Gemeinden müssen tief in die Tasche greifen

Kleiner Biester, teure Folgen: Was die Mückenbekämpfung die Chiemsee-Gemeinden kostet

Mit BTI-Eiskugeln auf Stechmückenjagd: Bei der Hubschrauberaktion am Chiemsee wird in Übersee-Felden der BTI-Bottich beladen.
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Mit BTI-Eiskugeln auf Stechmückenjagd: Bei der Hubschrauberaktion am Chiemsee wird in Übersee-Felden der BTI-Bottich beladen.

Die biologische Abwehr gegen Mücken in der Saison 2020 kostet die Chiemsee-Anrainer insgesamt fast 174.000 Euro. Prien und Übersee müssen dabei am meisten zahlen, gefolgt von Bernau, Rimsting und Breitbrunn.

Bernau/Rimsting/Breitbrunn– Die diesjährige Stechmückensaison, ausgelöst durch die starken Regenfälle, ist überstanden. Dank eines biologischen Bekämpfungsmittels konnten die Brutherde rasch eingedämmt werden. Nun kommen auf die beteiligten Chiemseegemeinden die Kosten für die Aktion zu, deren Dimension erst jetzt bekannt wurde. Im Bernauer Gemeinderat gab dies jüngst Anlass zur Diskussion. Laut Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) werden bei der Kostenberechnung anteilig Fläche und Einwohnerzahl pro Gemeinde herangezogen, der Brutto-Gesamtbetrag für die Bekämpfung der Überschwemmungsmücken belaufe sich für Bernau für die Jahre 2019 bis einschließlich 2020 auf 23 581,68 Euro.

Nicht alle Gemeinderäte einverstanden

Die Rechnung hatte der AUV an alle beteiligten Gemeinden kürzlich verschickt. Dazu kommt, dass rückwirkend ab dem Jahr 2012 die Tätigkeit des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee (AUV) bei der Stechmückenbekämpfung als gewerbliche Tätigkeit eingestuft wird, sodass der Verband in der Zwischenzeit umsatzsteuerpflichtig geworden ist.

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Auch darüber informierte Biebl-Daiber die Gemeinderäte. Mit Gegenstimmen einigte sich der Gemeinderat auf seiner schließlich auf die Übernahme der Kosten. Gegen die Stimmen der drei Fraktionsmitglieder der Grünen, Ulla Zeitlmann, Pia Ostler und Severin Ohlert votierte auch Josef Wörndl (CSU) gegen eine Zustimmung der Übernahme des Kostenanteils für die Mückenbekämpfung, die übrigen 15 Ratsmitglieder stimmten für eine Kostenübernahme.

Massenschlupf startete schon im Juli

Mit dieser Summe kommt Bernau die diesjährige Mückensaison unter den Chiemsee-Gemeinden teuer zu stehen, die Liste führt dabei Prien mit 36 369 Euro an, gefolgt von Übersee mit Kosten von über 33 000 Euro. Mit jeweils etwas über 18 000 Euro kamen die Gemeinden Rimsting und Chieming davon; Breitbrunn zahlt 9 732 Euro, Gstadt die Summe von 5 563 Euro. Insgesamt müssen alle beteiligten Chiemsee-Gemeinden 173.694 Euro berappen. So teuer sie das Ganze im Nachhinein auch zu stehen kommt, die Aktion war unumgänglich. So kam es bereits Anfang Juli und dann noch einmal Anfang August nach starken Regenfällen zu einem Massenschlupf der Überschwemmungsmücke an den Chiemseeufern.

Zahlen aus den Fallen entscheidend

Am 6. August reisten vier Mitarbeiter der Firma Icybac aus Speyer an, ab dem 7. August und den darauffolgenden Tagen kontrollierten der Diplom-Biologe Dr. Olaf Witte und Diplom-Geografin Antje Lohmann die Überschwemmungsareale auf Stechmückenbesatz und erfassten die Helikopterflächen digital. „Am 10. August wurde dann der Helikoptereinsatz von zwei Landeplätzen aus durchgeführt“, schildern die Diplom-Biologen Dirk Reichle und Matthias Beck in ihrem Zwischenbericht an den AUV, der unserer Zeitung vorliegt.

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„Zur Erfassung des Bekämpfungserfolgs und der aktuellen Belästigungssituation in den Chiemsee-Gemeinden wurden dann am 21. und 22. August an 18 Standorten Fallenfänge durchgeführt.“ Dabei seien Saugfallen aufgestellt und die Zahl der darin befindlichen Mücken ermittelt. So wurden in der Sassau besonders viele Exemplare gezählt (1050), gefolgt von den Fallenstandorten Gollenshausen (1102) und Rottspitze in Übersee (906), was auch die Biologen als „auffällig“ bezeichnen.„Ab einer Zahl von 1000 Mücken nimmt man die Plagegeister auch störend in der Umgebung wahr“, weiß man bei der Firma Icybac aus Erfahrung. Zum Vergleich: Am Rhein seien schon mal 40 000 Mücken in einer Saugfalle gezählt worden.

Hitze und überflutete Nebenflächen

Hier seien durch die Nässe bereits in den am See angrenzenden Flächen massenhaft Mückenlarven geschlüpft, noch bevor die eigentlichen Überschwemmungsgebiete die Mücken preisgaben. „Im Gegensatz zu früheren Bekämpfungseinsätzen herrschten zudem Anfang August sehr hohe Temperaturen von über 30 Grad, die die Entwicklung der Larven auf offenen Wiesen- und Schilfflächen beschleunigten,“ erklären die Biologen weiter. Jeweils weit über 500 Mücken wurden in den Fallen am Harras, Uhrdarn und an der Tiroler Achen gezählt. Lediglich 24 waren es dagegen in Feldwies. Insgesamt bewerten die Biologen die Aktion als erfolgreich, gemessen an der Zahl der gefangenen Exemplare. Ein ausführlicher Abschlussbericht soll noch folgen.

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