900 Kilometer Mountainbike-Spaß durch den Chiemgau

Übersichtlich und mit Höhenprofil – so sehen die neuen Schilder für das erste Mountainbike-Netz Bayerns aus, das Ruhpoldings Tourismus-Experten Frank Oette (links) und Herbert Ringsgwandl schon mal als Muster präsentieren. Die Ausschilderung erfolgt ab Juli, der Start ist für kommendes Frühjahr geplant.
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Übersichtlich und mit Höhenprofil – so sehen die neuen Schilder für das erste Mountainbike-Netz Bayerns aus, das Ruhpoldings Tourismus-Experten Frank Oette (links) und Herbert Ringsgwandl schon mal als Muster präsentieren. Die Ausschilderung erfolgt ab Juli, der Start ist für kommendes Frühjahr geplant.

Ab Juli wollen Gemeinden wie Ruhpolding die sportlichen Radtouren ausschildern. Die offizielle Eröffnung des Wegenetzes ist aber erst für das nächste Frühjahr geplant.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding/Chiemgau – Mit Bayerns erstem Mountainbike-Netz möchten die Tourismus-Manager im Chiemgau noch stärker in die Werbe-Pedale treten als in den Jahren zuvor. Grundlage dafür ist die Unterzeichnung eines rechtsgültigen Nutzungsvertrags mit den Bayerischen Staatsforsten (BaySF), der in Zukunft beispielgebend für weitere Projekte im bayerischen Alpenraum werden könnte. Was das ratifizierte Vertragswerk und dessen Umsetzung für den Urlaubsort Ruhpolding bedeutet, darüber informierten Tourismusdirektor Frank Oette und Stellvertreter Herbert Ringsgwandl den Gemeinderat während der öffentlichen Sitzung im Pressezentrum der Chiemgau-Arena.

Jetzt macht sich die Gemeinde an die Beschilderung

Grundsätzlich zeigten sich beide Tourismus-Experten erleichtert darüber, dass das Abkommen nun nach langwieriger, sechs Jahre andauernder Entwicklungs- und Abstimmungsphase endlich in trockenen Tüchern ist. Nun könne man zügig an die Umsetzung des Projekts, das heißt an die einheitliche Ausschilderung der insgesamt 900 Kilometer langen Mountainbike-Strecken gehen, so Frank Oette. Erst im März dieses Jahres war es zur lang erwarteten Einigung von elf Chiemgau-Gemeinden mit den Bayerischen Staatsforsten gekommen (wir berichteten).

Vorangetrieben hatte das ehrgeizige Vorhaben die Lokale Aktionsgruppe (LAG) Chiemgauer Alpen unter Federführung ihres Vorsitzenden, Siegsdorfs Bürgermeister Thomas Kamm sowie Geschäftsführer Kolja Zimmermann. Sie haben auch das überzeugende Routen- und Beschilderungssystem erarbeiteten. Mit dem neuen Angebot wollen die Gemeindevertreter die Zielgruppe der sportlichen Mountainbike-Fahrer bewusster ansprechen.

Sehr aufwendig bei der Entwicklung des Mountainbike-Netzes war es, das Routennetz mit den Förstern der Forstbetriebe in Ruhpolding, Berchtesgaden, Schliersee und St. Martin aus Österreich sowie den Alm- und Landwirtschaftsbetrieben abzustimmen. Ausgeschlossen wurden Gebiete, die durch den Mountainbike-Verkehr zu stark belastet würden, und Strecken, die zu gefährlich wären.

Einer der Knackpunkte, wie es Herbert Ringsgwandl formulierte, war dabei die Frage der Verkehrssicherungspflicht. Da Grundstücksbesitzer und Kommunen allein nicht in der Lage sind, die komplette Verantwortung für das gesamte Netz zu tragen, übernehmen nun Staatsforsten und der Freistaat Bayern die Verkehrssicherung auf Straßen, die für Lastwagen befahrbar sind. Für die übrigen Wege sind die Gemeinden selbst zuständig.

Kritischen Stimmen, die eine steigende Zunahme der Naturbelastung oder höhere Kosten befürchten, nahm Ringsgwandl vorab den Wind aus den Segeln: „Wir bauen ja keinen Kilometer mehr, sondern nutzen nur unsere bewährten Strecken, und die verletzen weder Naturschutzbelange noch Wildschutzzonen.“ Oette sieht gerade in der neuen Ausschilderung eine Chance dafür, erhöhten Nachfragedruck in gezielte Bahnen zu lenken: „Natürlich wollen wir mehr Radsportbegeisterte in unser Tal locken, aber doch nicht unsere Natur kaputt machen. Sie ist und bleibt unser größtes Kapital,“ erklärt er.

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Derzeit laufen Druck und Fertigung der Ausgangs- und Führungsschilder, die ab Juli an allen vorgesehenen Punkten und Stationen angebracht und aufgestellt werden. Auch an kleine Pannen ist gedacht: Dafür entstehen Servicepunkte mit bereitgestelltem Werkzeug an der Ecklbrücke, der Chiemgau-Arena und in der Urschlau.

Mountainbiker müssen sich noch fast ein Jahr gedulden

Bis sich Mountainbike-Begeisterte auf eine der neu ausgeschilderten Routen in den Sattel schwingen können, wird allerdings noch einiges Wasser die Traun hinunterrauschen. Die offizielle Eröffnung ist für das kommende Frühjahr geplant. Dann aber steht dem ungebremsten Bike-Vergnügen auf insgesamt 900 Kilometern Länge nichts mehr im Weg.

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