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Reaktion auf Missbrauchsskandal

„Kirche am Abgrund“: Unterwössener Künstlerin Moni Stein protestiert gegen Ex-Papst und Bischöfe

Die Unterwössener Künstlerin mit einer Skulptur aus der Reihe „Missbrauch und Bischöfe“ in der Ausstellung in der Galerie Marah Art in Bernau.
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Die Unterwössener Künstlerin mit einer Skulptur aus der Reihe „Missbrauch und Bischöfe“ in der Ausstellung in der Galerie Marah Art in Bernau.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Verbundende Augen, die Bibel am Schoß, ein verkokeltes Kirchenhaus und sich abwendende Menschen - die Unterwössener Künstlerin prangert in ihren Kunstwerken den Missbrauchsskandal der Katholischen Kirche an. Ihr Bischof aus der Protestaktion in Traunstein bleibt weiterhin unbekannt verschollen.

Bernau/Unterwössen – Der Missbrauchsskandal erschüttert die Katholische Kirche. Vergangene Woche wurden weitere Details bekannt gegeben. Eine der großen Fragen ist, was der emeritierten Papst Benedikt XI. beziehungsweise damalige Erzbischof Joseph Ratzinger gewusst und ob er sich der Pflichtverletzung schuldig gemacht hat. Die Unterwössner Künstlerin Moni Stein prangert die Haltung der Kirche bei der Aufarbeitung in dieser ganzen Angelegenheit mit ihre Kunst an. Sie zeigt ihre Arbeiten momentan in der Galerie Marah Art in Bernau. Die OVB-Heimatzeitungen haben sich dort mit ihr unterhalten.

Das verkohlte Kirchenhaus und dahinter die Menschen, die sich abwenden.

Figur auf unbekannte Weise verschwunden

In der Nacht auf vergangenen Freitag stellte Moni Stein in einer Nacht- und Nebelaktion eine ihrer Figuren aus der Reihe „Missbrauch und Bischöfe“ vor der Stadtkirche in Traunstein auf – genau gegenüber der Büste des emeritierten Papstes Benedikt (wir berichteten). Die Figur zeigte einen Geistlichen, der über seinen Schoß eine Bibel hält. Die Bischofsfigur war bereits am nächsten Morgen verschwunden. Ebenso die Augenklappe, die Stein über ein Auge der Benedikt-Büste gestülpt hatte.

Wer die Bischofsfigur mit ihrer mahnenden Aussage von Moni Stein beseitigt hat, das ist bislang nicht bekannt, sagt die Künstlerin im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie habe seit Freitag viel Zuspruch für ihre Aktion erhalten – viele Anrufe aus dem Bekanntenkreis, doch auch einige E-Mails von ihr fremden Menschen. Für eventuelle wütende Reaktionen habe sie sich innerlich gewappnet, wie sie berichtet. Bislang herrsche allerdings Schweigen von Kritikern.

Der „Missbrauchs-Bischof“.

Die frei schaffende Künstlerin aus Unterwössen ist Mitglied der katholischen Kirche und mit ihr groß geworden, wie sie betont. Schon als kleines Kind war sie von ihren kunstinteressierten Eltern viel in Museen und Kirchen mitgenommen worden. Sakrale Kunst ist heute eines ihrer Schaffensfelder.

Im Jahr 2015 schuf Moni Stein lebensgroße Betonskulpturen für einen Kreuzweg. „Mit diesen Figuren habe ich auf Krieg, die Schere zwischen Arm und Reich und die Flüchtlingsthematik hingewiesen – auf das heutige Leid“, erzählt sie. Dieser Kreuzweg sei unter anderem bei der Traunsteiner Kirche Heiligkreuz, der Stadtkirche Rosenheim und bei der Maxhütte in Bergen und sogar beim Trierer Dom ausgestellt worden.

Die Unterwössener Künstlerin Moni Stein will aufrütteln.

Später seien die Bischofsfiguren als Reaktion auf den Missbrauchsskandal entstanden. Die Bischöfe sind etwa 35 Zentimeter groß, eine davon ist in ihrer Ausstellung in der Galerie Marah Art in Bernau zu sehen. „Dieser Bischof windet sich regelrecht, über seinem Schoß liegt die Bibel, darunter ist ein erigierter Penis zu sehen“, beschreibt Stein die Figur. Ein anderes, größeres Objekt, das ebenfalls in der Galerie ausgestellt ist, heißt „Kirche am Abgrund“. Es zeigt ein verkokeltes Kirchenhaus, sich aneinander drängende Erwachsene und Kinder, die der verbrannten Kirche den Rücken zudrehen. Im Sockel sind Details eingearbeitet, wie ein Bischofsgesicht mit verrutschter Mütze und verbundenen Augen. Das Kunstwerk wirkt in seiner ganzen Art sehr drastisch.

Hoher Moralanspruch an die Gläubigen

„Die Kirche erhebt einen sehr hohen Moralanspruch. Ich erinnere mich noch gut an frühere Zeiten, als uns Kindern im Religionsunterricht mit Hölle und Todsünde gedroht wurde“, sagt Stein und fährt fort: „Die Kirche hat kein Rückgrat, den Missbrauchsskandal vollständig aufzudecken. Da passiert nix, damit kann ich nicht umgehen.“

Objekt „Kirche am Abgrund“: Die Menschen wenden sich ab.

Die Traunsteiner Protestaktion war nicht die erste ihrer Art, wenn auch die spontanste: „Als ich am Donnerstagabend die Nachrichten von dem Gutachten gehört habe, bin ich aufgesprungen und mit dem Bischof nach Traunstein gefahren.“ Im März vergangenen Jahres hatte Stein auf der Domplatte in Köln die Kunstaktion „DDT“ gestartet und öffentlich auf den Missbrauchsskandal hingewiesen. DDT steht für „Dogma, Duldung, Trieb“. „Die Priester sind innerlich gefangen. Ich will niemanden verurteilen, aber wenn ein Missbrauch passiert, muss dem nachgegangen und nicht unter dem Deckmantel der Heiligen Kirche versteckt werden“, fordert sie.

Künstlerin Moni Stein mit Galeristin Marah Strohmeyer-Haider (von links) bei der Ausstellung in Bernau.

Besucher diskutieren über das Kunstwerk und die Thematik:

Die Bernauer Galeristin Marah Strohmeyer-Haider erklärt im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen, dass die Bischofsfigur aufrund der aktuellen Protestaktion erst am Wochenende in Moni Steins Ausstellung „Zwischen den Jahren“ aufgenommen worden sei. „Wir wissen immer noch nicht, wer die Figur vor der Kirche in Traunstein entfernt hat. Ich stehe zu meinen Künstlern und wollte Moni Stein die Gelegenheit geben, dass sie die Figur und ihren Protest bei mir zeigen kann“, erzählt sie. Von der Figur seien sieben Güsse gefertigt worden, davon seien auch schon welche bei der zweiten Protestaktion in Köln weggekommen. Das Kunstwerk „Kirche am Abgrund“ in der Ausstellung sei von den Besuchern viel besprochen: „Es greift sehr gut und beeindruckend die Thematik auf“, so Strohmeyer-Haider. Die Ausstellung von Moni Stein in der Galerie Marah Art in Bernau ist noch bis Freitag, 28. Januar, zu sehen. Am Freitag ist Moni Stein persönlich anwesend. Besucher müssen sich unter der Nummer 01 72/4 86 49 56 für einen Termin anmelden.

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