Kontroverse im Stadtrat

Reservistenverein der Gebirgsjäger will Traunsteiner Stadtwappen verwenden

Um die Frage, ob das Stadtwappen von den Reservisten genutzt werden darf, ging es im Stadtrat. Buthke
+
Um die Frage, ob das Stadtwappen von den Reservisten genutzt werden darf, ging es im Stadtrat. Buthke
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
    schließen

Erst nach einer kontroversen Debatte konnte sich der Traunsteiner Stadtrat dazu entschließen, dem Reservistenverein der Gebirgsjäger die Nutzung des Stadtwappens zu genehmigen. Das hat auch Signalwirkung für andere Vereine. Über 50 nutzen derzeit das Wappen für ihre Zwecke.

Von Günter Buthke und Heidi Geyer

Traunstein– Mit 6:5 Stimmen war der Gebirgsjägerreservistenkameradschaft Traunstein im Haupt- und Personalausschuss der Stadt zuletzt genehmigt worden, das Traunsteiner Stadtwappen für Vereinszwecke nutzen zu dürfen. Denkbar knapp, dachten sich zahlreiche Stadträte, und stellten daher einen Antrag auf Nachprüfung. Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer (CSU) erklärte im Rahmen der Stadtratssitzung, man wolle mit der Entscheidung „die Verbundenheit der Stadt Traunstein mit der Kameradschaft“ zum Ausdruck bringen. Der Stadtrat bestätigte die Genehmigung letztlich mit 22:9 Stimmen.

Nicht neben dem Eisernem Kreuz

Nichtsdestotrotz wurde darüber einige Zeit diskutiert, geht von der Entscheidung doch eine Signalwirkung für andere Vereine aus. Denis Holl (SPD/Die Linke) sah darin ein sensibles Thema für die Stadtbevölkerung, nach welchen Kriterien die Stadt die Verwendung des Stadtwappens erlaubt. Die Bundeswehr sei zwar eine Verfassungs- und Parlamentsarmee. Es schaffe aber ein Bewusstsein, wenn ein Verein ehemaliger Militärangehöriger das Stadtwappen verwende. Er wolle das Stadtwappen nicht neben dem Eisernen Kreuz sehen, so Holl.

Lesen Sie auch:

„Mitten im Leben“: 128 Rekruten der Berchtesgadener Gebirgsjäger legen in Aschau ihr Gelöbnis ab

„Eisernes Kreuz“ neben Traunsteins Wappen?

Ernst Haider (UW) sprach von einer emotional und ideologisch geprägten Debatte. Das Eiserne Kreuz sei Anfang des 19. Jahrhundert in der preußischen Militärzeit entstanden. Es sei daher vermessen, dieses Symbol auf nur eine Zeit, die des Nationalsozialismus, zu beschränken. Das Eiserne Kreuz sei zudem das Symbol der Bundeswehr als Friedens- und Verteidigungsarmee.

Die Gebirgsjägerreservistenkameradschaft möchte sich zur Stadt Traunstein bekennen, betonte Simon Schreiber (CSU). Sie sei eine Organisation demokratischer Ordnung und bei Katastrophenfällen eingebunden, wolle Friedensarbeit leisten. Das Eiserne Kreuz sei die Dachmarke der Bundeswehr und werde auf deren Fahrzeuge, Flugzeuge usw. geführt. Es sei daher ein Erkennungszeichen der Einigkeit.

Auch interessant:

Almbauern aus der Region Rosenheim besorgt: Der Wolf soll draußen bleiben

„Wie gehen wir mit dem Wappen um“, fragte Thomas Stadler (Bündnis 90/Die Grünen). Das Wappen sei das Hoheitszeichen, mit dem der jeweilige Verein im Auftrag der Stadt unterwegs sei.

„Hoheitszeichen der Stadt“

Symbole hätten immer eine starke Aussagekraft. Er kenne die Gruppe nicht, deshalb gehe ihm das zu schnell.

Sein Fraktionskollege Valentin Rausch machte den Vorschlag, künftig den Antragsteller einzuladen, damit er sich vorstellen könne. Es sei durchaus sinnvoll, öffentlich darüber zu diskutieren, ob sich jemand ehrenamtlich in die Gesellschaft einbringen und sich zu Traunstein bekennen wolle, meinte Konrad Baur (CSU). Auch Monika Stockinger (SPD) sprach von einem „Hoheitszeichen der Stadt“, das bis jetzt 56 Vereine und Verbände nutzen dürfen. Sie mahnte ebenfalls die Verpflichtung an, sich dieses Hoheitszeichen erst zu verdienen.

Das könnte auch interessant sein:

Traunsteins Oberbürgermeister holt sich einen persönlichen Referenten

Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) sah deshalb Regelungsbedarf und regte an, eine Satzung zur Nutzung des Stadtwappens zu schaffen, in der auch festgelegt werde, wie man die Nutzung wieder aberkennen könne.

Keine neue Satzung erforderlich

Der Oberbürgermeister sagte dazu, so wie der Stadtrat durch Beschluss die Genehmigung erteile, könne er sie durch Beschluss auch wieder entziehen. Dazu brauche es keine Satzung.

Stefan Namberger (CSU) erklärte, die Kameradschaft sei nicht so neu, denn es habe bereits eine Freie Reservistenkameradschaft Traunstein und Umgebung gegeben, die sich vor einigen Jahren aus Altersgründen aufgelöst habe. Ihre Nachfolger sollte die Stadt deshalb willkommen heißen.

Kommentare