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GEBOREN IM JAHR 1921

Krieg, Krankheit und Krisen getrotzt: Heinz Richter aus Bernau feiert 100. Geburtstag

Heinz Richter aus Bernau mit seinen Fotoalben und Ordnern voller Erinnerungen.
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Heinz Richter aus Bernau mit seinen Fotoalben und Ordnern voller Erinnerungen.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Ein ganzes Jahrhundert – so lange lebt Heinz Richter, der am 10. März seinen runden Geburtstag feiert. Das Thema Corona sieht er inzwischen gelassen. Zum einen, weil er bereits zwei Mal geimpft ist. Zum anderen, weil er in seinem Leben gelernt hat, mit Krisen umzugene. Im Zweiten Weltkrieg war Richter viereinhalb Jahre an der Front.

Bernau – Im Jahr 1921 in Berlin-Kreuzberg geboren, erlebte Gerhard Richter eine einfache, aber glückliche Kindheit. 1941 wurde der Abiturient zur Wehrmacht eingezogen und und war als Funker und Bordschütze eingesetzt, wie er erzählt.

Werbefotograf für eine ägyptische Fluglinie

Nach seiner Befreiung aus englischer Gefangenschaft im Herbst 1945 arbeitete er als Volksschullehrer und absolvierte als begeisterter Fotograf eine Ausbildung zum Bildjournalisten und zum Fotografenmeister. In den folgenden Jahren eröffnete er mehrere Fotogeschäfte und arbeitete unter anderem für eine ägyptische Fluglinie als Werbefotograf. Ab 1961 führten ihn die Aufträge rund um den Erdball, vorwiegend nach Asien, zum Beispiel Indien, Thailand und Japan.

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Viele bekannte Persönlichkeiten vor der Linse

Zu den Olympischen Spielen 1972 hin eröffnete Richter zwei Geschäfte in den Hotels Hilton und Bayerischer Hof in München. Bekannte Persönlichkeiten wie die Schauspieler Grace Kelly und Curd Jürgens, den Boxer Muhammad Ali oder den damaligen bayerische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß lichtete er ab. „Für mich und unser Team war das ganz normal, da wächst man rein“, kommentiert Richter diese Zeit inmitten der Prominenz.

Wohnsitz 1977 nach Bernau verlegt

1977 heiratete er seine Frau Gudrun aus Osnabrück und zwar in Bernau, wo er eine Ferienwohnung besaß. Er hatte sie 1971 kennen- und liebengelernt, als sie sich bei ihm als Fotografin bewarb. Das Paar verlegte seinen Wohnsitz komplett an den Chiemsee und kaufte ein Haus.

Schauspieler Joachim Fuchsberger (l.) und Fotograf Heinz Richter 1982 in München.

Noch mit 98 Jahren eine Hochzeit fotografiert

Die Richters eröffneten Fotoläden in Bernau, Chieming und Rosenheim, die sie Mitte der 1990er Jahre schlossen, um es beruflich ein wenig ruhiger anzugehen. Richter war zu dieser Zeit bereits 74 Jahre alt. Zuletzt wurde er vor zwei Jahren beauftragt, eine Hochzeit zu fotografieren.

Heinz Richter wünscht sich Frieden und „keine Probleme“

Zu seinen Geburtstagswünschen befragt antwortet Richter: „Frieden und keine Probleme. Ich hoffe, dass ich noch eine gewisse Zeit gesund und fit bleibe.“ Die beiden Kinder und die vier Enkelkinder wohnen in der unmittelbaren Umgebung. Täglich geht er eine Stunde lang am Chiemsee spazieren und studiert jeden Morgen die Chiemgau-Zeitung. Sobald es Corona zulasse, freuten er und seine Frau sich darauf, wieder in ihre kleinen Wohnung nach Tirol fahren zu können.

„Langweilig ist mir in meinem Leben nie geworden, mein Beruf hat mich immer wieder angeregt“, so der Hundertjährige.

Kein elektrisches Licht und Fernseher

Rückblickend meint er: „In den vergangenen 100 Jahre hat sich mehr bewegt, als die 1000 Jahre zuvor.“ In seiner Kindheit habe er auf der Straße mit Murmeln gespielt, Autos seien damals noch wenige unterwegs gewesen und auch elektrisches Licht habe es daheim noch nicht gegeben. „Ich erinnere mich noch gut an den Laternenanzünder, der jeden Abend in der Straße seine Runde machte.“

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Seinen ersten Fernseher habe er 1960 gekauft und 1971 sei er erstmals mit einer Düsenmaschine mit 100 Personen an Bord geflogen. „Heute habe ich gelesen, dass der Airbus A380 mit 500 Leuten tausende von Kilometern nach Hongkong fliegt, das konnte man sich damals noch nicht vorstellen.“ Dicke Fotoalben und Ordner dokumentieren Richters Leben. Ob er über den Tod nachdenke? „Nein, gar nicht“, antwortet er. Viel lieber plant er seine Geburtstagsfeier, die er mit seiner Familie in einem Lokal nachholen, möchte, sobald die Corona zulässt.

Zweiten Weltkrieg ohne große Verletzungen überstanden

Der 100-jährige Bernauer Heinz Richter war am Afrikafeldzug beteiligt, erlebte eine Bruchlandung in der Wüste, sah Kameraden leiden und sterben. „Wenn 25 Maschinen im Pulk losflogen, wurden immer sieben oder acht abgeschossen.“ Er habe nie gewusst, ob er den nächsten Tag erleben würde. „Wenn ich unversehrt gelandet bin, hab ich Geburtstag gefeiert“, so Richter.

Kurz vor Ende des Krieges geriet Richter im April 1945 in englische Gefangenschaft. Ein dreiviertel Jahr verbrachte er auf einer Wiese unter freiem Himmel in einem Lager in Schleswig-Holstein. „Nach ein paar Tagen haben wir ein wenig zu essen und Decken bekommen“, erinnert er sich.

Regentropfen gegen den Durst

Es sei ein heißer Sommer gewesen und die Gefangenen hätten oft Durst gelitten, bei Regen fingen sie die Tropfen auf, um ihn zu lindern. Auch die Nahrung war knapp bemessen. „Wir suchten uns Brennnesseln und machten daraus Spinat“, erzählt der 100-Jährige.

Die Anstrengungen des Krieges seien so groß gewesen, dass er die Zeit im Lager nicht als „ganz große Belastung“ in Erinnerung habe. „Ich hab unheimliches Glück gehabt und keine schweren Verwundungen erlitten“, ist er dankbar, dass er dem Zweiten Weltkrieg am Ende mit heiler Haut entkam. Auf die Frage, wie er die Erlebnisse des Krieges verarbeitete, antwortet Richter: „Es bleibt einem nichts anderes übrig, da musste ich durch.“ Ihr Mann sei eine starke Persönlichkeit, fügt Ehefrau Gudrun erklärend hinzu. Er besiegte in den 70er-Jahren auch eine krebsartige Erkrankung, ist trotz der Schicksalsschläge ein lebensfroher Mensch geblieben.

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