KONKURRENZ BEI DER WAHL

Grabenstätter Ehepaar in unterschiedlichen Fraktionen im Gemeinderat

Dr. Martin Brunnhuber und seine Frau Josephine sind seit 1997 ein Paar, beide Schulleiter und haben zwei Töchter.
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Dr. Martin Brunnhuber und seine Frau Josephine sind seit 1997 ein Paar, beide Schulleiter und haben zwei Töchter.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Dass beide Ehepartner ein politisches Amt haben, ist ungewöhnlich. Erst recht, wenn sie in zwei unterschiedlichen Fraktionen sitzen. Warum bei den Brunnhubers aus Grabenstätt der Haussegen trotzdem nicht schief hängt.

Grabenstätt– „Ursprünglich hatten wir darüber gesprochen, dass einer von uns zwei in den Gemeinderat kommt“, erzählt Josephine Brunnhuber aus Erlstätt. Bei der Kommunalwahl 2020 kam es dann anders. Seitdem sitzen sie und ihr Mann Martin im dortigen Gemeinderat. Und zwar in unterschiedlichen Fraktionen.

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„Martin war eigentlich schon immer bei der Bürgergruppe Erlstätt dabei und hat sich engagiert“, sagt Josephine. Sie war damals noch Schulleiterin in Grabenstätt und wurde von Andreas Danzer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, angesprochen, ob sie nicht für seine Gruppierung für den Gemeinderat kandidieren wolle. So kam es, dass das Ehepaar für zwei Listen antrat.

Zwei Stimmen Unterschied bei der Wahl

So konkurrierten beide um Wählerstimmen und Josephine gibt zu, dass sie sich damals gnadenlos überschätzt hatte: „Als Dorfschulleiterin dachte ich und hieß es auch, dass man viele Stimmen bekommt, weil man so bekannt ist.“ Sie lacht, wenn sie davon erzählt.

Tatsächlich erhielt sie 884 Stimmen und er 886. „Klar vorne“, sagt Martin mit einem Schmunzeln. Der Familienfrieden sei dadurch gerettet, flachsen beide. Überhaupt wird viel gelacht bei Brunnhubers, auch wenn sie sich politisch nicht immer einig sind.

Etwa als es um den Aufbau eines Stahlgittermasten für Mobilfunk ging. „Ich fand, dass man die Grundversorgung mit Mobilfunk von der Versorgung mit 5G trennen muss“, sagt Martin. Im Zoom-Interview werfen sie sich verbal die Bälle zu. „Du warst komplett dagegen“, sagt Martin, Josephine nickt. Beide wollen nicht, dass Grabenstätt Vorreiter bei 5G wird. Viel diskutiert haben sie damals, damit auch Frieden bei der Rückfahrt im Auto herrscht.

„Sonst wirds zach“

„Das Politische und das Private muss man trennen – sonst wird‘s zach“, sagt Josephine und Martin nickt zustimmend. Sie seien aber ohnehin ein Paar das viel miteinander spreche. „Bis zwei Uhr nachts Wein trinken und über alles Mögliche reden, das können wir“, sagt Josephine. Auf den Wecker gehen sie sich nicht, sogar ihre Freizeit verbringen sie nahezu komplett miteinander. „Das ist ganz kitschig, gell“, sagt Josephine schon fast entschuldigend.

Und kitschig geht es weiter, wenn sie davon erzählen, wie sie sich kennengelernt haben. Sie war 24 und Referendarin, er erst im dritten Semester seines Bauingenieurstudiums, als sie sich 1997 im Traunsteiner Nachtclub Underground über den Weg liefen. Martin hatte eigentlich gar nicht weggehen wollen an dem Abend. Die mangelnde Begeisterung schlug schlagartig um, als ihm Josephine auf die Schulter tippte und aufforderte, zwei Wein zu bestellen. „Hey, bist du auf einem Muttertagsausflug, weil du so aufgeregt bist“, fragte Martin. Krumm nahm sie ihm diesen speziellen Charme nicht, sein Humor imponierte ihr. Und ab dann war es um sie beide geschehen, sagen beide mit vielsagenden Blicken und einem breiten Grinsen.

Beide in der Schulleitung

Seit diesem Abend im Traunsteiner Nachtleben haben sie beide eine Familie gegründet, die Töchter sind zehn und 20 Jahre alt. Martin hat auf seinen Bauingenieur noch ein Lehramtsstudium gesetzt. Heute ist er in der Schulleitung an der Staatlichen Berufsschule in Traunstein, Josephine seit Schuljahresbeginn Rektorin an der Grund- und Mittelschule in Ruhpolding.

Zwei Vollzeitjobs und zwei Kinder klingen schon nach hoher Auslastung. „Tatsächlich haben wir den Aufwand für die Arbeit als Gemeinderat unterschätzt“, sagt Josephine. Aber grundsätzlich mache ihnen beiden ihr Engagement Spaß und sie sehen es nicht als Belastung, meint Martin. Immerhin lasse sich die Betreuung der jüngeren Tochter leicht organisieren. „Dann passt die ältere Tochter auf sie auf“, sagt Martin.

Digitale Termine für die Sitzungen erwünscht

Dennoch befürworten beide mehr digitale Politik, auch auf kommunaler Ebene. „Wir sehen doch in unserer Arbeit, wie gut das funktioniert, wenn wir online konferieren“, sagt Josephine. Noch ist es aber nicht so weit, derzeit wird ein entsprechendes Gesetz im Freistaat vorbereitet.

Grabenstätts Bürgermeister Gerhard Wirnshofer (FW) war zwar auch überrascht von einem Ehepaar im Gemeinderat. Einen Rolle spiele das allerdings nicht. „Beide bringen sich sehr gut ein und sind Gemeinderäte, die ihrer Verantwortung gerecht werden“, sagt der Bürgermeister.

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