„Scientists for Future“

Wissenschaftler aus dem Kreis Traunstein schalten sich in Debatte um Klima und Artenschutz ein

Um den Erhalt von Biodiversität, Klimaschutz global und in der Region geht es den vernetzten Wissenschaftlern. Pixabay, re (2)
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Um den Erhalt von Biodiversität, Klimaschutz global und in der Region geht es den vernetzten Wissenschaftlern. Pixabay, re (2)
  • vonAxel Effner
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Die „Scientists for Future“ aus Traunstein laden zur Online-Diskussion. Eine erfolgreiche erste digitale Veranstaltung lockte viele interessierte Teilnehmer.

Traunstein – Nach den „Fridays for Future“ melden sich jetzt auch die „Scientists for Future“, die Wissenschaftler der Region, zu Wort, um auf die globalen Umweltveränderungen aufmerksam zu machen. Nach der Gründung der Regionalgruppe Traunstein im Juli fand nun der Auftakt der Reihe „Klimagespräche Traunstein“ als Videokonferenz mit Diskussion statt.

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Grenzen des Planeten überschritten

Koordinatorin der Traunsteiner Gruppe ist Dr. Heide Schuster, Architektin aus Waging am See. 80 Regionalgruppen der „Scientists for Future“ gibt es bundesweit. Der noch jungen Traunsteiner Vereinigung gehören aktuell neun Mitglieder an.

Anhand eines Modells von sich gegenseitig beeinflussenden Stoffkreisläufen zeigte der Physiker Dr. Simon Filser aus Traunstein auf, in welchen Bereichen bereits „kritische Grenzen“ erreicht seien. Dies betreffe etwa den Einsatz von Stickstoff oder Phosphor unter anderem für Düngemittel. Hier liege der Jahresumsatz „weit über den verträglichen Grenzwerten“. Dies ziehe unter anderem hohe Belastungen im Trinkwasser nach sich.

Umweltmanager Hermann Hofstetter aus Truchtlaching engagiert sich ebenso.

Auf das Artensterben und seine Folgen ging der Umweltmanager Hermann Hofstetter aus Truchtlaching ein. Die massive Abnahme an Insekten ziehe das Aussterben weiterer Tierarten nach sich, aber auch massive Wirtschaftseinbußen durch Bestäubungsausfälle bei Nutzpflanzen. Allein Deutschland verbrauche pro Jahr „die Ressourcen von drei Erden“, warnte Hofstetteer. Die Grenzen des Planeten seien damit „deutlich überschritten“.

Physiker Dr. Simon Filser aus Traunstein ist einer der „Scientists for Future“.

In der Diskussion mit 50 Teilnehmern unter der Moderation von Heide Schuster erkundigte sich beispielsweise Stefan Bauer nach der Prognose für das „Reißen engmaschiger Lebensnetze“. Hermann Hofstetter verwies dazu auf sogenannte „Kipppunkte einer Entwicklungsumkehr“, die je nach Sektor schwierig zu bestimmen sei.

Gewinner und Verlierer in der Natur

Teilnehmer Rainer Schenk warf ein, dass seines Wissens bereits „9 von 15 Kipp-punkten aktiviert“ seien und nur noch zehn Jahre für eine nachhaltige Änderung blieben.

Auf den unterschiedlichen Gefährdungsgrad verschiedener Tier- und Pflanzenarten verwies Gerhard Winkler. Die Biologin Dr. Ute Künkele ging dazu auf „Gewinner und Verlierer“ der Klimaveränderung ein, deren Auswirkungen besonders für die Landwirtschaft groß seien. Eine Stickstoffsteuer für die Regulierung des Düngemitteleinsatzes brachte Judith Landes angesichts hoher Kosten zur Trinkwasseraufbereitung und einer Preisverzerrung zwischen herkömmlicher und Bio- Landwirtschaft ins Spiel.

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Die Rückgewinnung von Phosphor als wertvolle Ressource aus Klärschlamm sprach Anton Huber an, während Gerhard Winkler fragte: „Wird die Klimakrise nicht auch zur Sozialkrise?“ Ewald Kleyboldt wies auf den „einseitigen Blick der Wirtschaft auf das Bruttosozialprodukt“ hin, das die Belastungen und Kosten für das lebenserhaltende Ökosystem der Erde „völlig ausblende“. Zwei weitere Teilnehmer erkundigten sich, inwieweit Gründächer die CO2-Bindung überbauter Flächen kompensieren könnten. Heide Schuster verwies dabei auf Vorbildprojekte in Wien zur positiven Beeinflussung des Stadtklimas. Axel Effner

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