Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Alfons Vogl bricht sich Rippe und Handwurzelknochen

Knochenbrüche: Nächster Sturz in den Seestraßen-Gleisen von Prien – Kritik an Verkehrsführung

Alfons Vogl bricht sich bei einem Sturz wegen der Gleise auf der Seestraße eine Rippe und Handwurzelknochen.
+
Alfons Vogl bricht sich bei einem Sturz wegen der Gleise auf der Seestraße eine Rippe und Handwurzelknochen.
  • Silvia Mischi
    VonSilvia Mischi
    schließen

Sie sind ein Dauer-Sorgenkind – die querenden Gleise der Chiemseebockerlbahn auf der Seestraße. „Gefährlich“ und „nicht ausreichend gekennzeichnet“ urteilt Alfons Vogl. Er ist das jüngste Opfer der Gleise.

Prien – Der 58-Jährige wollte zu einer Radtour um den Chiemsee aufbrechen und stürzte schwer, als sein Vorderrad in den Rillen der Chiemseebockerl-Gleise verkantete. Die Folge: gebrochene Handwurzelknochen, eine gebrochene Rippe sowie schwere Prellungen.

Zumutung für jeden Pedalritter

„Zugegeben, ich habe die Beschilderung nicht wahrgenommen und nach einem Regenschauer war die Straße auch glatt, aber mir hat es einfach den Lenker weggerissen“, schildert Vogl. Er ist passionierter und erfahrener Radfahrer. Zusammen mit einem Freund tritt er pro Jahr an fünf Tagen über 500 Kilometer weit in die Pedale. Aber: So etwas wie in Prien habe er aber noch nie erlebt. „Das gehört behoben und ist für Radfahrer eine Zumutung“, moniert er.

Missstand nicht auf sich beruhen lassen

Und weiter: „Ich habe noch das Glück gehabt, dass mich kein nachfolgendes Auto überrollt hat.“ Der 58-jährige Mann betont gegenüber unserer Zeitung zudem, dass er auch nicht schnell mit dem Fahrrad unterwegs war. Dies sei schon allein wegen der nassen Straße nicht möglich gewesen.

Der 58-Jährige aus Langquaid will den Missstand der Straße nicht auf sich beruhen lassen. „Ich will weitere Stürze anderer verhindern“, erklärt er seine Intention, die Behörden einzuschalten. Deshalb kontaktiert er die Gemeinde, das Landratsamt Rosenheim sowie die Regierung von Oberbayern, „um das Dilemma mit den Gleisen zu behen“. „Die Aussagen und Gründe, warum beispielsweise kein Warnlicht errichtet werden kann, sind in meinen Augen dabei widersprüchlich“, betont er.

Schwierigkeiten, die Stelle zu verbessern

Um die Not der Fahrradfahrer und auch die Schwierigkeiten bei Optimierungsmaßnahmen weiß Martin Plenk als Leiter des Priener Ordnungsamtes.

Schon mehrfach wurde, – an der Seestraße nachgebessert. Schilder aufgestellt, Markierungen aufgezeichnet, entfernt und dann optimiert neu aufgetragen. Aktuelle Idee: „Wir wollen den Asphalt mit den Gleisen auf eine Höhe bringen. Dabei bleibt der für den Zug erforderliche Spalt erhalten, aber die Gefahr für Radfahrer wäre gemindert“, beschreibt Plenk die bevorstehende Maßnahme. Diese soll spätestens 2022 umgesetzt sein und ist aktuell von den Fortschritten an laufenden Baustellen im Gemeindegebiet abhängig.

Gegen beispielsweise ein Blinklicht, wie von Vogl vorgeschlagen, spreche unter anderem das Bundeseisenbahngesetz. Zudem sei zwischen Gleisen und Straße zu wenig Platz für weitere Beschilderungen. „Wir müssen die Straßenverkehrsordnung einhalten, haben nicht viel Platz und dürfen nichts errichten, was vom Straßenverkehr ablenken könnte“, schlüsselt Plenk die prekäre Situation gegenüber der Chiemgau-Zeitung vor Ort auf. Er betont: „Der Gemeinde ist auch daran gelegen, die unglückliche Situation zu beheben.“

Mehrfach schon vor Gericht

Aber: Schon mehrfach sei man diesbezüglich nach anderen Stürzen vor Gericht gewesen. Ergebnis: Die Richter sähen keinen Handlungsbedarf. Die Argumentation: Dann dürfte in München es keine S-Bahn mehr geben. Denn auch dort queren Gleise die Straße und Radfahrer haben diese zu kreuzen.

Wie berichtet, hat die Polizei eine deutliche Zunahme der Stürze am Bahnübergang Seestraße mit zum Teil erheblichen Verletzungen registriert. 2019 sind 14 Stürze aktenkundig. Doch das seien nur die gemeldeten Fälle. Die Dunkelziffern dürften um ein Vielfaches höher sein, heißt es aus Behördenkreisen.

Bahn steht unter Denkmalschutz

Vogl geht sogar soweit, dass er die historische Bockerlbahn verändern will. „Wenn das Fahrwerk ausgetauscht würde, dann wäre alles kein Problem“, findet er. So einfach ist es aber nicht: Die Bahn, die älteste Dampfstraßenbahn der Welt zwischen dem Bahnhof in Prien und dem Hafen in Prien-Stock, gibt es seit 1887. Sie steht zudem seit 1980 unter Denkmalschutz. Eigentümer ist die Chiemsee-Schifffahrt Ludwig Feßler KG.

Weiterer Radler wurde Opfer

Vogl sind die Gleise und die damit einhergehende Kante ein Dorn im Auge. „Einem Radfahrer, der circa fünf Minuten vorher die Gleise überfahren hatte, ist das Gleiche passiert, wie mir. Der war aber schon ein Stück nach der Unfallstelle hinter der Gebäudeecke von und für mich als Warnung nicht zu sehen“, schildert er.

Mehr zum Thema

Kommentare