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Keine öffentlichen WCs: Die Fraueninsel sucht ein stilles Örtchen

Auf der Fraueninsel in der Nähe des Anlegestegs steht eine von zwei mobilen Toiletten.
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Auf der Fraueninsel in der Nähe des Anlegestegs steht eine von zwei mobilen Toiletten.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Auf der Fraueninsel kann es schnell mal eng werden, wenn‘s pressiert. Denn im Lockdown sind die Toiletten der Wirte geschlossen. So will die Gemeinde weitermachen.

Chiemsee – „Die Leute haben einfach ihre Notdurft erledigt und ein Taschentuch drauf geschmissen“, beklagt sich Peter Mayr, der auf der Fraueninsel lebt. Auf Frauenchiemsee stehen keine öffentlichen Toiletten zur Verfügung. Usus war es, dass die Tagestouristen ihr Geschäft in den Toiletten der ansässigen Gaststätten verrichten. Wegen des Lockdowns ist dies nicht mehr möglich.

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„Eine Vereinbarung haben wir mit der Gastronomie nicht, das wurde einfach seit Jahren so gelebt“, sagt Armin Krämmer (FWG), Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee. „Wir haben seit Herbst mobile Toiletten aufgestellt, weil die Leute ja trotzdem kommen“, sagt der Bürgermeister. Je nach Bedarf, meist alle zwei Wochen, werden diese geleert und auch regelmäßig sauber gemacht.

Mobile WCs mit Frostschutz

Vorausschauend habe die Gemeinde Toiletten mit einem Frostschutz bestellt. Denn am vergangenen Wochenende waren zahlreiche Besucher trotz eisiger Temperaturen auf der Fraueninsel.

Einer von ihnen ist der Fotograd Manfred Huber, der gerade wegen des eisigen Windes auf die Insel fuhr, um dort die ungewöhnlichen Eisformationen zu fotografieren. „Ich schätze, dass 30 bis 40 Leute mit mir auf dem Schiff waren“ sagt Huber.

Notfahrplan für die Inseln

Die Chiemsee-Schifffahrt fährt derzeit nur von Prien und Gstadt mit einem Notfahrplan die Insel an, der einen Aufenthalt von mindestens zwei Stunden erfordert. „Je nach Wetter, sind auch Ausflügler unterwegs“, sagt deren Geschäftsführer Michael Feßler. Schon auf der Internetseite weist die Chiemsee-Schifffahrt darauf hin, dass auf der Fraueninsel keine öffentlichen Toiletten zur Verfügung stehen.

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Das soll sich bald ändern. Derzeit prüft der Gemeinderat, wie sich öffentliche Toiletten auf der Fraueninsel umsetzen lassen. „Gar nicht so einfach ist das, schließlich haben wir nur begrenzt Grund und Bauten, die wir nutzen können“, sagt der Bürgermeister. Nicht nur wegen der Pandemie, sondern insgesamt halte der Gemeinderat es für nötig, öffentliche Toiletten zu schaffen. Der große Andrang im vergangenen Sommer seien Auslöser gewesen, für ein stilles Örtchen sorgen zu wollen, so Krämmer.

Vermutlich Gebühren

Schon in einer der kommenden Sitzungen sei die Umsetzung ein Thema im Gemeinderat. Sorgen mache Krämmer noch, dass die Kosten dafür sehr hoch seien, gerade auch für die regelmäßige Reinigung. Die Gemeinde werde daher die Toiletten vermutlich nicht kostenlos anbieten.

Im Gasthaus zur Linde berichtet Rezeptionistin Bianca Wolff von einem hohen Mehraufwand durch Corona. „Wir mussten im Sommer zusätzliches Personal einstellen, da Toiletten und Waschräume ununterbrochen gereinigt und desinfiziert werden mussten“, sagt Wolff. Eine Gebühr wolle das Gasthaus vorerst nicht erheben, bitte aber wie bisher um eine freiwillige Hygienespende.

Drehkreuz in Gaststätte

Der Klosterwirt liegt direkt an der Anlegestelle der Schiffe. „Ich bin seit über zwanzig Jahren hier, aber so hohe Kosten können wir uns auf die Dauer nicht mehr leisten“, sagt Pächter Michael Leiner. 2015 sei der Klosterwirt komplett renoviert worden.

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Doch schon kurze Zeit später seien ein Schalter für die Spülung, der Regler für die Heizung und sogar eine Toilettenbürste gestohlen worden. „Ob das nun unsere Gäste waren oder andere Besucher – Fakt ist, dass das alles Geld kostet“, sagt Leiner.

Wirt schafft Drehkreuz an

Er werde daher ein Drehkreuz anschaffen, sodass künftig nach wie vor jeder die Toiletten benutzen kann. Wer bei ihm einkehre, erhalte einen QR-Code, um die WCs kostenlos zu nutzen, alle anderen müssen bezahlen. Die Kosten dafür seien laut Leiner so hoch wie ein Mittelklassewagen und werden sich erst nach Jahren amortisieren, dennoch sei es ihm das wert.

Dass, wie eingangs erwähnt, nicht jeder eine mobile Toilette nutzen möchte, ist laut Krämmer derzeit kein Problem, es scheint sich um Einzelfälle zu handeln. „Sobald die Gastronomie öffnen darf, werden wir die mobilen Toiletten wieder abschaffen“, sagt Krämmer.

WCs auf der Herreninsel

Auf der Herreninsel sind die öffentlichen Toiletten an der Anlegestelle täglich geöffnet und werden regelmäßig gesäubert, bestätigt Franziska Wimberger, Sprecherin der Bayerischen Schlösserverwaltung. „Gerade an Wochenenden bei guter Witterung kommen jetzt vermehrt Gäste zum Spazierengehen auf die Herreninsel, die sich zum großen Teil vorbildlich verhalten“, sagt Wimberger.

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