Im Gespräch

Kochen für Obdachlose statt Weihnachten mit der Familie: Susanne Köbinger aus Prien tut Gutes

Susanne Köbinger
+
Susanne Köbinger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

Prien – An Weihnachten versammeln sich Familien unterm Christbaum, soweit es Corona heuer erlaubt. Auch Susanne Köbinger hat Familie. Aber die 30-jährige Prienerin, die als Assistentin der Geschäftsführung und Personalreferentin arbeitet, würde am Heiligen Abend lieber etwas für Menschen tun, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. 2019 hat sie schon für Obdachlose gekocht.

Andere überlegen, wie sie das Weihnachfest mit ihren Angehörigen Corona-konform organisieren. Sie zerbrechen sich den Kopf, wie Sie sich sozial engagieren können. Warum?

Susanne Köbinger: „Das Weihnachten in meiner Familie lief – wie vermutlich bei den meisten – seit meiner Kindheit immer ziemlich gleich ab. Letztes Jahr entschied ich mich zum ersten Mal dazu, die Feiertage einfach einmal anders zu verbringen. Ich hinterfrage seit einiger Zeit Dinge, die die Gesellschaft vorgibt und versuche mich davon ein bisschen frei zu machen. Gerade ein typisches Weihnachtsfest empfinde ich im Moment als Pflicht. Jedes Jahr der gleiche Ablauf, weil man es halt einfach so macht, weil alle es so machen und weil diese paar Stunden perfekt sein müssen. Auch die Hektik und vor allem das Konsumverhalten betrachte ich sehr kritisch. Ich frage mich, ob das wirklich in dieser Ausprägung nötig ist, solange andere am Hungertuch nagen. Ist das alles der Sinn von Weihnachten?“

Hier geht es zum Youtube-Kanal von Susanne Köbinger.

Was ist denn dann für Sie der Sinn von Weihnachten?

Köbinger: „Ich sehe den Sinn von Weihnachten darin, mir in Ruhe Zeit für die Menschen zu nehmen, die Hilfe benötigen und an die spenden, die nicht so viel haben. Und meine Familie sehe ich am liebsten, wenn einfach alle gerade Lust darauf haben – zu anderen, vielleicht auch spontanen Aktionen. Das sind doch die schönsten Momente. Auch wenn, oder gerade weil sie nicht nach einem perfekten Plan ablaufen.“

Lesen Sie auch

Gemeindsam durch den Lockdown: Woe die Rosenheimer „Fischküche“ Senioren helfen will

Sie haben in Ihrem Suchaufruf auf Facebook geschrieben, dass Sie im vergangenen Jahr Essen an Obdachlose ausgegeben haben. Wie ist das zustande gekommen und wo war das?

Köbinger: „Auf der Suche nach Organisationen, die Hilfe brauchen, wurde ich beim Rosenheimer Leibspeise e.V. fündig. Er organisiert jedes Jahr am 24. Dezember eine Weihnachtsfeier für Obdachlose und andere Bedürftige. Ich habe dort mit den Mitarbeitern ab Mittag gekocht, aufgebaut, abends das Essen ausgegeben, mit den Gästen gesprochen, mir ihre spannenden Lebensgeschichten angehört und am 25. Dezember alles wieder abgebaut. Das war wirklich eine tolle Erfahrung.“

Warum ist das heuer nicht mehr möglich?

Köbinger: „Auf Grund von Corona wird diese Weihnachtsfeier heuer – so weit ich weiß – nicht stattfinden können.“

Sind Ihnen bestimmte Begegnungen aus diesem Einsatz in Erinnerung geblieben?

Köbinger: „Eine Begegnung ist mir noch sehr bewusst. Eine junge Frau, nur ein paar Jahre älter als ich, die als Kind von einem Heim zum nächsten musste und auch in verschiedenen Pflegefamilien war. Diese Frau hatte keine richtige Heimat und sucht sie irgendwie immer noch. Abgesehen davon, was sie wohl alles an negativen Erfahrungen gemacht hat und vermutlich noch nicht verarbeiten konnte. Ich habe nicht im Detail nachgefragt, weil ich ihr nicht zu nahe treten wollte.

Lesen Sie auch

Etwas andere Spendenaktion des Medical Park Bernau-Felden

Aber diese Geschichte hat mich sehr getroffen. Ich habe ein riesen Glück, in eine Familie hineingeboren zu sein, in der ich wohlbehütet aufwachsen konnte. Ich sehe das absolut nicht als selbstverständlich an und möchte denen, denen es nicht so gut erging, ein großes Stück davon abgeben.“

Was haben Sie für sich aus diesem Engagement für Schlüsse gezogen?

Köbinger: „Ich habe festgestellt, dass ich viel mehr in diese Richtung machen möchte. Ich werde mal noch sehen, wie sich das in den Alltag integrieren lässt und will Verschiedenes ausprobieren. Ob in einer Organisation oder privat – es gibt auch viele kleine Dinge, die man machen kann. Einen Obdachlosen auf der Straße einfach mal fragen, ob man ihm etwas zu Essen kaufen darf. Sich auch einmal dazu setzen und zuhören. Flüchtlinge unterstützen, in einem SOS-Kinderdorf Kindern etwas Gutes tun, vielleicht auch einmal im Altenheim Menschen besuchen und ihnen Zeit schenken oder bei der Tafel mithelfen. Was ich genau machen will, weiß ich noch nicht. Aber ab dem Frühling werde ich hin und wieder mit einem Gitarristen neben Obdachlosen Straßenmusik machen und ihnen das Geld geben, das in den Hut geworfen wird. Es gibt so viele Ideen und es würde mich freuen, wenn viele weitere Menschen ebenfalls einen kleinen Schritt in diese Richtung setzen. Ein bisschen macht man es ja auch für sich selbst. Es fühlt sich einfach unglaublich gut an, für andere da zu sein.“

Lesen Sie auch

1600 Weihnachts-Mitbringsel: Erziehernachwuchs aus Traunstein nutzt Lockdown

Wie reagieren Ihre Familie und Ihr Freundeskreis auf Ihre soziale Initiative, gerade in Corona-Zeiten?

Köbinger: „Ich habe durchwegs positive Reaktionen darauf bekommen, auch wenn ich glaube, dass einige nicht nachvollziehen können, dass man Weihnachten nicht mit der Familie verbringt beziehungsweise sie es selbst nicht so wollen würden. Und das ist auch vollkommen ok. Jeder kann das für sich selbst so machen, wie es sich richtig anfühlt. Jetzt zu Corona-Zeiten ist natürlich die Sorge, dass ich mich bei einer solchen Aktion anstecken oder eben auch Corona verbreiten könnte. Aber ich würde alles nur im Rahmen der erlaubten Regeln machen und ich denke, dann gäbe es da kein Problem.“

Was haben Sie für Resonanz auf Ihren Facebook-Aufruf bekommen?

Köbinger: „Ich habe einige Rückmeldungen von Personen bekommen, die das richtig toll finden. Bisher wusste leider aber noch niemand einen konkreten Vorschlag, welcher Einsatz in diesem Corona-Jahr möglich wäre. Ich hoffe darauf, dass noch jemand mit einer Idee auf mich zukommt, wo ich unterstützen könnte. Das würde mich sehr freuen.“

Musiker gesucht

Susanne Köbinger möchte nicht nur Straßenmusik zugunsten Obdachloser machen. Die leidenschaftliche Sängerin, die unter anderem schon in einer Coverband auf der Bühne stand, möchte eine neue Musikgruppe gründen. Dabei sollen hauptsächlich Duette Mann/Frau mit Songs aus Musicals und Balladen gesungen werden – für bestuhlte Konzerte in Abendgarderobe und stilvollem Ambiente. Dafür sucht sie noch einen Sänger, Geige, Schlagzeug, Klavier und Gitarre. Infos unter susikoebinger@gmx.net.

Prien verteilt Päckchen an Bedürftige

Die Marktgemeinde Prien denkt schon immer in der Weihnachtszeit an Mitbürger, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Auch heuer haben die Damen des Seniorenprogramms laut Drittem Bürgermeister und Sozialreferent Martin Aufenanger 150 Päckchen an Bedürftige verteilt. Auch diese Aktion war von Corona geprägt. Kurzbesuche in den Wohnungen und Gespräche mit den oftmals alleinstehenden Empfängern waren nicht möglich. Ss musste bei der Übergabe der Päckchen an den Wohnungstüren bleiben. Was die Damen ehrenamtlich zusammengestellt hatten, verteilten anschließend Aufenanger, die frühere Sozialreferentin Gisela Munkler sowie die ehemalige Zweite Bürgermeisterin und heutige Ehrenbürgerin Renate Hof.

Kommentare