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PFARRER UND GELEHRTER

Kirchenmann und Kunsthistoriker Dr. Walter Brugger schreibt im Wohnstift Marquartstein seine Memoiren

Dr. Walter Brugger in seiner „Schreibstube“ im Wohnstift Marquartstein.
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Dr. Walter Brugger in seiner „Schreibstube“ im Wohnstift Marquartstein.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Mit 92 Jahren hat sich der bayerische Theologe und Autor zahlreicher Bücher über die Kunst- und Landesgeschichte Bayerns, Dr. Walter Brugger, in das Wohnstift in Marquartstein im Chiemgau zurückgezogen. Nun schreibt er an seine Memoiren.

Marquartstein – Aber nicht nur der Stille und Geborgenheit wegen, sondern auch deswegen, weil er dort Raum und Zeit hat, an einem weiteren Buch zu schreiben. Dieses mal geht es um seine Memoiren. Bei einem Besuch der Chiemgau-Zeitung gewährte der betagte Pfarrer einen Einblick in seine bisherigen Tätigkeiten und Werke.

Auszeichnung von Papst Johannes Paul II.

Am 6. Oktober 1987 verlieh Papst Johannes Paul II. Walter Brugger den Titel „Ehrenprälat Seiner Heiligkeit“. Im Oktober 2008 ernannte ihn das Kollegiatstift Mattighofen nach seiner Doktorarbeit über das Haus zum Ehrenkanonikus. „Am liebsten aber sprecht mich mit Herr Pfarrer an“, sagte der Geistliche zu Beginn des Gesprächs bescheiden.

Seine Erzählungen beginnen mit ein paar Hinweisen zu seiner Kindheit und Herkunft: „Bäuerliche Wurzeln hatte ich väterlicherseits von meinem Vater, der Bauernknecht war und meinem Großvater, der Großknecht in Abtsdorf bei Laufen war, sowie durch meine Mutter, die aus der Holledau stammte.“

Primiz in der Heimatstadt Laufen

Geboren 1928 und aufgewachsen in Laufen war dort für Walter Brugger 1956 nach seinem Studium der Philosophie, Katholischen Theologie und Kunstgeschichte in Freising und München auch seine Primiz. Dazu der Geistliche: „Das war ein schönes Fest der ganzen Laufener Gemeinschaft, die Trachtler, deren Mitglied ich war, gaben dem Ganzen noch ein zusätzliches Flair“.

Erste Wirkstätte als Kaplan war von 1956 bis 1958 die Pfarrgemeinde St. Oswald in Traunstein. Daran erinnert er sich gerne, wie er erzählt: „In Traunstein habe ich die Brüder Georg und Joseph Ratzinger kennengelernt, Georg war zu meiner Zeit Chorleiter und da kam Joseph öfter zu Besuch“.

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Die nächste priesterliche Station war von 1958 bis 1962 die Zentralpfarrei „Heilig Geist“ in München und dann war Walter Brugger ab 1962 sechs Jahre lang Dozent für Predigtlehre und Katechetik im Priesterseminar in Freising. Von 1968 bis 1982 betreute er 12.000 Katholiken und führte 23 Angestellte in der Pfarrei „St. Georg“ in Freising, ehe er 1982 Pfarrer und Dekan in Berchtesgaden wurde. „In Berchtesgaden habe ich einen besonders eigenwilligen Menschenschlag kennengelernt. Umgekehrt haben diese auch mich kennen- und schätzen gelernt, so dass wir miteinander eine schöne Zeit hatten“, so Pfarrer Brugger.

Ausgleich beim Schreiben und in den Bergen

Die Anstrengungen des priesterlichen Einsatzes glich Walter Brugger durch kunsthistorische und schriftstellerische Tätigkeiten sowie durch Auszeiten in der heimischen Bergwelt aus. Besonders zog es ihn immer wieder zum Samerberg und ins Inntal, dort war er anfangs auf dem Samerberg zu Urlaub und dann bis 1987 war er 23 Jahre lang mehrwöchiger Urlaubsvertreter des Einsiedlers von Kirchwald in der Pfarrgemeinde von Nußdorf am Inn.

Einige Jahre verbrachte er auch noch in der Eremitage in Nusslberg bei Kiefersfelden. Walter Brugger berichtet: „Hier habe ich bei Erzählungen der Sennerin Cäcilie Kurz die Freuden und Leiden auf der Alm in ganz intensiver Weise kennengelernt“. Ihr zu Ehren hat er auch ihre handschriftlichen Aufzeichnungen in einem kleinen Bild- und Textband festgehalten.

„Herzensbildung ist Steigerung von Wissen“

Die Sennerin wurde für Pfarrer Brugger in den Wochen seines Aufenthaltes neben der Alm mit Versorgung der dortigen Wallfahrtskirche zur „Schmerzhaften Mutter Gottes“ zu einem Vorbild: „Gerade so wie meine Großmutter Maria Brugger beeindruckte sie durch ihre Herzensbildung. Für mich ist Herzensbildung die Steigerung von Wissen und Bildung.“

In seiner Inntaler Zeit freundete er sich mit der Samerberger Künstlerin und Ehrenbürgerin Elisabeth Kronseder an. Brugger hielt auch für die im Alter von 100 Jahren vor gut 30 Jahren verstorbene Bildhauerin und Malerin einen Gottesdienst. „Frau Kronseder war eine evangelische Christin, eine feine, einfache Frau und für mich eine Respektperson.“

Schriften auch über Herrenchiemsee

Zahlreiche Artikel hat Dr. Walter Brugger für heimatliche Kirchenlitaratur verfasst, unter anderem war er auch Mitherausgeber und Autor für Bücher über Herrenchiemsee, Berchtesgadener Land und Baumburg. Derzeit schreibt er fast täglich an seinen eigenen Memoiren, die Herausgabe des persönlichen Werkes ist für dieses Jahr vorgesehen.

Guter Kontakt mit Pfarrer Krämer

Viel Gutes gehört und Interessantes gelesen hat Pfarrer Hans Krämer von Prälat Walter Brugger, ehe dieser nach Marquartstein ins Wohnstift kam. „Als beliebter Seelsorger hat er in seinen Wirkungsstätten große Spuren hinterlassen. Seit er in Marquartstein ist, haben wir einen sehr guten und persönlichen Kontakt und wir telefonieren viel miteinander“, so der 82-jährige Ruhestandspfarrer.

Von seinem Wohnsitz Staudach aus betreut er die Gemeinde Marquartstein und damit auch das Wohnstift. Krämer fügt hinzu: „Regelmäßige Gottesdienste im Wohnstift sind ja leider seit Corona nicht mehr möglich, aber zu bestimmten Festen treffen wir uns im ganz kleinen Kreise zusammen mit dem ebenfalls im Wohnstift wohnenden Ruhestandspfarrer Alfons Oberbauer zu gemeinsamen Kommunion-Feiern.“

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