So erlebte unsere Leserin den Covid19-Tod ihres Opas in einem Bernauer Seniorenheim

Im Seniorenheim Laurentiushof in Bernau verstarb am 1. April erstmals ein Bewohner an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung.
+
Im Seniorenheim Laurentiushof in Bernau ist am 1. April erstmals ein Bewohner an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung gestorben. 
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

Viele Menschen bangen zurzeit um Angehörige, die in Seniorenheimen leben. Wenn Fälle bekannt werden, belastet die Situation noch mehr. Wie sehr, das schildert die Angehörige eines Rentners, der im Laurentiushof in Bernau an Covid-19 verstorben ist, in einem Brief an unsere Zeitung.

Bernau„Fast 40 positive Corona-Tests in Seniorenheim in Bernau“ titelte die Chiemgau-Zeitung am 12. Mai. Die Botschaft von Geschäftsführung und Heimleitung nach einer Reihentestung: Die Lage ist schwierig, aber unter Kontrolle.

Erster Corona-Fall im Laurentiushof schon am 1. April

Zu diesem Zeitpunkt hatte es aber auch schon Todesfälle gegeben, wie die Verantwortlichen auf Nachfrage bestätigen mussten. Der erste bestätigte Covid-19-Fall im Laurentiushof datiert laut Heimleiter Robert Beck schon auf den 1. April.

Natürlich gehen Heimleitung und Geschäftsführung mit solchen Nachrichten zurückhaltend um, um nicht noch zusätzliche Angst unter Bewohnern und Angehörigen zu verbreiten. Für die Nerven der Angehörigen kann diese Informationspolitik zur Zerreißprobe werden.

Tage des Bangens und der Ungewissheit durchlebt

Die Verfasserin eines Briefs an unsere Redaktion schildert die Zeit vor dem Tod ihres Opas so: „Was der Todesnachricht voranging, waren Tage des Bangens und der Ungewissheit. Es war die Zeit, in der nur mein Papa nochmal zu ihm gehen konnte und sich sonst niemand aus der Familie verabschieden durfte.

Es folgte die Beerdigung, bei der 15 Trauernde verteilt auf dem Friedhof standen und sich nicht mal gegenseitig Trost spenden durften. Das ist das hässlichste Gesicht der Corona-Krise.

Die Trauerbewältigung an sich ist das eine, jedoch ist sie in solchen Zeiten voller Instabilität und Unsicherheit eine noch größere Aufgabe für die Seele.“

Die Menschen in ihrem Umfeld hätten überrascht auf die Todesnachricht reagiert, habe man doch zuvor in der Öffentlichkeit nichts von Corona-Fällen im Laurentiushof gehört. „Einige Tage vor meinem Opa starb sein Zimmernachbar im Heim an Corona. Natürlich wissen wir auch von weiteren Bekannten und sogar von Pflegern sowie von Nachbarn des Laurentiushofes, dass weit mehr Bewohner daran verstarben.“

Lesen Sie auch Corona jetzt auch im Caritas-Altenheim in Prien nachgewiesen

Zu spät getestet? 

Der Heimleiter hat in einer schriftlichen Stellungnahme nochmals betont, dass die Verantwortlichen sofort gehandelt hätten, als der erste Fall bekannt wurde. Der betroffene Kranke sei isoliert worden, die Mitarbeiter nur noch in voller Schutzausrüstung (Maske, Kittel, Handschuhe) in das Zimmer gegangen. „Sobald ein positiver Covid-Befund eines Bewohners vorlag, wurde dieser unverzüglich isoliert oder in einen extra dafür geschaffenen Covid-Bereich verlegt. Der ,negative‘ Bewohner (Zimmernachbar) wurde ebenfalls isoliert, da er natürlich als Kontaktperson 1 als verdächtig gilt“, versichert Beck.

Die Hinterbliebene stellt in ihrem Brief weiter den späten Zeitpunkt der Reihentestung angesichts der ersten, wesentlich früheren Fälle infrage.

„Tiefer Respekt vor der Arbeit der Pflegekräfte“

„Wir hätten über all das hinwegsehen können, da wir einen tiefen Respekt vor der Arbeit der Pflegekräfte in diesen Zeiten verspüren. Es ist erfreulich, dass sich die Lage dort scheinbar verbessert hat. Das Fehlen relevanter Informationen in diesem Zusammenhang und dass in keinem einzigen Wort die Todesfälle und das damit einhergegangene Leid erwähnt wurden, ist jedoch ein Schlag ins Gesicht für uns Angehörige.“

Wie schwer diese Ausnahmesituation für alle Beteiligten war und ist, klingt auch in der abschließenden Feststellung des Heimleiters durch: „Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laurentiushof haben in dieser nach wie vor sehr schwierigen Zeit ihr Bestes gegeben, das kann ich Ihnen versichern.“

Kommentare