsvollen Computerspiel nichts fand und kurzerhand beschloss, selbst ein Computerspiel zu entwickeln. Es entstanden „Leaves 1 und 2“ und „Solar Garden“, sogenannter Puzzle Adventure Spiele.

Computerspiele selbst entwickelt

Der Spieler wird darin in eine geheimnisvolle Traumwelt entführt und kann auf einer Abenteuerreise durch einen kunstvollen und bizarren Kosmos herausfordernde Aufgaben lösen.

Auch eine Reihe ihrer Skulpturen arbeitete sie ein. Inzwischen sind ihre Spiele in zwölf Sprachen übersetzt auf dem Markt. Sogar die Titelmelodie der Spiele ist made in Schleching. Sie komponierte nämlich der ortsansässige Musiker, Komponist und ProduzentGary Marlowe.

Auch schriftellerische Ader

Und dann wäre da noch die schriftstellerische Ader der Künstlerin. Auf ihrer Homepage gibt es drei Geschichten zu lesen: eine Biografie über „Das Komma“, eine kleine Geschichte über „Wünsche und das Wünschen“ und ein fantasievolles Bilderbuch für Kinder. Und im Kopf, da steht schon die Handlung für ein Buch. Auch eine Skulptur der Protagonistin gibt es schon.

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