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BAU WERTVOLLER MUSIKINSTRUMENTE

Klang für die Ewigkeit – Meistergeigen aus der Priener Werkstatt

Nach dem letzten Schliff kommt der Lack aufs Instrument. Berger
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Nach dem letzten Schliff kommt der Lack aufs Instrument. Berger
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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In den Händen des 63-jährigen Werner Hartwig verwandeln sich Fichte und Bergahorn zu edlen Instrumenten. An die 600 hat er schon gebaut. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit ihm über seinen besonderen Handwerksberuf.

Prien – In Zeiten von Corona und Kontaktbeschränkungen widmen sich viele Menschen wieder verstärkt ihren Musikinstrumenten. Alleine die vollen Auftragsbücher an den heimischen Musikschulen zeigen, dass trotz Pandemie und Online-Unterricht die Nachfrage ungebrochen hoch ist. Einer, der nicht nur ein Instrument spielt, sondern sie selbst baut, ist der Priener Geigenbaumeister Werner Hartwig.

Auf knarzenden Stufen in die Werkstatt

Das Schild am Seiteneingang ist klein und unauffällig. Über knarzende Holztreppen geht es in dem historischen Gebäude beim Marktplatz in den dritten Stock zur Werkstatt. In jeder nur erdenklichen Ecke liegen und stehen Geigen, Cello, Bögen und Instrumentenkoffer.

Mit Utensilien und Werkzeugen vollgepackte Regale lehnen aneinander, auf dem Tisch stehen in Gläsern unzählige Pinsel zum Lackieren. Die großen Fenster geben von hier oben den Blick frei auf den sonnenbeschienenen Priener Marktplatz und die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.

Geigen in Arbeit, manche auch nur zur Reparatur oder Restauration.

Mit Bach am Morgen die Finger lockern

Wer in der Früh im Treppenhaus vorbeikommt, der hört Hartwigs Geigenspiel. Er lockert zur Musik von Johann Sebastian Bach beim morgendlichen Kaffee seine Finger. Der gebürtige Münchner erlernte sein Handwerk in der Fachschule für Geigenbau im Mittenwald und hat sich als Meister vor rund 20 Jahren in Prien niedergelassen.

Seitdem baut er hier Streichinstrumente, hauptsächlich Geigen und Cello, manchmal auch Bratschen. Das Lager ist angefüllt von Fichtenholz und Bergahorn aus der Region. „Ich möchte wissen, woher das Holz kommt“, erzählt Hartwig.

Die Stämme und Hölzer habe er selbst ausgesucht. Die Qualität des Holzes muss für den Instrumentenbau bestimmte Kriterien erfüllen. Nach so langen Jahren hat er soviel Erfahrung, dass er rasch erkennt, ob sich ein Holz gut eignet oder nicht. Er verwendet beim Geigenbau auch keine Schablonen, sondern baut nach Augenmaß. Die Briefwaage braucht er, um das Gewicht jedes einzelnen Teils zu überprüfen.

Keine Geige hört sich wie die andere an

Für eine Meistergeige braucht er etwa 140 bis 150 Stunden. Das erklärt auch den Preis von zwischen 9.000 und 12.000 Euro. Die Arbeit muss ihm schwungvoll und fließend von der Hand gehen, erzählt der Geigenbauer. Er wünscht sich Geigen mit reinem, klaren und kräftigen Klang und Klangfarben. Dabei höre sich keine Geige, wie die andere an, sagt er nach über 600 Instrumenten, die er schon gebaut hat.

Die Funktionalität der Geige spiele ebenfalls eine große Rolle: „Wie spielt sie sich, klingt sie kräftig aber nicht einfach nur laut, hat sie eine leichte Ansprache, aber nicht zu leicht, all diese Gegensätze sind in der Geige angelegt“, so Hartwig. Wer sich eine Geige kaufe, müsse sie in die Hand nehmen, fühlen, spielen und hören, erzählt Hartwig.

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Manchmal kommen Musiker mit ihren Instrumenten in die Werkstatt, weil sie ein unbestimmtes Gefühl haben, dass irgendetwas nicht harmoniert. Dann gibt der Fachmann seine Empfehlung ab, woran es liegen könnte, oft machten kleine Veränderungen eine große Wirkung aus.

Sammler und Investoren legen Geld in Instrumente an

Bis heute faszinieren ihn die Instrumente. Manchmal kommen Freunde oder Fremde zu ihm in die Werkstatt, um ihm ein besonders wertvolles Instrument zu zeigen. Einmal war sogar eine Stradivari dabei. Sammler und Investoren legen laut Hartwig ihr Geld heutzutage in Instrumente an, die Summen gingen bis in die hunderttausende Euro für historische Geigen.

Hartwig vertieft sich in die technische Interpretation

Hartwig spielt eine selbst gebaute Geige. Die seien ihm am liebsten, weil sie nach eigenen Vorstellungen entstand. Er liebt die klassischen Meister ebenso wie Volksmusik. Bis Corona musizierte er in kleinen Besetzungen privat mit Freunden. Aktuell ist dies nicht möglich. So spielt er momentan nur für sich selbst: „Da geht es mir gar nicht so sehr ums ganze Stück, sondern mehr ums Technische: Ich will wissen, was ich wie spielen muss.“

In seiner Werkstatt bekam er die Jahre über er immer wieder Besuch von Schülern. „Wenn sich jemand dafür interessiert, erzähle ich gerne“, sagt er und freut sich auf die Zeit nach Corona, wenn Besuche und das Musikspielen im Freundeskreis wieder möglich sind.

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