Kirchenorgel in Prien bleibt stumm: Neue Technik für altes Instrument

Der Orgelbauer Claudius May-Woehl beim Ausbau des Register-Moduls am offenen Spieltisch.
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Der Orgelbauer Claudius May-Woehl beim Ausbau des Register-Moduls am offenen Spieltisch.

Die Große Woehl-Orgel in der katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt ist für einige Wochen verstummt. 25 Jahre nach dem Bau durch den renommierten Orgelspezialisten Gerald Woehl muss sich die „Königin der Instrumente“ einer aufwendigen Revision insbesondere der elektronischen Anlage unterziehen.

Von Dirk Breitfuß

Prien – Das mechanische Instrument mit 50 Registern auf drei Manualen und Pedal verfügte bereits vor 25 Jahren über eine computergesteuerte Setzeranlage. Eine solche Einrichtung ist eine Art elektronischer Speicher für unzählige Kombinationsmöglichkeiten.

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Der Organist kann dank dieser Technik in Gottesdienst oder Konzert per Knopfdruck blitzschnell gewünschte Registerkombinationen abrufen. Ohne diese Spielhilfe würde der Organist mehrere Assistenten benötigen, um aufwendige Registrierungen innerhalb eines Musikstücks schnell wechseln zu können.

Wenn Priens Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl für ein Konzert oder eine besondere Aufführung in einem Gottesdienst übt, kann er abspeichern, welche Kombinationen für ihn beim Ausprobieren die beste Klangfarbe ergeben hat, erklärt er diese technische Hilfe im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Zum Patrozinium soll alles fertig sein

Als der Rimstinger im Frühjahr 2019 die Nachfolge von Rainer Schütz antrat, sei die alte Setzeranlage schon nicht mehr funktionsfähig gewesen. Bald soll die neue Technik einsatzfähig sein. Prankl hofft, dass die Arbeiten bis zum Patrozinium am Samstag, 15. August, abgeschlossen werden können. An diesem Festtag sind zwei Gottesdienste (10 und 19 Uhr geplant, um möglichst vielen Gläubigen die Möglichkeit zum Kirchenbesuch unter Corona-Einschränkungen zu ermöglichen.

Claudius May-Woehl, der Sohn von Erbauer Gerald Woehl, ist derzeit mit den Arbeiten an der Elektronik beschäftigt. Neben dem Einbau eines neuen Setzercomputers aus dem Hause Eisenschmid (Andechs) wird er auch routinemäßige Wartungsarbeiten und notwendige Anpassungen durchführen. Auf Anregung von Prankl wird beispielsweise an der Steuerung des Schwellwerks ein elektrischer Drehgeber nachgerüstet. Das Schwellwerk ist sozusagen ein in sich geschlossener Raum im Hauptgehäuse. Töne von dort klingen, als kämen sie aus der Ferne. Durch die Öffnung der Jalousien schwillt der Ton immer mehr an – daher der Name Schwellwerk.

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Der Organist hat die Öffnung der Jalousien des Schwellwerks künftig anhand einer Digitalanzeige am Spieltisch im Blick und kann die Wirkung präziser einsetzen.

Das Registercrescendo, das der Organist in Prien über einen Tritt mit dem Fuß ansteuert, wird Woehl-Junior nach den Angaben von Prankl neu programmieren.

Neben Verbesserungen an der Spieltischbeleuchtung werden auch sämtliche elektrische Register- und Koppelzugmagnete mit aktueller Technik ausgestattet, die das Betätigen der Register deutlich leiser macht und weniger Störgeräusche verursacht.

Werkstattleiterin Monika Sommer von der Firma Woehl wird nach der Erneuerung der elektrischen Anlage für Arbeiten und Reparaturen am Windsystem nach Prien kommen. Am Ende werden Prankl und Gerald Woehl, der Erbauer und Seniorchef der Firma, der Orgel zusammen den perfekten klanglichen Schliff verleihen.

20 000 Euro Kosten für Kirchenstiftung

Während der mehrwöchigen Orgel-Revision werden die Gottesdienste vorübergehend auf der kleinen Truhenorgel im Presbyterium bespielt. Für Messen, die mit Vokalensembles auf der Empore gestaltet werden, ist die Orgel Prankl zufolge eingeschränkt spielbar.

Die Kosten von 20 000 Euro muss die Kirchenstiftung Mariä Himmelfahrt ohne Zuschüsse des Bistums alleine tragen. Wer einen Beitrag zum Erhalt der Priener Woehl-Orgel leisten möchte, hat die Möglichkeit das Projekt mit einer Spende zu unterstützen.

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