Kinder sind Landkreis Traunstein 17,5 Millionen Euro wert

Kinder brauchen manchmal Unterstützung. Der Landkreis Traunstein unterhält sechs Familienstützpunkte in der Region. Sie sind wichtige Anlaufstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche.
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Kinder brauchen manchmal Unterstützung. Der Landkreis Traunstein unterhält sechs Familienstützpunkte in der Region. Sie sind wichtige Anlaufstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche.

„Hinter jedem Euro steckt ein Kind“: Der Etat der Traunsteiner Jugendhilfe ist der größte Posten des Landkreises. Zu Recht: Laut Jugendamt haben familiäre Konflikte zugenommen.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein – Ein großes Aufgabenspektrum deckt das Amt für Kinder, Jugend und Familie, kurz Kreisjugendamt, ab. In der der ersten Sitzung des „neuen“ Traunsteiner Kreisjugendhilfeausschusses mit Landrat Siegfried Walch ging es vor allem darum, die zahlreichen neuen beschließenden und beratenden Mitglieder zu informieren. Nach den Worten Walchs ist die Jugendhilfe der größte Ausgabenposten im diesjährigen Kreisetat 2020 mit rund 17,5 Millionen Euro.

Mit 80 Mitarbeitern stets im Einsatz

Alle an der Jugendhilfe Beteiligten trügen eine große Verantwortung: „Hinter jedem Euro steckt ein Kind, ein Jugendlicher, der der Hilfe bedarf. Mit den Geldern für die verschiedensten Bereiche wolle der Landkreis „einen möglichst großen Effekt erzielen“. Im Jugendamt, das sowohl klassische Verwaltungsarbeit erfülle als auch eine enorme Breite an pädagogischen Aufgaben zu bewältigen habe, seien mehr als 80 Mitarbeiter tätig.

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Jugendamtsleiter Franz Feil, seit zehn Jahren an der Spitze der Behörde, erläuterte eingehend die verschiedenen Fachbereiche, die sich in Vormund- und Pflegschaften, Beistandschaften und Beurkundungen, Unterhaltsvorschuss, in die Spezialdienste Prävention und Einzelfallhilfen, in Bezirkssozialarbeit und wirtschaftliche Jugendhilfe aufgliedern. Der Referent ging auf viele Details ein. Die Mitwirkung an Verfahren der Familiengerichte zum Beispiel bei „hochstrittigen Familienverfahren“ habe zugenommen: „Kinder kommen in Loyalitätskonflikte und werden dabei manchmal zerrieben. Solche Fälle wurden immer mehr in den vergangenen Jahren.“

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Der Jugendamtschef lobte seine Mitarbeiter: „Sie erleben viele belastende Situationen.“ Wenn es erforderlich sei, würden seine Mitarbeiter auch an Wochenenden sofort einspringen. Zweites zentrales Vorstellungsthema waren die sechs Familienstützpunkte im Landkreis. 2010 wurde Traunstein als Modellstandort ausgewählt, seit 2013 laufen die Stützpunkte im regulären Betrieb. Sie bilden ein niederschwelliges Familienbildungsangebot, dienen Familien als Anlauf- und Beratungsstelle, führen aber auch selbst normalerweise Bildungsveranstaltungen durch. Dr. Norbert Wolff leitet den Familienstützpunkt im Mehrgenerationenhaus Traunreut und ist obendrein Koordinator aller Stützpunkte. Sie sind unterteilt in die Regionen Trostberg, Traunreut, Traunstein, Tittmoning, Ruhpolding und Übersee, die jeweils von unterschiedlichen Organisationen betreut werden. Im Jahr 2019 seien die Angebote insgesamt bei über 2 000 Kontakten genutzt worden, so Wolff. Ein weiteres Standbein in der Jugendhilfe, die Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS), präsentierten Stefan Dufter vom Landratsamt und Udo Schwarz von dem Träger „Konis“.

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Diese Form der Sozialarbeit, 2004 in Traunreut ins Leben gerufen, gibt es mittlerweile an 24 Schulen im Landkreis – an 19 Mittelschulen, drei Berufsschulen und zwei Förderschulen. Udo Schwarz, selbst in Waging zusammen mit einem Kollegen aktiv, sprach von der „intensivsten Form der Kooperation von öffentlicher Jugendhilfe und Schule“.

Hilfe noch am selben Tag möglich

Die JaS-Mitarbeiter versuchten, an jedem Elternabend teilzunehmen. Schwarz weiter: „Wir kennen die Schüler, die Lehrer, die Eltern. Wir können notfalls Hilfe noch am selben Tag gewährleisten.“ Dabei arbeite man intensiv mit anderen Trägern zusammen. Landrat Walch ergänzte, in den Schulen könnten Probleme frühzeitig erkannt werden – „ehe sie eskalieren“. Es sei gut, zu wissen, dass es eine Stelle gibt, an die sich junge Leute wenden können.

Mehrfach jedoch kam zur Sprache, dass Corona gerade bei jungen Menschen und Familien erhebliche Probleme geschaffen hat. Dazu Thomas Hoffmann vom Kreisjugendring Traunstein: „Kinder, Jugendliche und Familien müssen harte Zeiten durchstehen.“ Abschließend zollte der Landrat gestern allen ehrenamtlichen Helfern, auch aus Verbänden und Vereinen, ein großes Lob.

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