Kritik an Kombi-Klassen: Eltern aus Bergen protestieren gegen Schulamts-Plan

Die Grundschule in Bergen: Hier sollen im neuen Schuljahr Dritt- und Viertklässler in Kombiklassen unterrichtet werden, denn es fehlen Lehrer. Große Teile der Elternschaft ärgert der Plan des Schulamts.
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Die Grundschule in Bergen: Hier sollen im neuen Schuljahr Dritt- und Viertklässler in Kombiklassen unterrichtet werden, denn es fehlen Lehrer. Große Teile der Elternschaft ärgert der Plan des Schulamts.

Dritt- und Viertklässler sollen in der Grunschule Bergen auch im kommenden Schuljahr zusammen unterrichtet werden – wegen akutem Lehrermangel. Was rund 160 Eltern auf die Palme bringt: Zeitgleich wird eine Lehrkraft aus dem Ort abgezogen.

Von Gernot Pültz

Bergen – Gegen die im nächsten Schuljahr geplante Klasseneinteilung in der Grundschule Bergen laufen große Teile der Elternschaft Sturm: Rund 160 Mütter und Väter von Schülern sind nicht einverstanden mit der Bildung von zwei, wie sie meinen, übergroßen Kombiklassen in der dritten und vierten Jahrgangsstufe. Der angebliche Grund, der ihnen seitens der Schule genannt wurde: „Allgemeiner Lehrermangel“. Gleichzeitig soll jedoch eine im Dorf ansässige Lehrkraft, die in die Schulgemeinschaft „bestens integriert“ sei und von Schülern und Lehrern geschätzt werde, aus Bergen abgezogen werden.

Behörde verteilt die Lehrerstunden

Die Eltern haben Briefe ans Traunsteiner Schulamt das Kultusministerium in München geschrieben. „Wir halten diese Planungen in der vorliegenden Form und in der aktuellen Situation für absolut nicht akzeptabel“, sagt Stefanie Stohwasser stellvertretend für die Unterzeichner der beiden Briefe.

Zuständig für die Klassenbildungen – auch in der Grundschule Bergen – ist das staatliche Schulamt in Traunstein. Im Auftrag des Kultusministeriums verteilt die Behörde Lehrerstunden und Personal. Diese Zuweisungen geben der Schulleitung in Bergen die Rahmenbedingungen für die Organisation des Unterrichts vor.

Jeweils 16 Schüler in einer Klasse

Im vergangenen Schuljahr 2019/20 drückten in Bergen 102 Mädchen und Buben die Schulbank. Aufgeteilt waren sie in eine erste und eine zweite Klasse, in eine Kombiklasse für die erste und zweite Jahrgangsstufe, sowie in eine dritte und eine vierte Klasse. Im neuen Jahr 2020/21 besuchen wieder 102 Kinder die Grundschule. Statt bislang fünf werden, so der Plan, nur noch vier Klassen gebildet: Diesmal soll es zwei Kombiklassen für die 30 Dritt- und 22 Viertklässler geben mit jeweils 26 Schülern.

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Diese Kombiklassen stehen im Zentrum der Kritik der Eltern, wie Stohwasser ausführt. Die „sehr erfolgreiche“ Kombiklasse 1/2 werde zerschlagen, gleichzeitig zwei „übergroße“ Kombiklassen 3/4 eingerichtet und alle weiteren Kinder in zwei jahrgangsreinen Klassen untergebracht.

„Pädagogische Nachteile„

„Ziel des Ganzen ist es also, möglichst viele Kinder von möglichst wenig Lehrkräften unterrichten zu lassen“, ärgert sich Stohwasser angesichts der Antwort der Schule, es gebe zu wenig Lehrer. Dass künftig auch noch eine ortsansässige Lehrkraft an einer anderen Schule unterrichten soll, sei für die Eltern nicht nachvollziehbar.

Ein solches Vorgehen bringe „ausschließlich pädagogische Nachteile“ für die Schüler und sei auch den Lehrkräften nicht zuzumuten, so die Sprecherin der Elterninitiative weiter. Die Eltern vermuten, dass im Grunde nur Lehrkräfte eingespart werden sollen. „Die Interessen und Bedürfnisse der Kinder werden völlig außer Acht gelassen.“

Angst vor Unterrichtsausfall

Für das Schuljahr 2020/21 fordern die Eltern, die dritte Jahrgangsstufe in zwei jahrgangsreine Klassen aufzuteilen. Außerdem sei eine jahrgangsreine vierte Klasse zu bilden, ferner die Kombiklasse 1/2 mit maximal 20 Schülern beizubehalten.

Die Eltern seien, wie Stohwasser betont, keineswegs grundsätzlich gegen Kombiklassen. Sie dürften aber nicht zu groß ausfallen. Denn immer noch geht auch die Angst um, dass wegen der Corona-Pandemie erneut Unterricht eingeschränkt und nur in Kleingruppen stattfinden wird – und letztlich wieder Unterricht entfallen könnte.

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Schulamtsdirektor Otto Mayer bestätigt den von der Schule geäußerten Lehrermangel und dass eine Lehrkraft, die zuvor acht Stunden pro Woche in Bergen unterrichtet hat, abgezogen wird. Er räumt ein, dass die künftige Klassenbildung in Bergen dem Zwang geschuldet sei, Stunden zu sparen.

„Kombiklassen sind unumgänglich“

„Ich habe das Personal nicht“, sagt Mayer. Das Amt sei bestrebt, Schulen in den kleineren Gemeinden zu erhalten. Zu diesem Zweck müssten aber oft Kompromisse geschlossen werden – „was bedeutet, dass Kombiklassen unumgänglich sind.“ An insgesamt 16 Standorten im Zuständigkeitsbereich des Traunsteiner Schulamts würden Kombiklassen entstehen. Sie erhielten „durchaus viel Zuspruch“. Er findet nicht, dass die in Bergen zu bildenden Kombiklassen zu groß werden – geteilt werde erst ab 27 Schülern.

Mayer hält an der Planung für das neue Schuljahr fest. Denn würde er Veränderungen in Bergen vornehmen, müsste er das gesamte Konzept „umschmeißen“ und mit den Planungen in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich von vorne beginnen.

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