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Unter Äbtissin Johanna Mayer entstand ein spirituelles Zentrum und ein Rückzugsort

Kloster Frauenchiemsee: Nach 1200 Jahren gibt es für den Orden einen Orden

Äbtissin Johanna Mayer im Klostergarten auf der Fraueninsel mit der Auszeichnung.
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Äbtissin Johanna Mayer im Klostergarten auf der Fraueninsel mit der Auszeichnung.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Seit über 1200 Jahren leben Frauen am Chiemsee im Kloster auf der Fraueninsel. Die Gemäuer zu erhalten und den Konvent in die Zukunft zu führen, ist für die Klosterschwestern eine schwere Aufgabe. Das wurde jetzt gewürdigt.

Frauensinsel/München – Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder zeichnete Äbtissin Johanna Mayer vom Orden der Benediktinerinnen (OSB) in der Residenz in München mit dem Bayerischen Verdienstorden aus. Das Kloster Frauenchiemsee sei unter ihrer Führung ein wichtiger Anlaufpunkt für Gläubige und Touristen auf der Suche nach Ruhe, Einkehr oder Bildungsangeboten sowie eine kulturelle Institution geworden, sagte er in der Laudatio. Für die Äbtissin kam diese Ehrenbekundung völlig überraschend, wie sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen schildert.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder verleiht Äbtissin Johanna Mayer den Verdienstorden.

Die Äbtissin weiß bis heute nicht, wer sie dafür vorgeschlagen hat, wie sie sagt. Und die gebürtige Linzerin wusste nicht, dass er auch an Ausländer verliehen wird. Eine Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen bei der Pressestelle der bayerischen Staatskanzlei brachte kein Licht in die Angelegenheit. Dort hieß es: „Das Ordensverfahren ist vertraulich. Angaben zu Vorschlag et cetera machen wir nicht.“

Spekulationen über den Grund

Spekulationen und Rätselraten gab es bis zur Übergabe des Ordens bei der Äbtissin und den Mitschwestern über den Grund dieser hohen Auszeichnung. „Unser heißester Tipp war das soziale Engagement“, sagt Äbtissin Johanna Mayer. Damit meint sie das Landgut Mitterndorf in Gstadt auf dem gegenüberliegenden Festland. Dieses war seit 1994 nicht mehr bewirtschaftet worden. Die letzten drei dort lebenden Schwestern konnten die schwere Arbeit nicht mehr verrichten und wurden aus Altersgründen abberufen.

Schwester Johanna Mayer, die seit 1991 im Konvent auf der Fraueninsel lebt und im Jahr 2006 zur Äbtissin gewählt wurde, erinnert sich, dass der Dreiseithof und zwei kleinere Immobilien lange leer standen. Viele Angebote habe es gegeben, auch von Hotelketten. All dies sei nicht klosterverträglich erschienen.

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Das änderte sich, als sich 2008 die Björn-Schulz-Stiftung vorstellte. Die gründete dort den Irmengard-Hof, das ist ein Familienerholungshaus für chronisch und todkranke Kinder und ihre Eltern. Der Stiftungszweck ist inzwischen um behinderte Kinder erweitert worden.

Das ehemalige Schulhaus, der Benediktushof, wird gerade von der Stiftung „Ein Platz für Kinder“ zum therapeutischen Internat Mitterndorf umgebaut für traumatisierte Kinder von sechs bis elf Jahren. Der dritte Hof ist privat verpachtet, die 40 Hektar Land bewirtschaftet eine Bauerngemeinschaft.

All dies war aber nicht der Grund für den Verdienstorden, sondern das, was unter der Führung von Äbtissin Johanna Mayer aus dem Kloster auf der Fraueninsel geworden ist.

Vom einstigen Mädcheninternat mit Schule hat es sich zu einem geistlich-kulturellen Zentrum entwickelt. Im Kloster Frauenwörth mit seinem Seminarhaus geht heute internationales Publikum ein und aus, berichtet Äbtissin Johanna Mayer.

Jahre voller Mühen und Arbeit

Vorausgegangen sind Jahre voller Mühen und Arbeit und deshalb dankt die Äbtissin auch all jenen, die diesen Weg unterstützt haben. Allen voran dem Freundeskreis Frauenwörth als Förderer, der Politik und Wirtschaft, dem Erzbistum, den vielen privaten Spendern, den klostereigenen Wirtschaftsbetrieben, die vor allem bei der Finanzierung kräftig mitgeholfen haben. „Alleine hätten wir das nie erwirtschaften können.“

Den Verdienstorden will sie nicht nur für sich beanspruchen, sie sieht ihn als Belobigung für den ganzen Konvent – also alle 17 Mitschwestern, die jede in ihren Bereich dafür gearbeitet hat.

Großes Lob für die Schwestern Elisabeth und Scholastika

Besonders Schwester Elisabeth Barlage, die die Wirtschaft leitet, und Schwester Scholastika Mc Queen, die für das Seminarhaus verantwortlich ist. „Wir haben den Weg alle gemeinsam geschafft“, sagt die Äbtissin.

Der Bayerische Verdienstorden habe sie für die weiteren Jahre ermutigt, erklärt die 69-Jährige. Sie räumt ein, dass die letzten Jahre „sehr arbeitsam“ waren und viel Kraft gekostet haben. Hinzu kam eine belastende Zeit durch Corona. Die Zeit der pandemiebedingten Schließungen des Seminarbetriebs und des Klosterladens stand der Konvent nur dank der staatlichen Coronahilfen finanziell durch. „Ich habe schon gezweifelt, ob ich es schaffe, die Spannkraft noch aufrecht zu erhalten“, sagt Äbtissin Johanna Mayer.

Die „hoffnungsfrohe Stimme“ in Form des Bayerischen Verdienstordens sei genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Sie spüre wieder Hoffnung und Freude. Rückblickend betont sie: „Wir haben nicht nur gebaut und gearbeitet. Für uns ist das Wichtigste, dass wir unsere Gebetstradition in benediktinischer Spiritualität durch die Zeit tragen konnten.“

Die Sanierung:

In den vergangenen Jahren sind dank vielfältiger Unterstützung Millionen Euro in die Sanierung des gesamten Klosters Frauenwörth geflossen, erzählt Äbtissin Johanna Mayer. Begonnen habe alles im Jahr 2010. Damals hatte ein Hagelwetter rund 50 Fenster auf der Westseite zerschlagen. „Das war der Impuls. Wenn man bei einem alten Haus beginnt zu renovieren, hört es nicht mehr auf.“ So seien im Laufe der Jahre Dächer, das Kanalsystem, die Chorkapelle, die Heizung und vieles mehr erneuert worden. „Jetzt steht alles gut da, wir hoffen, dass die großen Bauvorhaben erst einmal vorbei sind.“ Als letzte Maßnahme wird derzeit noch das Gästehaus saniert, das wird voraussichtlich nächstes Jahr fertiggestellt sein.

Viel Lob und Anerkennung für die „beeindruckenden Leistungen“:

Der Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, Armin Krämmer, sieht es als große Ehre an, dass ein bayerischer Verdienstorden auf die Fraueninsel vergeben worden ist. Er spricht von einer sehr guten Zusammenarbeit mit dem Kloster. Für die 17 Schwestern sei es ein „schweres Los“ das „riesen Gebäude“ zu unterhalten. Angesichts der ganzen Sanierungen sei es in jeder Hinsicht hervorragend in Schuss und auf dem aktuellen Stand, zum Beispiel auch beim Brandschutz. Seit Beginn der Corona-Pandemie dürfe der Gemeinderat den Raum Tassilo im Kloster unentgeltlich nutzen, wofür er sehr dankbar ist. Für das Kloster sei das eine Ehrensache gewesen. „Wir haben vor, künftig noch enger mit dem Kloster zusammenzuarbeiten“, so Krämmer.

Der CSU-Landtagsabgeordmete Klaus Stöttner sagt über Äbtissin Johanna Mayer: „Sie führt den Orden mit feiner und bedachter Hand. Mit ihren Ordensschwestern und Mitarbeitern hat sie Beeindruckendes geleistet. Der Zusammenhalt ist enorm.“ Unter ihrer Führung sei das Kloster zukunftsfähig aufgestellt worden. Er bescheinigt dem Bildungsangebot hohe Qualität. Der Konvent habe ein gutes Gespür dafür, wie man Menschen in dem Gebäude mit seiner tiefen Wirkung und der besonderen Stille einen Rückzugsort gebe.Annemarie Biehl ist Vorsitzende des Freundeskreises der Abtei Frauenwörth. Zu den OVB-Heimatzeitungen sagt sie: „Wir vom Freundeskreis haben ganz viel Freude und sind stolz darauf, dass Äbtissin Johanna Mayer diesen besonderen Orden erhalten hat.“ Biehl sieht das als Auszeichnung für die ganze Ordensgemeinschaft. Sie nennt es eine große Aufgabe, iein kontemplatives Leben zu führen, einen Konvent zu leiten und sich gleichzeitig mit den weltlichen Angelegenheiten befassen zu müssen. „Sie möchte sich ihrer ureigensten Aufgabe, dem Gebet, annehmen. Gleichzeitig war die Baulast zu tragen und wegen Corona haben den wirtschaftlichen Betrieben die Einnahmen gefehlt und Personal ist ausgefallen“, bringt Biehl die Herausforderungen auf den Punkt.“ Dass die Äbtissin dies gemeistert habe, zeuge von „ganz viel Verantwortung für die Ihren“.

„Ein Leuchtturm“:

Gefreut hat sich Äbtissin Johanna Mayer nach der Ehrung über viele positive Rückmeldungen, besonders über folgende: „Gerade zu einer Zeit, in der sich Mutter Kirche in der materialistischen Konsumgesellschaft – auch durch eigenes Versagen – schwertut, stellt die Abtei Frauenwörth einen geistlichen Leuchtturm mitten im bayerischen Meer dar. Das spirituelle Zeugnis der betenden Gemeinschaft ist eben doch wirksamer und vor allem überzeugender, als die beste kirchliche Verwaltung.“

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