Besucher des Schlosses Herrenchiemsee beschädigen eine Tapete des "Kini"

Unerlaubte Berührungen durch Besucher hatten dieser königlichen Tapete so zugesetzt, dass sie jetzt aufwendig saniert werden musste. Staatliches Bauamt

Besucher haben die Sehenswürdigkeiten der Herreninsel schon seit Wochen nicht betreten. Dafür umso mehr Handwerker. Das Staatliche Bauamt hat die Zwangsschließung für zahlreiche Sanierungsarbeiten genutzt.

Herreninsel/Rosenheim – Die Zeit des Besucherstopps wegen der Zwangsschließung durch die Corona-Pandemie hat das Staatliche Bauamt Rosenheim für umfangreiche Sanierungsarbeiten an den Sehenswürdigkeiten auf Herrenchiemsee genutzt. Unter anderem wurde eine königliche Tapete im Schloss aufwändig restauriert, die durch Berührungen der Besucher in Mitleidenschaft gezogen war.

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Nach Angaben einer Sprecherin der Behörde, die auf Herrenchiemsee im Auftrag derstaatlichen Schlösser- und Seenverwaltung arbeitet, wurden während der Zwangsschließung am Alten Schloss, dem Augustiner Chorherrenstift, die Holzfenster an beiden Hausseiten neu lasiert. Die Farbe war durch die Witterung stark angegriffen.

Neuer Anstrich für Fenstertüren

Einen neuen Anstrich bekommen auch die sogenannten Fenstertüren im Ehrenhof des Neuen Schlosses. Hier haben die Sanierungen Mitte Mai begonnen. Wegen des Umfangs, insgesamt sind es über 30, bis zu fünf Meter hohe Fenstertüren, die zum Teil beidseitig ausgebessert werden müssen, werden sich diese Arbeiten noch bis in den Spätsommer hinziehen.

Vor der bevorstehenden Wiedereröffnung abgeschlossen werden nach Angaben des Bauamtes die Wandarbeiten im Neuen Schloss, zwischen Ankleidezimmer und privatem Schlafzimmer Ludwig des II. Hier war die blaue, mit Lilien bedruckte Tapete beschädigt und musste erneuert werden. Die Tapete, hatte über die Jahre wohl vor allem unter den vielen Besucherinnen und Besuchern des Königsschlosses gelitten, die sich unbedacht ein Stück davon als Erinnerung „mitnehmen“ wollten. Das übrige tat dann der Zahn der Zeit.

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Nun wurde die Tapete dort, wo sie reparaturbedürftig war, von der darauf spezialisierten Firma Schmuck Denkmalpflege aus Bamberg von der Wand genommen und mit einer eigenes dafür erarbeiteten Methode ausgebessert. „Diese Ausbesserung wird, aller Voraussicht nach in Kürze abgeschlossen sein; dann wird die Tapete wieder angebracht“, so Ursula Lampe, Pressesprecherin der Behörde, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Um ähnliche Zerstörungen künftig zu vermeiden, werde der Bereich nun geschützt; Besucherinnen und Besucher können die Tapete zwar noch bewundern, sie aber nicht mehr berühren.

Die Sanierung der Fugen im Latona Brunnen vor dem Schloss konnte bereits zu Ende gebracht werden. Den letzten Schliff erhält der Brunnen derzeit durch Mitarbeiter der Schloss- und Gartenverwaltung Herrenchiemsee, die den Marmor zum Schutz vor Kalk mit Wachs versiegeln. Anschließend werden die Brunnen und die Wasserspiele im Schlossgarten befüllt.

Arbeiten im Inseldom schreiten gut voran

Gut voran schreiten Lampe zufolge die Arbeiten zur Erschließung des Inseldoms, in unmittelbarer Nähe des Augustiner Chorherrenstifts. Die Arbeiten zur statischen Ertüchtigung seien bereits abgeschlossen. Kurz vor der Fertigstellung sind die Kirchenmalerinnen und -maler sowie die Restauratorinnen und Restauratoren. Diese waren seit dem Herbst im Inneren des Inseldoms mit der Sicherung und Konservierung der aufwändigen Wand- und Deckenoberflächen, des Stucks und der Fresken beschäftigt.

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Ab Ende Juni dieses Jahres folgen dann der Einbau einer Stahlkonstruktion für einen Aufzugschacht und die Treppenanlage sowie die Montage einer Steganlage im Eingangsbereich, die den späteren barrierefreien Zugang zum Gebäude ermöglichen.

Die meisten Arbeiten werden wie geplant Ende des Jahres fertiggestellt sein. Das Staatliche Bauamt Rosenheim geht davon aus, dass die Stiftskirche, die seit 1917 in baulich unverändertem Zustand war, ab dem Frühjahr 2021 wieder besichtigt werden kann. db

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