Kiesabbau in Seeon-Seebruck wird nur zu einem Teil genehmigt

Das Landratsamt Traunstein hat den Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg zum Teil aufgehoben. Im nördlichen Bereich (rechts) bleibt die Genehmigung bestehen. Dagegen darf im südlichen Bereich (links) kein Kies abgebaut werden.
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Das Landratsamt Traunstein hat den Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg zum Teil aufgehoben. Im nördlichen Bereich (rechts) bleibt die Genehmigung bestehen. Dagegen darf im südlichen Bereich (links) kein Kies abgebaut werden.

Landratsamt Traunstein entscheidet sich überraschend gegen eine große Grube. Zwei Drittel des vorgesehenen Geländes dürfen aus Naturschutzgründen bleiben wie sie sind.

Von Gabi Rasch

Seeon-Seebruck – Überraschende Wende beim umstrittenen Kiesabbau in Grünweg bei Seeon: Das Landratsamt Traunstein hat den Genehmigungsbescheid für den Kiesabbau auf dem Gelände der Reitanlage Grünweg in der Gemeinde Seeon-Seebruck zum größten Teil aufgehoben. Das heißt, dass auf dem südlichen Teil – das sind zwei Drittel der Gesamtfläche – kein Kies abgebaut werden darf. Für die nördliche Fläche, auf der bereits in den 1960er-Jahren Kies abgebaut wurde, bleibt die Genehmigung bestehen. Darüber informierte Bürgermeister Martin Bartlweber (FWG) den Gemeinderat in einer Sitzung am Montag.

Überraschende Post vom Landratsamt

Die Presseerklärung des Landratsamtes, die kurz vor der Sitzung in der Gemeinde eingegangen war, überraschte nicht nur den Rat, sondern auch die geschätzten 80 bis 90 Besucher, darunter Anhänger der Bürgerinitiative und des Umweltschutzverbandes Alztal (UVA) sowie Mitarbeiter der Betreiberfirma. Aufgrund der Pressemitteilung war der Eilantrag der Grünen-Fraktion auf Widerruf der Baugenehmigung und Zurückstellung des Bauantrages bezüglich der Errichtung einer Kiesgrube in Seeon-Grünweg hinfällig.

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In der Pressemitteilung erklärte das Landratsamt, dass Kreisrat und Gemeinderat Sepp Daxenberger (CSU) beim Landratsamt interveniert habe und eindringlich auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees hingewiesen habe. Auch Bürgermeister Bartlweber habe dieses Argument bekräftigt.

Das Landratsamt habe das Gebiet um den See daraufhin nochmals intensiv geprüft. Dabei sei verstärkt die besondere Ortskenntnis von Bürgern aus Seeon-Seebruck eingebunden worden. Bei der Prüfung sei festgestellt worden, dass der Bansee einen sogenannten Toteiskessel bilde. Südlich des Verbindungsweges nach Pavolding sei der Toteiskessel bislang unberührt. Dementsprechend habe die Landkreisbehörde die Abgrabungsgenehmigung für diesen Bereich aufgehoben.

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Toteiskessel sind geologische Verschüttungen, die beim Zurückweichen der Gletscher entstanden sind. Zum Teil hätten sich durch das Schmelzen der Gletscher auch Toteisseen gebildet, so die Behörde weiter. Die Prüfung, ob solche Toteisflächen bestehen, sei kein üblicher Bestandteil einer Antragsprüfung für Kiesabbauflächen. Toteiskessel beziehungsweise Toteislöcher seien als wichtige Landschaftsbestandteile nach dem Bayerischen Naturschutzgesetz besonders geschützt. Ein Kiesabbau an einer solchen Stelle sei nicht zulässig. Der Genehmigungsbescheid werde daher für den südlichen Teil aufgehoben. Dabei gehe es um zwei Drittel der beantragten Abbaufläche. Für den nördlichen Teil bleibe die Genehmigung bestehen.

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Die Abbauzeit für die genehmigte nördliche Fläche beträgt nach Angaben der Behörde etwa zwei Jahre. Für den jetzt nicht mehr genehmigten südlichen Teil hätte sie acht weitere Jahre betragen. Grundsätzlich sei festzuhalten, dass es sich bei Genehmigungen solcher Art um umfassende rechtsstaatliche Verfahren handle. Maßgebend seien dabei nicht politische Entscheidungen, sondern stets Gutachten und Stellungnahmen von Fachbehörden – so auch in diesem Verfahren.

Gemeinderat trägt Kompromiss mit

„Wir sollten den Kompromiss akzeptieren“, kommentierte Bartlweber die Entscheidung des Landratsamtes. Eine Klage, die Toni Mayer (Grüne) in Erwägung zog, um auch den Abbau im nördlichen Bereich zu verhindern, könnte nach Angaben des Bürgermeisters nur über den Verwaltungsweg erfolgen und wäre aufgrund der Verhältnismäßigkeit sinnlos. Dies bekräftigte auch Christine Kosanovic (FWG): „Ich schließe mich dem Bürgermeister an, sagte die Juristin.

Mit Nachdruck wies Daxenberger darauf hin, das Verfahren für einen konzentrierten Kiesabbau in der Gemeinde zu beschleunigen. „Es sind Monate vergangen und nichts ist passiert“, wetterte er. Nach Angaben Bartlwebers soll das Verfahren nach der Sommerpause zügig in die Sitzung gebracht werden. Mit 15:2 Stimmen votierte das Gremium, dafür , den Kompromiss mitzutragen und keine weiteren rechtlichen Schritte einzuleiten.

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