Nicht nach EU-Standard?

Kritik in Prien und Bernau an chinesischen FFP2-Masken

Diese Maskenbox trägt die CE-Kennzeichung und die vierstellige Nummer. Damit bestätigt ein akkreditiertes Prüfinstitut, dass diese FFP2-Masken den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
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Diese Maskenbox trägt die CE-Kennzeichung und die vierstellige Nummer. Damit bestätigt ein akkreditiertes Prüfinstitut, dass diese FFP2-Masken den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.
  • Tanja Weichold
    vonTanja Weichold
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Masken sind vor aller Munde. Immer wieder ins Gerede kommen die FFP2-Masken, die die Apotheken seit Mitte Dezember im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums kostenlos an über 60-Jährige und an vorerkrankte Personen ausgeben.

Bernau/Prien – Kritik regt sich auch vor Ort, weil es sich dabei zum Teil um chinesische Produkte handelt. Auf was ist zu achten? Der Mann von Monika Reiter, Obermeisterin der Maßschneider-Innung Rosenheim, ist Risikopatient, wie sie der Chiemgau-Zeitung erklärt. Ihrem geschulten Auge fiel auf der Verpackung seiner FFP2-Masken sofort der Aufdruck auf: Made in China. Das ärgert die Bernauerin, die es lieber sähe, wenn diese in Deutschland produziert würden – aus Gründen der Nachhaltigkeit und weil sie der Qualität auf dem deutschen Markt mehr vertraut.

Innungs-Chefin für deutsche Produkte

„Warum wird die deutsche Wirtschaft nicht gestärkt?“, fragt die Innungsobermeisterin. Und fügt an: „Warum werden Arbeitsplätze in Deutschland mit der besseren Maskenproduktion nicht gefördert?“ Ein Leser aus Prien, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht bei seinen Masken gar von einem „billigen China-Import“ mit der Prüfnummer KN95. Dies sei keine Maske nach europäischem Standard, argumentiert er und befürchtet, dass sie nicht vor dem Corona-Virus schützt.

Aktuell gibt es 30 deutsche Hersteller von zertifizierten FFP2-Masken

Geschäftsführer Jörg-Timm Kilisch von der Dekra Testing and Certification GmbH in Stuttgart spricht gegenüber unserer Zeitung von einem „hochsensiblen Thema“. In Deutschland gebe es momentan etwa 30 Hersteller von freigegebenen FFP2-Masken. Geprüfte Masken für den deutschen Markt tragen die Bezeichnung CE plus einer vierstelligen Nummer. „Da gibt‘s keine Fälschung“, sagt er. Bei diesen Masken sei „formal alles richtig“, auch wenn der Hersteller aus China stammt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (www.bfarm.de) erklärt auf seiner Homepage, dass FFP-Masken klaren gesetzlichen Anforderungen und technischen Normen entsprechen müssen. Die Filterleistung des Maskenmaterials werde anhand der europäischen Norm mit Aerosolen getestet. FFP2-Masken müssen 94 Prozent und FFP3-Masken sogar 99 Prozent der Testaerosole filtern. Hersteller müssen ein Nachweisverfahren durchführen und belegen, dass ihre Produkte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

Kapazitäten in deutscher Produktion fördern

Kilisch weiß von Versorgungsengpässen in Deutschland. „Wir haben 27 Millionen vulnerable Personen.“ Denen standen im Dezember drei und jetzt sogar jeweils sechs kostenlose FFP2-Masken zu. Diese Menge könne von deutschen Herstellern nicht abgedeckt werden. „Wenn wir das wollen, müssten wir die Kapazitäten fördern.“ Gleiches gelte für das Material, das verwendet wird.

Anwalt Martin Bolm von der Wettbewerbszentrale in Frankfurt antwortet auf eine Anfrage unserer Zeitung: „Bei einer KN95 gekennzeichneten Maske handelt es sich aller Voraussicht nach nicht um eine FFP2-Maske ... es kann sich bei solchen KN95-Masken um solche chinesische Masken handeln, die einem CPA-Schnelltest unterzogen wurden. Hatten sie den Schnelltest bestanden ... können solche Masken als CPA (Corona Pandemie Atemschutzmasken) erlaubterweise verkauft werden.“ Laut Dekra sollten die CPA während des Versorgungsengpasses in der ersten Phase der Corona-Pandemie ermöglichen, Schutzmasken mit einem Mindestmaß an Sicherheit zur Verfügung zu stellen. Da die Schnelltests nur zwischen Frühjahr und Ende September möglich gewesen seien, müsse es sich laut Bolm von der Wettbewerbszentrale um Altbestände handeln.

Altbestände können aufgebraucht werden

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) bestätigt in einem Merkblatt: „Bereits gekaufte Bestände dieser Masken können verwendet und aufgebraucht werden.“ Die bestandene vereinfachte Prüfung bei einem zugelassenen Labor muss durch eine Bescheinigung nachgewiesen werden. Ein Händler müsse dazu beitragen, dass nur sichere Produkte auf dem Markt bereitgestellt werden.

Priener Apotheker versucht adäquate Lösung zu finden

Dr. Clemens Reuther, Inhaber der Marien-Apotheke in Prien weiß aus Erfahrung, dass die FFP2-Masken ein emotionales Thema seien. Die Nachfrage sei groß, es habe Versorgungsengpässe gegeben. Wer keine Ware aus China wolle, s Dr. Reuther, für den versuche man eine „adäquate Lösung“ zu finden.

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