„KÖNIGIN DER INSTRUMEMENTE“

Wartung der Mozart-Orgel in Klosterkirche in Seeon abgeschlossen

Eine der Königinnen unter den Instrumenten: die Mozart-Orgel in der Pfarrkirche St. Lambert Seeon.
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Eine der Königinnen unter den Instrumenten: die Mozart-Orgel in der Pfarrkirche St. Lambert Seeon.
  • vonKirsten Benekam
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Wartungsarbeiten an der Mozart-Orgel in der ehemaligen Klosterkirche in Seeon erfolgreich abgeschlossen. Mozart selbst hat zwischen 1766 und 1780 mehrere Male auf der Vorgängerin gespielt.

Seeon – Sie ist das größte aller Musikinstrumente, das lauteste und zugleich leiseste – ihr Klang reicht von sanftem Pianissimo bis zu donnerndem Fortissimo: die Orgel. Diese Attribute verhalfen ihr zum Titel „Königin der Instrumente“.

In der Pfarrkirche St. Lambert der ehemaligen Benediktinerabtei Seeon bereichert der Klang der „Mozart-Orgel“ Gottesdienste und Kirchenkonzerte. Ihren Namen bekam sie, weil Mozart selbst zwischen 1766 und 1780 mehrere Male auf ihr gespielt hat. Besser gesagt, auf der Vorgängerorgel…

Eng mit dem imposanten Instrument verbandelt

Kirchenmusikerin Andrea Wittmann ist seit 23 Jahren eng mit diesem imposanten Instrument verbandelt – ein schönes Paar, könnte man sagen, unzertrennlich und „ziemlich beste Freunde“. Die Kirchenmusikerin ist „voller Demut“ für das Instrument, wie sie gesteht. Aber, wie das eben bei Paaren so ist, kann es zu „Unstimmigkeiten“ kommen.

Man kennt sich, versteht sich, und genau deshalb weiß man, wo es „zwickt, klemmt, scheppert oder hängt“: Das passiert meist einmal im Jahr. Dann wird kein Paartherapeut benötigt, sondern Orgelbauermeister Dieter Schingnitz aus Iffeldorf am Starnberger See nach Seeon gerufen, denn keiner kennt die Mozart-Orgel besser als der 80-Jährige, ihr Erbauer. Jetzt war er wieder vor Ort.

Aufgemacht und hineingeleuchtet: Orgelbauer Eckhard Ramakers untersuchte zwei Effektregister im Orgelinneren auf fehlerhafte Funktionen.

Schingnitz hat das Instrument 1994 anlässlich der 1.000-Jahr-Feier in enger Anlehnung an die Vorgängerorgel des 18. Jahrhunderts erbaut. Wie ihre Vorgängerin (1753 von dem Salzburger Orgelbauer Rochus Egedacher erschaffen), verfügte die Seeoner „Mozart-Orgel“ über 18 klingende Register, verteilt auf ein Manualwerk (zwölf Register) und ein selbstständiges Pedalwerk (sechs Register).

Vor 28 Jahren wurde die Disposition der Mozart-Orgel auf zwei Manuale verteilt und geringfügig erweitert, wobei erhaltene Originalpfeifen aus dem 18. Jahrhundert sowie der Orgelprospekt wiederverwendet wurden.

Generalsanierung samt Reinigung

Vor zwei Jahren bekam die Seeoner Orgel nach einer positiv verlaufenen Spendenaktion eine Generalsanierung samt Reinigung verpasst. Dank der finanziell aufwendigen, aber dennoch dringend notwenigen Prozedur kann Andrea Wittmann nun wieder aus der unendlichen Fülle an Klangfarben schöpfen und damit die Kirchenbesucher erfreuen – auch in Zeiten des Corona-Lockdown.

Dieses Mal hakte es beim Zimbelster

„Dieses Mal hakte es beim Zimbelstern“, erklärte Wittmann unserer Zeitung. Der Zimbelstern ist ein aus zwei Komponenten bestehendes Effektregister – ein klingendes Glöckchen-Spielwerk mit rotierenden Sternen aus Holz. Das Spielwerk besteht aus einer kleinen Anzahl von Schalenglocken oder Klangstäben, den Zimbeln.

Die Orgelbauer Dieter Schingnitz (links) und Eckhard Ramakers nahmen Reparaturen an der Mozart-Orgel vor und wiesen Andrea Wittmann für Wartungsarbeiten an.

Bei der „Diagnose“ leuchtete Schingnitz’ Kollege Eckhard Ramakers ins Innere des Instruments. Der Defekt war schnell ausgemacht und behoben: Ein Stift war aus einer Halterung gerutscht. Bei dieser Gelegenheit instruierte Schingnitz die Kirchenmusikerin gleich noch zur Wartung der „Nachtigall“.

Die Orgel-Nachtigall, das sind zwei kleine Pfeifen, die von einer Kondukte (Rohre zur Windführung) in ein Wasserbecken herabhängen. Durch die Kondukte wird Luft in das Wasser geblasen, damit Wellen auf der Wasseroberfläche entstehen. Somit geben die Pfeifen keinen konstanten Ton, sondern ein Gezwitscher von sich.

Es bleibt immer Zeit für ein persönliches Wort

Schingnitz, Ramakers und Wittmann sind offenbar ein eingespieltes Team. Kurze Absprachen, jeder Handgriff sitzt und neben der gewissenhaft durchgeführten Arbeit bleibt immer Zeit für ein persönliches Wort oder die ein oder andere Anekdote aus dem Orgelbauer- oder Musikeralltag.

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Beim Anblick der über 2,40 Meter langen Orgelpfeife der Mozartorgel (ihrer größten) wusste Schingnitz zu berichten, dass früher nach der Fertigstellung der Orgeln die Auftraggeber traditionsgemäß für das Befüllen der größten Pfeife zuständig waren: guter Wein für gute Arbeit. „Das untere Loch wurde zugelötet, dann wurde Wein hineingefüllt. Dem entsprechend gut war die Feier- und Abschiedslaune der Orgelbauer nach erfolgreich abgeschlossener Arbeit.“

Heuer war’s anders: Die Wartung der Mozart-Orgel ging auch ohne Wein, bei bester Laune und fröhlichem Nachtigall- und Kuckucksgesang vonstatten.

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