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Rimstings jahrhundertealtes Kleinod

Vom Unwetter geschädigt und fast eingeschmolzen: St. Salvator und eine Glocke, die schon alles erlebt hat

Mesner Wast Wimmer beeindruckt die Glocke noch nach all den Jahren. Hoetzelsperger
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Mesner Wast Wimmer beeindruckt die Glocke noch nach all den Jahren. Hoetzelsperger
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Vor der Schmelze gerettet, vom Unwetter gespalten und vieles mehr: In St. Salvator in Rimsting verbirgt sich eine ganz besondere Glocke. Was das mit dem New Yorker Metropolitan Museum zu tun hat.

Rimsting – Bis in das 12. Jahrhundert reicht die Geschichte der Filial- und Wallfahrtskirche St. Salvator, Gemeinde Rimsting und Pfarrverband Westliches Chiemseeufer nach den Aufzeichnungen des Priener Historiker Dr. Peter von Bomhard zurück. Der heutige Bau entstand im 15. Jahrhundert als mittelalterliche Hostienkirche, 1472 wurde sie vom damaligen Bischof vom Chiemsee Bernhard von Kraiburg geweiht.

Die Kirche St. Salvator.

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Aus dieser Zeit stammt im Turm der 34 Meter hohen Kirche eine 26 Zentner schwere und außergewöhnliche Glocke. Der besonderen Geschichte dieser Glocke spürte Wolfgang Bude vom Heimat- und Geschichtsverein Aschau im Chiemgau nach.

„Eine der schönsten der Erzdiözese“

Bei dieser Glocke handelt es sich um eine der schönsten Glocken des 16. Jahrhunderts in der Erzdiözese München-Freising, wie Kirchenmusikdirektor Gerald Fischer vom Erzbischöflichen Ordinariat vor einigen Jahren in einem Gutachten feststellte. Für Wolfgang Bude hat sie auch noch eine ganz eigene Beziehung zum gesamten Priental. An einem Samstagnachmittag um 15 Uhr beim traditionellen Einläuten des Sonntags machte sich Bude in Begleitung von Mesner Wast Wimmer auf den Weg zum Glockenturm. Nach drei engen Treppen und zwei steilen Leitern ist der Glockenraum erreicht.

Wolfgang Bude und Wast Wimmer (von links).

Spender mit großem Einfluss

Bude berichtet über den Spender der Glocke: „Pankraz von Freyberg (1508–1565), Inhaber der Hochgerichts-Herrschaften Hohenaschau und Wildenwart war wohl der Bedeutendste seines berühmten Adelsgeschlechts. Sein Einfluss auf die Politik im damaligen Herzogtums Bayern war maßgeblich. Den Höhepunkt seines Schaffens erreichte er in den Jahren von 1550 bis 1557. Vom jungen Herzog Albrecht V. von Baiern war er bereits als Rat in die Hofkammer aufgenommen worden. Von 1553 an diente er dann am Münchner Hof als Hofmarschall und bekleidete damit eines der vier höchsten Staatsämter des Herzogtums Baiern. Ein Beispiel dafür, dass er sich trotz der hohen Stellung auch um die Belange in seinem Herrschaftsgebiet kümmerte, ist die Glocke von St. Salvator“. Dass diese Glocke heute noch erklingt, hat mit Mut und Zufällen zu tun.

Blick vom Glockenturm auf den Friedhof von St. Salvator.

1551 von Unwetter beschädigt

In den Aufzeichnungen von Peter von Bomhard heißt es: „1551 schlug das ‚Hochwetter‘ in den Turm der Priener Pfarrkirche, beschädigte („erschlug“) den Helm und zerspaltete die große Glocke.“ Und Wolfgang Bude ergänzt: „Die Kirchenpröpste der Pfarrkirche unternahmen daraufhin große finanzielle Anstrengungen, um den Gesamtschaden zu beheben und u.a. eine neue Glocke gießen zu lassen. Dabei mag Pankraz von Freyberg seine Unterstützung geleistet haben, wie sein Wappen und die Inschrift auf der Glocke vermuten lassen“.

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In der Priener Pfarrkirche verblieb die Freyberg-Glocke als einzige Glocke, als im Ersten Weltkrieg die Glocken zum Einschmelzen eingesammelt wurden. Als dann 1924 die Priener Pfarrkirche ein ganz und gar neues Geläut bekam, da wurde die Freyberg-Glocke an die Nebenkirche St. Salvator abgegeben. Sie ergänzte dort zwei weitere, dort bereits befindliche Glocken. Diese beiden Glocken wurden im Zweiten Weltkrieg abgeliefert und eingeschmolzen, zurück blieb erneut die Freyberg-Glocke.

Vor Einschmelzen gerettet

Zu verdanken war dies dem damaligen Kirchenpfleger Andreas Fischer, Schneiderbauer von Pinswang. Er versteckte die nicht auf der offiziellen Abgabe-Liste befindliche Glocke unter Lebensgefahr im oberen Kirchturmbereich und so konnte sie am Pfingstsonntag 1945 und im Juli 1946 bei der Primiz des Heimatpriesters Johann Möderl aus Krinning erstmals wieder erklingen. Die alte Wetterglocke wird heute von noch zwei kleineren Glocken im Geläut ergänzt, diese wurden von der Firma Czudnochowky aus Erding gegossen.

Rimsting und New Yorker Metropolitan Museum

Wolfgang Bude erklärt die besondere Bedeutung der großen Wetterglocke von St. Salvator noch in folgendem Zusammenhang: „Außer dieser Glocke existieren nicht mehr viele dreidimensionale originale Gegenstände aus der Hohenaschau-Wildenwarter Freyberg-Zeit des 16. Jahrhunderts. Das in Eisen gegossene Freyberg-Wappen am unteren Tor der Burg Hohenaschau, ist noch eines der wenigen Zeugnisse.“ Es stamme von 1561 und Pankraz ließ es nach Fertigstellung der Bastei anbringen.

Ansonsten seien die schönsten und sicher wertvollsten Exponate aus der ehemaligen Rüstkammer der Herren von Freyberg im New Yorker Metropolitan Museum und in der Wallace Collection in London zu besichtigen. „Umso erfreulicher, dass es diese ehrwürdige Glocke in unserer Chiemgauer Heimat noch gibt“, findet Bude.

Die Inschrift auf der Freyberg-Glocke.

Die Details

Wolfgang Bude erklärt die Details der Glocke: „Drei Bilder sind auf ihr eingegossen: ein Kreuz, eine Muttergottes und das Wappen des Pankraz von Freyberg (Aschauer Dreiberg kombiniert mit den drei Sternen der Freyberg) mit der Jahreszahl 1552. Sie wiegt 1.3 Tonnen und stammt aus der bekannten Münchner Glockengießerei Steger. Unter Kreuz und Muttergottes hat sich der Gießer verewigt: „AM G H WOLFGSTEG DER IUNGER GOSEN MICH IN MINCHEN AO DI MDLII IAR“ (Wolfgang Steger der Jüngere, goss mich in München im Jahr des Herrn 1552). Die lateinische Inschrift am unteren Rand, geprägt in Großbuchstaben heißt frei übersetzt: „Die mit himmlischen Segen getaufte Glocke vertreibe durch ihre göttliche Kraft alle Unwetter und Dämonen“.

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