Mit 493 km/h durch die Sporthalle

Julia Eisenkolb und Rebecca Klierbeim Doppel: Sie zählen aktuell zu den Leistungsträgern der Badmintonabteilung des TuS Prien. re

Prien – Ganz so schnell wie bei Tan Boon Heong, einem malaysischen Profispieler, fliegen die Federbälle am Freitag Abend nicht beim Training der Aktiven der Badminton-Abteilung des TuS Prien.

Trotzdem: Die enorm hohen Geschwindigkeiten der Bälle und der Bewegungsabläufe lassen mitunter förmlich die Luft vibrieren. Heong hat den Tempoweltrekord 2013 aufgestellt.

Im Vergleich zu dem Tempo, mit dem die Federbälle über das Netz geschmettert werden, erscheint der durchaus auch noch sehr schnelle Flug eines Tennisballs von maximal 263 km/h geradezu langsam.

Da ist es nicht verwunderlich, dass es eben diese hohen Geschwindigkeiten sind, die viele Spieler der TuS-Abteilung an dieser Sportart so besonders faszinieren.

Obwohl ich ohne jegliche Vorkenntnisse eigentlich beim Training der Freizeitspieler am Montagabend besser aufgehoben wäre, traue ich mich, im Zuge unserer Serie „Ausprobiert und mitgemacht“ bei den besten Priener Badmintonspielern reinzuschnuppern.

Die erste Mannschaft belegt in der Bezirksoberliga derzeit den zweiten Platz. Das zeigt, dass Prien durchaus eine regionale Badminton-Hochburg ist.

Anders als in den Übungsstunden der Jugend, bei denen ausgebildete Trainer zur Verfügung stehen, gibt es hier nach einer individuellen Aufwärmphase nur eine reine Wettkampfvorbereitung. Julia Eisenkolb und Rebecca Klier haben aufgrund ihrer langjährigen Spielerfahrung und ihrer Erfolge mit der Mannschaft heute die Leitung des Trainings übernommen.

Als erstes fällt mir der unglaublich leichte Carbonschläger auf, der sehr gut in der Hand liegt und nicht mit den klobigen Spielgeräten in der Schule zu vergleichen ist.

Die Regeln sind nicht sehr kompliziert und mir grundsätzlich geläufig, also steige ich direkt in das Spielgeschehen ein. Auch wenn mich die Leistungsspieler anfangs noch schonen, merke ich schon bald, dass Badminton ein wirklich sehr schnelles Spiel ist. Bereits nach wenigen Minuten läuft mir der Schweiß von der Stirn, aber der Ehrgeiz hat mich gepackt und ich versuche, ein paar Punkte zu ergattern. Das ist zwar gar nicht so leicht, aber mit der Zeit verbuche ich immer mehr Erfolgserlebnisse. So kommen gegen Ende der Trainingseinheit schon ein paar schöne Ballwechsel zustande.

Doch dieses Hin und Her ist ja eigentlich das Ziel beim allseits bekannten Federball und nicht beim Badminton. Hier spielt man nicht miteinander, sondern gegeneinander. Verwendet werden auch keine Kunststofffederbälle, sondern solche mit echten Federn, die zwar etwas teurer und weniger haltbar sind, dafür jedoch bessere Flugeigenschaften haben und mehr Möglichkeiten für ein variantenreiches, schnelles Spiel bieten.

Um Luftströmungen zu vermeiden, spielen Profis ausschließlich in der Halle und nicht etwa auf der grünen Wiese oder gar am Strand. Badminton wird auch olympisch gespielt und findet besonders in Europa und im asiatischen Raum großen Anklang. Dort ist es in vielen Ländern Volkssport und die besten Spieler sind ähnlich populär wie hierzulande Fußballprofis.

Ein großes Nachwuchstalent aus den Reihen des TuS Prien ist mein 16 Jahre alter Spielpartner Tim Mikat. Er betreibt seinen Lieblingssport bereits seit sechseinhalb Jahren und war sogar schon einmal bei der bayrischen Meisterschaft dabei. Auf die Frage, was ihm beim Badminton am meisten Spaß macht, antwortet er: „Man bleibt fit und es bleibt immer eine Herausforderung.“ Sein größtes Ziel ist es, wieder in Meisterschaften mitzuspielen. „Dafür trainiere ich dreimal in der Woche.“ Der ambitionierte Spieler schwärmt jedoch auch von den gemeinsamen Ausflügen mit den Vereinskameraden. Besonders die Wanderungen machen ihm viel Spaß.

Die gut strukturierte Abteilung mit ihren vielen Trainingsmöglichkeiten wird seit 1998 von Christian Fellner geleitet. Von ihm erfahre ich auch, dass die TuS-Abteilung bereits 1955, in der Startphase des Badminton-Sports in Deutschland, gegründet wurde und bei der Entwicklung des bayrischen Badminton-Verbandes maßgeblich beteiligt war. Heute zählen 115 Mitglieder zur Abteilung, wovon etwa 20 Aktive in den beiden gemeldeten Mannschaften trainieren. Aber auch die ganz junge Priener Badminton-Generation fährt schon fleißig auf Turniere.

Die Freizeitspieler trainieren am Montag von 18.30 bis 21.45 Uhr. Am Mittwoch sind von 20 Uhr bis 21.45 Uhr die „50+ Spieler“ dran. Die Mannschaftsspieler üben am Dienstag und Freitag ab 18 Uhr und auch die Jugend freut sich am Dienstag und Freitag von 16.30 bis 18 Uhr über Nachwuchsspieler.

Alle Badminton-Übungseinheiten des TuS Prien finden in der Sporthalle des Ludwig-Thoma-Gymnasiums statt, nur dienstags wird in der Franziska-Hager-Halle trainiert.

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