Kriegergedächtniskapelle am Waldrand bei Pinswang erstrahlt in neuem Glanz

Die Ruhebänke rund um die Kapelle laden zur Besinnung ein und ermögliche schöne Ausblicke. Thümmler
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Die Ruhebänke rund um die Kapelle laden zur Besinnung ein und ermögliche schöne Ausblicke. Thümmler

Es regnete in Strömen bei der Wiederweihe der Kriegergedächtniskapelle in Pinswang. Seit Kurzem erstrahlt sie in neuem Glanz. Das kleine sakrale Bauwerk hat seinen Ursprung durch ein Gelübde.

Von Hans Thümmler

Rimsting – Sie ist ein wahres Schmuckstück geworden – mit der kupfernen Dacheindeckung samt Spitztürmchen und der weißen Fassade erstrahlt die Kriegergedächtniskapelle am westlichen Waldrand des Höhenbergs, östlich von Pinswang in der Gemeinde Rimsting seit kurzem im neuen Glanz. Mit erheblichem Aufwand war das knapp 100 Jahre alte sakrale Bauwerk grundlegend saniert worden.

Während des Gottesdienstes regnete es in Strömen

Es regnete in Strömen bei der Wiederweihe: Die Priener Goaßlschnalzer kamen nicht mehr dazu, ihre Peitschen knallen zu lassen. Priens Pfarrer Klaus Hofstetter und der aus den nahen St. Salvator gebürtige Josef Steindlmüller zelebrierten den Gottesdienst. Hildegard Fischer aus Pinswang, die schon als Schulmädchen die Kapelle ins Herz geschlossen hatte und sich seit 55 Jahren um ihren Erhalt kümmerte, freute sich, „dass die aufwendige Sanierung so gut gelungen und von vielen Wanderern auf den Höhenberg so gelobt wird“.

Auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung verwies Hildegard Fischer auf geschätzte Kosten von rund 25 000 Euro, die von den Pinswangern, teilweise auch durch Spenden und Rücklagen aufgebracht würden.

Die Kapelle ist ein Zeugnis gelebter Gemeinschaft

Die Kapelle ist ein Zeugnis von lebendiger Pinswanger Nachbarschaft – mit tragischem Hintergrund. Am 11. Dezember 1925 starb den Eheleuten Hans und Agathe Furtner vom Dopf-Anwesen ein Kind direkt nach der Geburt, und auch die Mutter war in Lebensgefahr. Aus Verzweiflung legte Hans Furtner ein Gelöbnis ab: Wenn seine Frau wieder gesund würde, wollte er einen Bildstock für die Mutter aufrichten. Die Bitte des Maurerpoliers erfüllte sich tatsächlich, seine Frau wurde gesund und die Nachbarn ermunterten ihn, aus Dankbarkeit eine kleine Kapelle zu bauen. Alle wollten dabei mithelfen, versprachen sie.

Im Jahr 1928 war die Kapelle fertiggestellt

So geschah es auch: Der Schneiderbauer, Andreas Fischer, gab den Grund. Furtners Arbeitgeber, der Architekt und Bauunternehmer Karl Stein aus Prien (1896-1966), fertigte den Plan. Die Maurerarbeit führte Furtner selbst aus. Alle Pinswanger Bauern leisteten Hand- und Spanndienste, heißt es in der Rimstinger Chronik, und bei der Beschaffung des Altars half der Priener Zimmerermeister Stocker. Im Jahr 1928 war die Kapelle am Waldrand des Höhenberges fertiggestellt und wurde feierlich geweiht.

Gewidmet wurde sie dem Andenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. Der in Pinswang ansässige General Max Scheler stiftete die Ehrentafel mit den Namen der Soldaten aus dem kleinen Dorf.

Von der Kapelle aus hat man einen weiten und schönen Blick nach Westen. Die Rimstinger Ortschaften wie St. Salvator, Zacking und Greimharting, aber auch die Kampenwand, Hochries und der Wendelstein sind sichtbar. Unter den hohen Laub- und Nadelbäumen, welche die Kapelle umschließen, fällt eine mächtige Linde auf. Sie wurde im Jahr der Einweihung gesetzt.

Der Innenraum der Kapelle ist jederzeit zugänglich

Der Innenraum der etwa fünf mal drei Meter großen Kapelle ist jederzeit zugänglich. Das einfache Gestühl bietet zwei Sitzplätze oder vier Kniebänkchen. Die gleiche Möglichkeit hat der geschlossene nördliche Raum, der durch eine Holztür abgetrennt ist.

An der Ostwand des Altarraumes ist eine Tafel angebracht. Sie enthält die Namen und Daten der 15 im Zweiten Weltkrieg Gefallenen, dazu die Widmung: „Die Nachbarn von Pinswang ihren gefallenen Helden.“

Die Kapelle erhielt auch eine neue Bedachung: Andreas Müller richtet den Turmaufsatz aus.

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