Klimawandel, Wolf und Salmonellen –Ruhpoldinger Bezirksalmbauer zieht Bilanz

Die Hansenbauern-Familie hatte heuer wieder die Aufgabe der Sennerei auf der Haaralm übernommen. Die Almbauern wechseln sich im jährlichen Turnus bei der Behirtung ab. Unser Foto entstand vor Corona und zeigt Hans und Maria Hinterreiter mit Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker (von links).
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Die Hansenbauern-Familie hatte heuer wieder die Aufgabe der Sennerei auf der Haaralm übernommen. Die Almbauern wechseln sich im jährlichen Turnus bei der Behirtung ab. Unser Foto entstand vor Corona und zeigt Hans und Maria Hinterreiter mit Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker (von links).

Der Wolf, ein verschwundenes Tier, aber auch eine Salmonellenvergiftung haben den Almbauern im Gebiet vom Ruhpoldinger Ludwig Böddecker heuer ein turbulentes Jahr beschert. Ein Rückblick auf den Corona-Sommer.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding – Auf den Almen ist es wieder ruhiger geworden. Zeit für Bezirksalmbauer Ludwig Böddecker, den Blick auf den vergangenen Alm-Sommer zu lenken. Er vertritt gegenüber der Politik die Interessen seiner Berufskollegen aus den Gemeinden Siegsdorf, Inzell und Ruhpolding. Obwohl die Corona-Pandemie auch vor dem Almbetrieb nicht Halt machte und anfangs eine gewisse Unsicherheit herrschte, sei man insgesamt sehr zufrieden, bestätigte Ludwig Böddecker: „Die Bergwanderer verhielten sich durchweg sehr diszipliniert.“

Früher Auftrieb hilfreich gegen Verbuschung

Insgesamt verbrachten etwa 100 Jungtiere und zehn Pferde ihre Sommerfrische auf der Projektalm der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), die aufgrund ihrer gezielten Koppelbeweidung seit 2013 regelmäßig von Berufskollegen aus Österreich und den fünf oberbayerischen Alpenlandkreisen besucht wird.

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Durch den frühen Auftrieb ab Anfang Mai gelingt es in den Höhenlagen, die Verunkrautung und Verbuschung erfolgreich in den Griff zu bekommen. In diesem Punkt kommt dem Almgebiet unterhalb der Haaralm-Schneid eine gewisse Vorreiterrolle zu. Wie positiv sich das Beweidungssystem auswirkt, sieht man auch daran, dass sich die Almmatten sogar jetzt noch im Spätherbst im grünen Kleid präsentieren.

Weniger Schnee und mehr heiße Tage

Nicht von der Hand zu weisen sei der fortschreitende Klimawandel, der sich besonders in den letzten zehn Jahren rasant bemerkbar macht. „Die Schneefallgrenze verschiebt sich kontinuierlich nach oben, es fallen weniger Niederschläge und die Tage mit Temperaturen um die 30 Grad häufen sich sogar in diesen Höhen,“ gibt der Bezirksalmbauer zu Bedenken.

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Die Folge: Ein Futterüberangebot, das der eigene Viehbestand der fünf angestammten Almbauern nicht mehr bewältigen kann. Deshalb arbeiten sie seit einiger Zeit mit Berufskollegen aus dem nördlichen Landkreis zusammen, die mit einer gewissen Anzahl an Tieren für das richtige Maß sorgen. Der Wasserknappheit, wie sie seit dem Jahrhundertsommer 2003 immer wieder vorkam, haben die Haaralm-Bauern mit der komplett erneuerten Versorgungsanlage und dem Einbau eines Hochleistungs-Widders entgegengesteuert. Seit dem Einbau vor acht Jahren leistet der umweltfreundliche Wasserheber ohne Unterbrechung seine Dienste; ganz ohne Strom oder fossile Treibstoffe, nur mit raffiniert eingesetzter Wasserkraft.

Sorgen wegen Wolf

Was die Almbauern eher umtreibt, ist das leidige Thema Wolf. Nach dem nachgewiesenen Wolfsriss in Reit im Winklund der mehrfachen Sichtung in angrenzenden Gemeinden ist es nach Ansicht Böddeckers nur eine Frage der Zeit, bis der Wolf auch bei den Almbauern auftaucht, die er vertritt. „Wir Bauern fordern deshalb ganz klar die Entnahme, denn der Wolf hat bei uns keinen Platz; da können die Tierschützer sagen, was sie wollen“, sagt der Bezirksalmbauer.

Drei Tiere an Salmonellen gestorben

Bei aller Abneigung gegen den Beutegreifer: Das plötzliche, spurlose Verschwinden eines Tieres im Juni möchte der oberste Almbauer dann doch nicht dem Wolf in die Schuhe schieben.

Um so ein großes Tier reißen zu können, hätte es immerhin ein ganzes Rudel gebraucht, und dann wäre man zumindest auf Knochenreste gestoßen. Doch die intensive und wochenlange Suche nach irgendwelchen Spuren blieb erfolglos. Wie das Tier abhandengekommen ist, ist bisher ein ungelöstes Rätsel, zumal der Zaun keine Schlupflöcher aufwies.

Im Bereich der Lödensee-Almen überlebten drei Kalbinnen den Almsommer wegen einer Salmonellen-Vergiftung nicht. Ob durch Abfall oder andere Hinterlassenschaften aufgrund des erhöhten Badebetriebs hervorgerufen, wie die betroffenen Landwirte vermuten, bleibt allerdings offen.

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