Kirchturmuhren werden "enthüllt"

Die neuen vergoldeten Zeiger haben Mitarbeiter einer Regensburger Spezialfirma dieser Tage an den neuen Ziffernblättern der Kirchturmuhren montiert. Foto Berger
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Die neuen vergoldeten Zeiger haben Mitarbeiter einer Regensburger Spezialfirma dieser Tage an den neuen Ziffernblättern der Kirchturmuhren montiert. Foto Berger

Viele Priener heben neugierig den Kopf, wenn sie in Sichtweite der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt kommen. Denn hinter dem Gerüst, das seit Ostern 2013 den Turm umschließt, tut sich offensichtlich etwas.

Nicht nur die Farbe der Fassade hat sich geändert, auch die großen Ziffernblätter der Uhren sehen anders aus als gewohnt. Ab nächster Woche wird der Blick darauf frei sein, denn das Gerüst wird zum Teil abgebaut.

Prien - Planer Anton Michael und die Restauratoren sind den Schäden an der Bausubstanz des Kirchturms im wahrsten Sinn des Wortes auf den Grund gegangen. Weil das bei verschiedenen Renovierungen über die Jahrhunderte offenbar noch nie jemand getan hat, ist der Sanierungsbedarf groß - und er wurde immer größer, je genauer die Fachleute hinschauten. Allein an den vielen Natursteinelementen waren am Ende dreimal so viele Arbeiten der Steinmetze erforderlich, als vorher ersichtlich war, erklärte Michael dieser Tage im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Bevor das Gerüst stand, waren nur punktuelle Proben möglich, um Schäden aufzuspüren, was angesichts der Größe des Turms wohl der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen ähnelte.

Verrostete Drahtgeflechte, die der Dachrinne kaum noch Halt verliehen, mussten ausgetauscht, hunderte Eisenklammern, die Natursteinelemente zusammenhalten, ersetzt werden. Hinter der neuen Fassade liegen nun stellenweise Haltekonstruktionen, die wie ein Stahlbetongitter eines Neubaus im Miniaturformat wirken.

Säulen mussten ausgebaut werden

Bleche waren so gesetzt, dass sie zusammenstießen, wenn sie sich bei Temperaturschwankungen ausdehnten. Das führte zu Rissen. Schadhafte Säulen und Kapitelle mussten ausgebaut und in einer Werkstatt rekonstruiert werden.

Michaels Mängelliste ist lang. Der Planer kann aus dem Stand 30 Minuten Beispiele und Details benennen. Dabei fallen dann Wörter wie "Riesenbastelei" oder "Puzzle", die erahnen lassen, welche diffizile Aufgabe die Restauratoren zu bewältigen hatten.

Nun aber gehen die Arbeiten am Turm ihrem Ende entgegen. Zeitweise konnten Beobachter den Eindruck haben, dass die Arbeiten ruhten - ein Trugschluss, wie Michael erklärt. Weil pro Millimeter Putz ein Tag verstreichen muss, bis der neue Belag trocknet, stellenweise aber der Putz in mehreren Schichten bis zu sechs Zentimeter dick aufgetragen werden musste, waren Trocknungsphasen bis zu zwei Monaten erforderlich. Dass der neue Putz nicht gleichmäßig stark aufgetragen wurde, liegt daran, dass Hohlräume darunter ausgeglichen werden mussten.

Ohnehin war es offenbar eine Herausforderung, den Turm neu zu verputzen, da die Bausubstanz keine einheitlichen Strukturen aufweise und großteils aus Tuffstein besteht. Er ist vulkanischen Ursprungs und sehr porös. Es galt, eine Materialmischung zu finden, die Mauerwerk und Putz dauerhaft zusammenhält.

Jetzt ist das Werk vollendet und die Außenmauern des Turms erstrahlen nach historischem Vorbild in Weiß. Die Farbgebung war eines der vielen Details, die im Vorfeld mit dem erzbischöflichen Ordinariat als Hauptgeldgeber und dem Denkmalschutz geklärt werden musste.

Dieser Tage haben die Kirchenmaler an allen vier Fassadenseiten ihr Werk für heuer vollendet, die Ziffernblätter der Uhren sind fertig. Eine Spezialfirma aus Regensburg hat die vergoldeten Kupferblech-Zeiger geliefert und montiert, die nach altem Muster gefertigt wurden.

Nächste Woche können fünf Lagen des Gerüsts abgebaut werden, sodass der Blick auf die neuen Uhren frei wird, kündigten Michael und Pfarrer Klaus Hofstetter im Gespräch mit der Heimatzeitung an. Ursprünglich waren es einmal 32 Lagen bis in fast 70 Meter Höhe, bevor im Sommer 2013 in einer Aufsehen erregenden Aktion die Kirchturmspitze aus Kugel, Kreuz und Wetterhahn wieder aufgesetzt werden konnte, nachdem ihre Halterung, der sogenannte Kaiserstiel, repariert worden war. Er war Jahre zuvor durch einen Blitzeinschlag beschädigt und die Spitze aus Sicherheitsgründen geborgen worden.

Auch im unteren Bereich können Teile des Gerüsts abmontiert werden, der größere Teil bleibt aber ebenso wie der Bauzaun über den Winter stehen. Im Frühjahr 2015 sind Michael zufolge noch Restarbeiten im Glockenturm zu erledigen, zum Beispiel sollen schadhafte Kettenantriebe des Geläuts erneuert werden.

Ebenfalls im Frühjahr sollen dann das Langhaus eingerüstet werden - ob ganz oder zunächst nur teilweise, lässt Michael noch offen. Das ist auch davon anhängig, welche Erkenntnisse die umfangreiche Schadenskartierung bringt, die über den Winter vor allem im Dachstuhl über den Sakristeianbauten erledigt werden soll. Zeitgleich soll dort auch der Schutt entfernt werden, der sich über Jahrzehnten und Jahrhunderte dort angesammelt hat.

Die Aufträge für die Langhaussanierung sind bereits vergeben. Bis Ende nächsten Jahres rechnet der Architekt damit, dass nur noch stellenweise an der Ostseite des Gotteshauses Gerüste stehen werden. An den Längsseiten, wo auch die Haupteingänge liegen, soll die Restaurierung bis dahin vollendet sein.

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